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Arnold Schönbergs Schüler über ihren Lehrer
Olga Novakovic
»Schönbergs Schüler gewesen zu sein heißt Schönbergschüler sein;
heißt, trotz Wanderns und Irrens, das er an uns liebte, weil er den Ausgang
nicht fürchtete, jenen Maßstab eingeätzt bekommen haben, der echt von
unecht scheidet, Wahrheit in Kunst und Leben als Ziel setzt.« (Festschrift
1934)
Józef Koffler
»Eines Tages bekam ich die Harmonielehre von Schönberg in die Hand.
[...] die philosophischen, ästhetischen und allgemein-menschlich klugen
und tiefen Gedanken haben es mir angetan. Sie nahmen mich gefangen, sie
zwangen mich, den Weg der Kunst zu gehen. [...] nachher schrieb ich fünfzehn
Veränderungen einer Zwölftonreihe, die ich Meister Schönberg mit einer
Widmung schickte.« (Festschrift 1934)
Paul von Klenau
»Das Gesamtwerden Schönbergs enthält eine erstaunliche Fülle von
verschieden gearteten Empfindungen und Problemen. Die geniale geistige
Vitalität Schönbergs treibt überall vorwärts nach Neuerleben und Neugestalten.«
(Festschrift 1924)
Karl Linke
»Was das Musikstudium bei Schönberg so faszinierend macht, ist diese
ungeheure Ansammlung von Energie, die in jedem Worte liegt, das er spricht.
Nie wird etwas Schablone, formelhaft oder starr. Es ist bezeichnend, dass
Schönberg immer auf und ab geht, wenn er etwas entwickelt; weil alles
in ihm Aufruhr und Bewegung ist.« (Festschrift 1912)
Josef Polnauer
»Schönberg - allen seinen Schülern tiefstes, ihr Innerstes aufwühlendes
Ereignis. Genie auch hier, erkennt er bald eines jeden Art und Begabung;
[...] Keiner, der guten Willens ist, geht ungesegnet von ihm.« (Festschrift
1924)
Hans Erich Apostel
»Schönberg war es, der uns sagte, daß Wahrhaftigkeit der Primat
eines Kunstwerks sei. Und wir können ihm aufrichtig entgegnen, daß diese
Worte nicht‚ ins Leere gesprochen' waren.« (Festschrift 1934)
Hanns Jelinek
»Doch hier einen neuen Weg nicht nur zu ahnen, sondern auch aufzufinden,
ihn nicht nur selbst zu gehn, sondern ihn auch anderen gangbar zu bereiten
- das konnte nur die Leistung eines überragenden Genies sein, eines Mannes,
der gleichermaßen bedeutend als Schöpfer wie als Theoretiker, zum Lehrmeister
kommender Geschlechter werden mußte. Dieser Genius erstand der Musik in
Arnold Schoenberg.« (»Anleitung zur Zwölftonkomposition«)
Anton Webern
»Zwanzig Jahre ist es gerade her, daß ich Schüler Arnold Schönbergs
geworden bin. Aber, wie sehr ich mich auch bemühe, ich kann den Unter-schied
zwischen damals und jetzt nicht fassen. Freund und Schüler: immer war
der eine der andere.« (Festschrift 1924)
Pauline Alderman
»Schönberg hatte riesige Blätter Packpapier an der Wand befestigt, auf
die er mit Wachsstiften schrieb, die Notenlinien wurden mit einem Rastral,
besteckt mit Wachsstiften, gezogen. Er konnte Schultafeln und Kreide nicht
leiden.«
Leonard Stein
»Es gab vielleicht nur wenige Komponisten, die so viel Zeit und
aufrichtige Hingabe in ihre Lehrtätigkeit investierten wie Schönberg.
Einer der Gründe für seine starke Orientierung an der Tradition lag im
Glauben an eine Lehre, deren Zweck in der Vermittlung dieser Tradition
lag, an die er unerschütterlich glaubte und als dessen Teil er sich selbst
begriff. Schönberg hat niemals gezögert sich jener Komponisten zu bekennen,
die ihn selbst beeinflußten: in erster Linie seine »Lehrer« Bach und Mozart,
in zweiter Linie Beethoven, Brahms und Wagner. Schönberg liebte es, seine
Arbeitsweise im Unterricht als »systematisches Vorgehen« zu bezeichnen.
In seinen Kontrapunkt-Vorlesungen brachte er zahlreiche Beispiele, welche
alle Aspekte des Kontrapunkts, von der einfachsten Handhabung der Arten
bis zum Choralvorspiel und zur Fuge, illustrieren. Einige davon waren
für die Stunden im voraus zurechtgelegt, viele andere jedoch hat Schönberg,
um besondere Einzelheiten je nach Bedarf zu erläutern, gemäß seiner pädagogischen
Gepflogenheiten an Ort und Stelle improvisiert. Schönbergs Vorgangsweise
zielte nicht auf die Herstellung von ein oder zwei nach bestimmten Vorstellungen
»vollendeten Sätzen«, sondern auf ein praktisches Resultat: sie sollte
den Schüler ermutigen, in stetig sich weitenden Grenzen alle brauchbaren
Lösungen eines bestimmten Problems selbst ausfindig zu machen. Im Endeffekt
sollte diese Methode dem Schüler zur Aneignung einer Disziplin verhelfen
, die ihn in den Stand setzt, alle Probleme, vor die er sich gestellt
sehen mag, analytisch zu erfassen, und kraft technischer Sicherheit mit
den meisten davon fertig zu werden.«
Gerald Strang
»Schönberg war davon überzeugt, daß der Kompositionsschüler die traditionellen
Techniken und Methoden der Organisation gründlich beherrschen und eine
breite und genaue Kenntnis der Musikliteratur besitzen müsse, um imstande
zu sein, die schwierigeren Probleme der zeitgenössischen Musik zu bewältigen.
Demgemäß bezog er sich im Unterricht nur selten auf Musik seit 1900, wogegen
der Schüler dazu ermutigt wurde, von den Mitteln, die bis zu dieser Zeit
zur Verfügung standen, Gebrauch zu machen. Wesentliche ästhetische Grundsätze,
wie Klarheit der Aussage, Kontrast, Wiederholung, Ausgeglichenheit, Variation,
Ausarbeitung, Proportion, Verbindung, Überleitung etc. gelten unabhängig
von Stil oder Idiom.«
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