Schüler in Wien und Mödling

  Rudolf Kolisch
1896 – 1978


Bedingt durch einen Unfall in seiner Kindheit, bei dem er ein Fingerglied verloren hatte, spielte Kolisch die Violine mit der linken Hand. Nach Ende des Krieges, an dem Kolisch als Freiwilliger teilgenommen hatte, nahm er Kontakt zu Schönberg auf, den er durch Vermittlung seines Vater kennenlernte. 1919 wurde Kolisch als Kompositionsschüler bei Schönberg aufgenommen, bald darauf wurde er zusammen mit Webern, Berg und Steuermann Vortragsmeister im Verein für musikalische Privataufführungen.
 
Die anfängliche Kompositionstätigkeit gab er bald darauf auf. 1921 gründete Kolisch auf Schönbergs Anregung hin das »Wiener Streichquartett«, mit Rudolf Kolisch, Fritz Rothschild (abwechselnd Violine I und II), Marcel Dick (Viola) und Joachim Stutschewsky (Cello). Einige Jahre später bildete sich das Kolisch-Quartett, als feste Besetzung etablierten sich Felix Khuner (Violine), Eugene Lehner (Viola) und Benar Heifetz (Cello). Seit der Heirat seiner Schwester mit Arnold Schönberg 1924 war Kolisch auch verwandschaftlich mit seinem Lehrer verbunden. Zahlreiche Tourneen führten das Kolisch-Quartett ins europäische und außereuropäische Ausland. Ab 1939 begann Kolisch seine Lehrtätigkeit an der New School for Social Research in New York, 1944 wurde er Leiter des Pro Arte Quartet. 1967 bekam Kolisch eine Anstellung an der Fakultät für Kammermusik am New England Conservatory of Music in Boston, wo er die Leitung von Kammermusikensembles übernahm und Seminare, speziell über Formenlehre, hielt. 1953-58 unterrichtete Kolisch bei den Darmstädter Ferienkursen für neue Musik und an der dortigen Akademie für Tonkunst. Zusammen mit dem Musikwissenschaftler Rudolf Stephan gab Kolisch 1974-77 seine berühmten Interpretationskurse zur Musik der Wiener Schule im Mödlinger Schönberg-Haus. Rudolf Kolisch starb am 1. August 1978 in Watertown, Massachusetts.
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