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Newsletter
Edition
13, September 2004 Februar
2005
Inhalt
Editorial
Aus dem Archiv
Wissenschaftszentrum Arnold
Schönberg
Avenir Foundation Forschungsbeihilfe
Symposium »Topographie des Gedankens«
Freunde des Arnold Schönberg Center
Subskription, E-Shop
»Eine Ausstellung zum Hören«
Pressestimmen
»Mit Schönberg spielen«
Editorial
Geschätzte Freunde des Arnold Schönberg Center!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Der vorliegende Newsletter ist dem Andenken an Leonard Stein gewidmet,
der am 23. Juni 87jährig in Los Angeles verstorben ist. Der Pianist, Lehrer
und Leiter des Arnold Schoenberg Institute in Los Angeles (1975 - 1991)
war ab 1935 Schüler von Arnold Schönberg, später sein Assistent und in
dieser Funktion etwa an den Uraufführungen von Schönbergs Phantasy for
Violin with Piano Accompaniment op. 47 und der Kammersymphonie op. 38B
beteiligt.
Mit seinen hervorragenden Kenntnissen zeitgenössischer Musik machte sich
Stein einen Namen als Pianist und Konzertveranstalter der »Encounter Series«
in Pasadena, der »Piano Spheres« in Los Angeles und hochkarätiger Konzertserien
am Arnold Schoenberg Institute, als Lehrer etwa des »Vaters des Minimalismus«,
La Monte Young, und als Freund von Komponisten wie Arnold Schönberg, Igor
Strawinsky, Olivier Messiaen, Pierre Boulez und John Cage. Leonard Stein
veröffentlichte Schriften von und über Arnold Schönberg, etwa dessen nachgelassene
Lehrbücher »Fundamentals of Musical Composition« und »Models for Beginners
in Composition« sowie die englische Neuausgabe von »Style and Idea«. Er
war zudem Herausgeber des »Journal of the Arnold Schoenberg Institute«.
Mit der Gründung der Arnold Schönberg Center Privatstiftung in Wien Anfang
1997 entstand sogleich ein Kontakt mit Leonard Stein. Während das Schönberg-Archiv
transferiert wurde, sprach Stein in einem mehrstündigen Interview vor
dem Arnold Schoenberg Institute über seine Maximen, Errungenschaften und
Visionen für die Arbeit am Schönberg-Nachlaß; zur Eröffnung des Center
in Wien im März 1998 reiste er als Festredner und Pianist an. Weitere
Auftritte im Rahmen des Schönberg-Schwerpunktes in Gmunden (OÖ) 1999,
zum Symposium des Arnold Schönberg Center »Arnold Schoenberg in America«
2001 und für einen Workshop im Jahr 2002 boten noch Gelegenheit zur Diskussion
mit dem bis ins hohe Alter äußerst scharf denkenden Zeitzeugen.
Der Herbst im Arnold Schönberg Center beginnt ganz im Zeichen der Sonderausstellung
»Arnold Schönbergs Schachzüge - Dodekaphonie und Spiele-Konstruktionen«,
die wir aufgrund der großen Publikumsnachfrage bis zum 28. Januar 2005
verlängern. Fast tausend Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 12 Jahren
besuchten bereits im Mai und Juni das eigens konzipierte Education-Programm,
bei dem man nicht nur Schönbergs Musik hören und seine Bilder und Manuskripte
sehen sondern sogar eine eigene Schachfigur erfinden kann. Das Programm
wurde in die Aktion des Wiener Ferienspiels aufgenommen und wird im Herbst
fortgesetzt. Im Rahmen der »Langen Nacht der Museen« am 9. Oktober können
Sie Konzerterlebnisse mit einem Ausstellungsbesuch verbinden.
Mehr und mehr Schönberg-Freunde nützen die Möglichkeit, unser Webradio-Programm
über das Internet zu hören. Wer über Computer mit Soundkarte und Internetzugang
verfügt, kann auf unserer website www.schoenberg.at den Programmpunkt
Webradio auswählen und dort durch Klick auf das Lautsprecher-Zeichen die
Übertragung starten. Und wer uns darüber hinaus bei der Arbeit unserer
Stiftung unterstützen möchte, den laden wir herzlich ein, Freund des Arnold
Schönberg Center zu werden Unser neuer e-shop macht es ab sofort noch
einfacher, Notenmaterial, CDs und Literatur von und zu Arnold Schönberg
zu bestellen. Und ab Herbst 2004 werden die ersten Ergebnisse des Digitalisierungsprojektes
der Schönberg-Korrespondenz über das Web einsehbar sein.
Wieder blicken wir auf ein ereignisreiches Frühjahr zurück. Die Wiener
Festwochen boten unsere »Schachzüge«-Ausstellung als Rahmenprogramm zu
exzeptionellen Schönberg-Aufführungen an: die zur Eröffnung des Musikfestes
von Mariss Jansons geleiteten »Gurre-Lieder« mit den Wiener Philharmonikern
und »Pierrot lunaire« unter der Leitung von Pierre Boulez im Theater an
der Wien. In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin und
der Staatsoper Unter den Linden veranstalteten wir im Juni ein Symposium
zu »Arnold Schönbergs ›Moses und Aron‹ - Aufgabe des Übersetzens « zur
Umrahmung der neuen »Moses und Aron«-Produktion von Daniel Barenboim und
Peter Mussbach. Dazu wurde im Foyer eine Dokumentationsausstellung präsentiert,
die während der Vorstellungen besichtigt werden konnte. Im tschechischen
Krumau eröffnete wenige Tage nach der EU-Erweiterung im Mai eine große
Ausstellung zu Arnold Schönbergs Bildnerischem Werk sowie eine multimediale
Ausstellung zu seinem Leben und Werk.
Im Winterhalbjahr 2004/2005 offeriert das Arnold Schönberg Center eine
rege Wissenschafts- und Konzerttätigkeit. Ein Symposium anläßlich des
100. Geburtstages ist Luigi Dallapiccola gewidmet, die Lehrveranstaltungen
von Gastprofessor Elmar Budde sind aufgrund der Nachfrage nunmehr öffentlich
zugänglich, Abonnement-Zyklen des Ensemble Wiener Collage und des aron
quartett bieten musikalische Vielfalt aus vier Jahrhunderten, und eine
liebgewordene Tradition findet mit dem Konzert anläßlich des 130. Geburtstages
von Arnold Schönberg am 13. September in Zusammenarbeit mit dem Ensemble
Kontrapunkte und dem Österreichischen Rundfunk ihre Fortsetzung.
Ich würde mir wünschen, daß Sie an unseren Aktivitäten Anteil nehmen,
sei es im Auditorium, bei internationalen Projekten oder über www.schoenberg.at.
Herzlich Ihr
Christian Meyer
Direktor
Aus dem Archiv
Arnold Schönbergs Bildnerisches Werk
Das Arnold Schönberg Center wird im Frühjahr 2005 anläßlich einer Retrospektive
des Bildnerischen Schaffens von Arnold Schönberg einen Catalogue raisonné
vorlegen. Begonnen wurde das Projekt nach methodischer Diskussion mit
Nuria Schoenberg Nono, Lawrence und Ronald Schoenberg sowie Christian
Meyer mit der Neuverfilmung aller am Center durch eine Dauerleihgabe der
Erbengemeinschaft (Los Angeles und Venedig) verfügbaren Bildträger für
den Abbildungsteil des Werkkatalogs.
Die Ausrahmung der Werke folgte zudem der Intention, bislang vorhandene
Bestandsdaten hinsichtlich Werktitelgebung, Maltechnik- und Malträgerbestimmung,
Datierung und kontextueller Bezüge zu präzisieren. Die aus der Bestandsaufnahme
gewonnenen Erkenntnisse erlauben die zeitliche Eingrenzung von etwa 90
bisher undatierten Werken. Wichtige Details konnten auch zur schwierigen
und nur spärlich dokumentierten Frage der Werktitel gefunden werden.
Aus Schönbergs Korrespondenz und Tagebucheintragungen, zeitgenössischen
Ausstellungskatalogen und -rezensionen sowie Fotoalben ist die Existenz
einer Reihe von Gemälden und Zeichnungen belegt, die heute als verschollen
gelten und deren Auffindung von unschätzbarem Wert für die Provenienzforschung
zu Schönbergs Bildnerischem Werk wäre. Wir bitten daher, Hinweise, welche
die Wiederauffindung der nachstehenden Bilder ermöglichen, an das Archiv
zu richten.
|
Titel
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Quelle
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Provenienz
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|
1. Gustav Mahler
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Katalog Heller 1910
|
Gustav Mahler
|
| 2. Gustav Mahler |
Katalog Heller 1910 |
Gustav Mahler |
| 3. Gustav Mahler |
Katalog Heller 1910 |
Gustav Mahler |
| 4. Gustav Mahler |
Katalog Heller 1910 |
Arnold Schönberg |
| 5. Gustav Mahler |
Fotografie Wohnung Arnold Schönberg 1911
Symphonie / II. Satz |
Arnold Schönberg |
| 6. Gustav Mahler |
Fotografie Wohnung Arnold Schönberg 1910 |
Arnold Schönberg |
| 7. Portrait |
Fotoalbum 1910 |
Arnold Schönberg |
| 8. Buchhändler H(ugo) H(eller) |
Katalog Heller 1910, Der Merker 2 /17
(Juni 1911), Fotoalbum 1910 |
Hugo Heller (?) |
| 9. Frau Dr. W(erndorff) |
Katalog Heller 1910, Der Merker 2 /17
(Juni 1911), Fotoalbum 1910 |
Etta und Karl Werndorff (?) |
| 10. Vision/Fantasie |
Fotoalbum 1910 |
Arnold Schönberg |
| 11. Vision/Fantasie |
Fotoalbum 1910 |
Arnold Schönberg |
| 12. Stilleben (Blumenvasen) |
Fotoalbum 1910 |
Arnold Schönberg |
| 13. Winterlandschaft |
Tagebuch 1912 |
Friedrich Eichberg |
| 14. Selbstportrait |
Modern Music 1944 |
League of Composers |
| 15. Selbstportrait |
Stargardt Auktion
(Postkarte an Alma Mahler) |
Alma Mahler |
| 16. Selbstportrait |
Korrespondenz Arnold Schönberg -
Karl Grünberg 1940
|
Karl Grünberg |
| 17. Vision/Fantasie |
Korrespondenz Arnold Schönberg -
Karl Grünberg 1940 |
Karl Grünberg |
| 18. Karikatur (Paul Stefan) |
gestohlen bei einer Ausstellung in der
Fisher Gallery Los Angeles 1974 |
Familie Schoenberg |
| 19. Karikatur 1921 |
gestohlen bei einer Ausstellung in der
Fisher Gallery Los Angeles 1974 |
Familie Schoenberg |
| 20. Männliches Portrait |
Fotoalbum 1910 |
Arnold Schönberg |
Webradio
Eine der vordringlichsten Aufgaben des Archivs besteht in der Erhaltung
und konservatorischen Pflege des Schönberg-Nachlasses sowie dessen inhaltlicher
Erschließung für die Öffentlichkeit. Daß dieser Stiftungsauftrag nicht
nur anhand der Digitalfaksimilierung von Manuskripten und Dokumenten,
sondern aufgrund avancierter technischer Möglichkeiten nunmehr auch mit
der Veröffentlichung audiovisueller Medien über das Internet erfüllt werden
kann, wurde in den letzten Monaten im Arnold Schönberg Center Webradio
erstmals mittels eines repräsentativen Überblicks auf historisches und
dokumentarisches Archivmaterial gezeigt.
Um den Besuchern von www.schoenberg.at die Möglichkeit zu geben, ihr Radioprogramm
selbst zu gestalten, wurden die Audiodatenbestände thematisch zusammengefaßt
und sind nunmehr auch als statische Klangbeispiele auswählbar. Diese virtuelle
»Jukebox« umfaßt folgende Schwerpunkte:
o Dokumentationen
o Vorträge
o Zeitzeugen-Interviews
o Arnold Schönberg spricht
o Texte von Arnold Schönberg
o Historische Aufnahmen
o Audio-Werkverzeichnis
Dokumentationssendungen zu Schönbergs Leben und Werk werden in neun Sprachen
angeboten. Eine Auswahl von Vorträgen in deutscher und englischer Sprache
dokumentiert die am Arnold Schönberg Center seit 1999 veranstalteten internationalen
Symposia (»Arnold Schönbergs Wiener Kreis«; »Arnold Schönberg in Berlin,
Amerika und Frankreich«; »Arnold Schönberg und sein Gott«; »Der Maler
Arnold Schönberg«; »Arnold Schönbergs Schachzüge«). Interviews mit und
Erinnerungen von Schönbergs künstlerischen und familiären Wegbegleitern,
darunter Gertrud und Nuria Schoenberg, Hanns Eisler, Luigi Dallapiccola,
Felix Greissle, Leonard Stein und Paul Dessau, werden in der Rubrik »Zeitzeugen«
zusammengefaßt. Die rund 50 Aufzeichnungen von Schönbergs Stimme umfassen
(Rundfunk-)Vorträge, Interviews, Werk einführungen, Briefdiktate und Märchenerzählungen.
Lesungen von Hermann Beil, Martin Schwab, Therese Affolter, Peter Stein
und Andrea Eckert geben einen Höreindruck von der schriftstellerischen
Welt Arnold Schönbergs - vom Aphorismus bis zum Dramentext.
Die Sammlung der am Center verfügbaren historischen Aufnahmen der Kompositionen
Schönbergs basiert auf den im Nachlaß erhaltenen Beständen, wurde jedoch
durch seine Erben vor Gründung des Arnold Schoenberg Institute in Los
Angeles Anfang der 1970er Jahre sowie an unserer amerikanischen Vorgängerinstitution
weitergeführt. Wie bereits in Newsletter 12 berichtet, finden sich im
Archiv für die Rekonstruktion einer Aufführungspraxis der Wiener Schule
wesentliche Aufnahmen von Schönbergs Dirigaten, die bereits über Webradio
ausgestrahlt wurden. Die Eigeninterpretationen werden den historischen
Aufnahmen seiner Schüler und Zeitgenossen sowie der unmittelbaren Nachfolger
der Wiener Schule gegenübergestellt. In Erweiterung des umfangreichen
Werkverzeichnisses auf unserer website sind sämtliche Kompositionen ungekürzt
hörbar, darunter die vollendeten Instrumental-und Vokalwerke mit und ohne
Opuszahlen, Bearbeitungen sowie eine Auswahl von Fragmenten.
Wir bitten Sie, Schönberg-bezogene Tondokumente (Interpreta tionen, Zeitzeugen-Interviews)
an das Archiv des Arnold Schönberg Center zur Erweiterung des Sammlungsbestandes
weiterzuleiten.
Digitalisierungsprojekt
»Ein mit mir im selben Hause in Wien wohnender Unmensch, der zweifellos
wahnsinnig ist (was sich aber vorderhand ärztlich nicht konstatieren läßt)
bildet sich ein, daß er mich umbringen muß. […] Der Gefahr entweder selbst
umgebracht, oder wegen Ueberschreitung der Notwehr eingesperrt zu werden
und den damit verbundenen Aufregungen, mußte ich, nach verschiedenen vergeblichen
Versuchen mir durch die Behörden, oder sogar durch den Revolver, Ruhe
und Sicherheit zu verschaffen, am 4. August mich durch eine Flucht mit
meiner Familie vorläufig entziehen.« (Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni,
29. August 1911) Ob die Todesgefahr mit der Flucht an den Starnberger
See gebannt war und die Hintergründe der bewaffneten Auseinandersetzung,
kann man ab sofort auf www.schoenberg.at in der weltweit umfangreichsten
Quellendatenbank eines Musikerbriefwechsels nachlesen.
Wie bereits in Newsletter Edition 12 angekündigt, führte das Arnold Schönberg
Center in Kooperation mit Belmont Music Publishers, Los Angeles, und der
Library of Congress, Washington D.C., seit Herbst 2003 die Digitalisierung
der Schönberg-Korrespondenz durch. Das von der Avenir Foun-dation, Wheat
Ridge/Colorado, geförderte und von Lawrence Schoenberg sowie Therese Muxeneder
in Los Angeles durchgeführte Projekt wurde im Frühjahr abgeschlossen;
35.000 Briefseiten sind als digitale Farbfaksimiles in Druckqualität verfügbar
und werden derzeit sukzessive in eine Quellendatenbank eingebunden.
Die Korrespondenzdatenbank stellt ein für die Schönberg-Forschung unverzichtbares
Rechercheinstrument dar, zumal ein Großteil der Briefe von und an Schönberg
noch nicht publiziert wurde. Neben dem Angebot von Scans der Briefe bietet
die Datenbank Informationen zu folgenden Kriterien: Briefschreiber und
-empfänger, Firmennamen, Datierung, Datum des Poststempels, Adressen,
Städtecodes, Briefbeilagen, Standort und Signatur, Publikationen. Ein
Teil der Briefe von Schönberg ist zudem als Transkription mit der Möglichkeit
der Volltextsuche verfügbar.
In einem weiteren Schritt wird angestrebt, den digitalisierten Bestand
der Library of Congress, Washington D.C., durch Scans der mehrere tausend
Seiten umfassenden und weltweit verstreuten originalen Schönberg-Briefe
aus privaten und öffentlichen Sammlungen sowie aus eigenem Bestand zu
ergänzen.
Therese Muxeneder, Archiv
Aktivitäten des Wissenschaftszentrums Arnold Schönberg
am Institut für Musikalische Stilforschung der Universität
für Musik und darstellende Kunst Wien
Die Arbeiten zur Vorbereitung der Kritischen Gesamtausgabe der Schriften
Arnold Schönbergs gehen programmgemäß voran, und wir werden im Laufe des
Sommers damit beginnen, erste Ergebnisse in das Internet zu stellen; sie
werden - gemeinsam mit allgemeinen Informationen zu Schönbergs Schriften
sowie zu den Richtlinien der Übertragung - von der website des Arnold
Schönberg Center aus zugänglich sein.
Gastprofessor Elmar Budde, der seine Lehrtätigkeit am Wissenschaftszentrum
Arnold Schönberg im Oktober 2003 aufgenommen hat, hielt im Sommersemester
2004 sowohl die Vorlesung »Die Orchestermusik der Wiener Schule« als auch
das Seminar »Zum Liedschaffen der Wiener Schule« (letzteres gemeinsam
mit Therese Muxeneder) ab. Weiters betreute er in einem Seminar wissenschaftliche
Arbeiten von Studierenden. Im Wintersemester 2004/2005 wird er - wie immer
blockweise - die Vorlesung »Die Bühnenkompositionen der Wiener Schule«
sowie das Seminar »Schönbergs theoretische Schriften« halten. Nachdem
wir die Lehrveranstaltungen bereits im Juni öffentlich zugänglich gemacht
haben und dies auch in Zukunft geschehen soll, geben wir Ihnen im folgenden
die genauen Termine bekannt:
Die Vorlesung findet an folgenden Tagen (Dienstag/Mittwoch) jeweils von
10 bis 13 Uhr im Arnold Schönberg Center statt: 9. und 10. November 2004,
30. November und 1. Dezember 2004, 18. und 19. Januar 2005. Das Seminar
findet an folgenden Tagen (Donnerstag/Freitag) jeweils von 10 bis 13 Uhr
im Arnold Schönberg Center statt: 11. und 12. November 2004, 2. und 3.
Dezember 2004, 20. und 21. Januar 2005.
Vom 23. bis 25. März 2004 veranstaltete das Wissenschaftszentrum Arnold
Schönberg gemeinsam mit dem Egon-Wellesz-Fonds bei der Gesellschaft der
Musikfreunde und dem Jüdischen Museum Wien ein Begleit-Symposium zur Ausstellung
»Hans Gál und Egon Wellesz. Continental Britons« (25. Februar bis 2. Mai).
Mit diesem Symposium, das einen weiteren bedeutenden Komponisten in den
Blick nahm, der, obgleich nur kurze Zeit Schüler Schönbergs, Zeit seines
Lebens Arnold Schönberg sowie anderen Komponisten der Wiener Schule verbunden
war, wurde am 23. März der »Steinerne Saal« des Musikvereinsgebäudes eröffnet.
- Und wie jedes Jahr war das Wissenschaftszentrum auch heuer wieder Mitveranstalter
des großen Jahres-Symposiums im Arnold Schönberg Center, das vom 3. bis
5. Juni 2004 »Arnold Schönbergs Schachzügen« gewidmet war.
Am 18. und 19. Oktober 2004 schließlich richten Wissenschaftszentrum Arnold
Schönberg und Arnold Schönberg Center gemeinsam ein Symposium über Luigi
Dallapiccola anläßlich dessen 100. Geburtstages aus, worüber wir Sie im
Veranstaltungskalender informieren. Hartmut Krones
Avenir Foundation Forschungsbeihilfe
Die Avenir Foundation, Wheat Ridge/Colorado, fördert unsere Stiftung
mit der Auflage, internationalen Studenten und Wissenschaftlern aus den
jährlichen Zinserträgen des zur Verfügung gestellten Kapitals Reise- und
Aufenthaltsstipendien für Forschung am Arnold Schönberg Center zu vergeben.
Die Arnold Schönberg Center Privatstiftung unterstützt daher wissenschaftliche
und archivarische Forschung durch die Vergabe von Forschungsbeihilfen.
Empfänger der Beihilfen arbeiten am Arnold Schönberg Center und beziehen
eigene Projekte unmittelbar auf Arnold Schönbergs Leben und Werk. Eine
Forschungsbeihilfe umfaßt:
o Wohnmöglichkeit im Schönberg-Haus in Mödling während eines zweiwöchigen
Forschungsaufenthaltes (bei größerem Projektumfang besteht die Möglichkeit
der Verlängerung)
o Netzkarte für öffentliche Verkehrsmittel in Wien und Mödling
o Tagesdiäten
o Reisekostenzuschuß nach und von Wien
o Nutzung der Infrastruktur von Archiv und Bibliothek des Arnold Schönberg
Center
Informationen über den Sammlungsbestand und die Einrichtungen des Center
können über www.schoenberg.at abgerufen werden.
Anträge für Forschungsbeihilfen werden schriftlich an die
Direktion des Arnold Schönberg Center gestellt:
Direktion
Schwarzenbergplatz 6
A -1030 Wien
direktion@schoenberg.at
Fax: (+43/1) 712 18 88- 88
Information: Therese Muxeneder
Telefon: (+43/1) 712 18 88-30
Anträge werden innerhalb von drei Monaten nach Einlangen bearbeitet.
Dem Antrag sind beizufügen:
o Projektbeschreibung
o Curriculum vitae
o Empfehlungsschreiben der Schule/Universität (nur Studenten)
Empfänger einer Avenir Foundation Forschungsbeihilfe 2004:
Felix Wörner, Staatliches Institut für Musikforschung Preußischer
Kulturbesitz, Berlin, Germany
Daniel Callahan, New York University, USA
Esteban Buch, École des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris, France
Weitere durch die Avenir Foundation geförderte Projekte am Arnold Schönberg
Center:
o Multimediale Ausstellung zu Leben und Werk Arnold Schönbergs (1874 -
1951) »Eine Ausstellung zum Hören«
o Kritische Gesamtausgabe der Schriften Arnold Schönbergs
o Digitalisierung des Arnold Schönberg-Briefwechsels
Internationales Symposium 2005
Topographie des Gedankens
Die Schriften Arnold Schönbergs
Call for Papers
Aus Anlaß der entstehenden Kritischen Gesamtausgabe der Schriften Arnold
Schönbergs veranstaltet das Arnold Schönberg Center in Wien in Zusammenarbeit
mit dem Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg am Institut für Musikalische
Stilforschung der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien von
15. bis 17. September 2005 ein internationales Symposium zu den Schriften
des Komponisten und lädt hiermit zur Anmeldung von Referaten ein.
Die erwünschten Beiträge betreffen Editionskonzepte der verschiedenen
in Entstehung begriffenen Ausgaben (musikalische Werke, Briefe, Schriften);
bereits publizierte Ausgaben von Schönberg-Texten; Werkedition versus
Quellenedition; Sprachliches und Sprachstilistisches; Probleme der Mehrsprachigkeit;
Aspekte einzelner Werkgruppen sowie die Rezeption der Schriften.
Als Ausgangspunkt der Überlegungen soll die Diskussion editorischer Probleme
einer Quellen-Ausgabe dienen; geplant ist zudem ein umfangreicher Round-Table,
bei welchem konkrete Beispiele erörtert werden. Die Beiträge werden durch
die Präsentation von Quellen aus dem Schönberg-Nachlaß ergänzt.
Referatanmeldungen mit Abstracts von ca. 30 Zeilen werden bis spätestens
Ende Dezember 2004 erbeten an:
Arnold Schönberg Center
Direktion
Schwarzenbergplatz 6
A - 1030 Wien
direktion@schoenberg.at
Fax: (+43/1) 712 18 88-88
Freunde des Arnold Schönberg Center
Freunde des Arnold Schönberg Center unterstützen die wissenschaftliche
Arbeit unserer Stiftung. Die Forschungsprojekte umfassen die Konservierung
und Restaurierung autographer Manuskripte aus dem Schönberg-Nachlaß, die
Digitalisierung von zehntausenden Seiten an Musik- und Textmanuskripten
sowie die Kritische Gesamtausgabe der Schriften Arnold Schönbergs. Gefördert
wird weiters der Ankauf von Briefen, Erstausgaben und historischen Dokumenten
sowie die Vermittlung von Schönbergs Werk und Wirken an Interessierte
aller Alters- und Ausbildungsstufen.
Die Mitgliedschaft bietet viele Vorteile: Freunde erhalten die wissenschaftlichen
Publikationen des Arnold Schönberg Center, Rabatte auf Abonnement-Zyklen
und Konzerte, freien Eintritt in die Ausstellungen, Ermäßigungen auf spezielle
Shopartikel und regelmäßige Informationen (Veranstaltungskalender, Newsletter
und Ausstellungsbroschüren). Zusätzlich wird jährlich eine exklusive Kunstreise
organisiert.
Der Freunde-Jahresbeitrag von jährlich mindestens Euro 75 kann mit dem
diesem Newsletter beiliegenden Erlagschein ebenso bezahlt werden wie weitere
Spenden für die Förderung der wissenschaftlichen Arbeit des Arnold Schönberg
Center. Freunde außerhalb Österreichs werden gebeten, den Betrag mit Kreditkarte
zu begleichen. Ihre Spende kann in Österreich und den USA von der Einkommensteuer
abgesetzt werden.
Arnold Schönberg Center, Information: Alena Salvini-Plawen
Telefon: (+43/1) 712 18 88-15, Fax: (+43/1) 712 18 88-88
direktion@schoenberg.at
Einladung zur Subskription
Das wissenschaftliche Periodikum »Journal of the Arnold Schönberg
Center« (JASC) orientiert sich an der Jahresthematik des Center, erscheint
ein- bis zweimal jährlich und ist über das Arnold Schönberg Center zu
beziehen.
Bestehende und neue Subskribenten können jetzt die Gelegenheit zur günstigen
Subskription der JASC und unserer Sonderpublikationen sowie der »Journal
of the Arnold Schoenberg Institute« nutzen und 20% gegenüber dem regulären
Ver kaufspreis sparen.
Publikationen des Arnold Schönberg Center:
Schönberg und Wagner. 3. Wagner Tage in Graz
Bericht zum Symposium, 3. Oktober 1998
EUR 18/EUR 14,40
Schönberg, Kandinsky, Blauer Reiter und die Russische Avantgarde. Die
Kunst gehört dem Unbewußten. Katalog zur Ausstellung am Arnold Schönberg
Center, Wien 2000
JASC 1/2000, EUR 30/EUR 24
Arnold Schönbergs Wiener Kreis
Bericht zum Symposium 1999
JASC 2/2000, EUR 36/EUR 28,80
Arnold Schönberg in Berlin
Bericht zum Symposium 2000
JASC 3/2001, EUR 36/EUR 28,80
Arnold Schoenberg in America
Bericht zum Symposium 2001
JASC 4/2002, EUR 36/EUR 28,80
E-Shop
Das Arnold Schönberg Center bietet über www.schoenberg.at nunmehr auch
einen e-shop an. Das Angebot umfaßt sämtliche gedruckte Noten Schönbergs,
CDs und DVDs, Schönbergs Schriften, Libretti und Briefausgaben, Biographien,
Werkmonographien, Sammelbände, Kongreßberichte, Ausstellungskataloge,
Literatur zu Stilgeschichte, Gattungen, Einzelaspekten der Kompositionen
Schönbergs sowie zu seinen Schülern und Zeitgenossen. Die noch erhältlichen
Jahrgänge des »Journal of the Arnold Schoenberg Institute«, das »Journal
of the Arnold Schönberg Center« und die Schönberg-Sondernummern der Österreichischen
Musikzeitschrift werden ebenfalls angeboten. Weiters können diverse Shopartikel
(Bleistifte, Spiel- und Postkarten, T-Shirts) online bestellt werden.
Zahlungen mit Kreditkarte werden durch PayPal, ein Unternehmen des weltweit
größten online-Auktionshauses eBay, abgewickelt. eBay bietet einen umfassenden
Käuferschutz, die Zahlung per PayPal erfolgt gebührenfrei. Online-Bestellungen
außerhalb Europas sind aufgrund niedrigerer Versandkosten und kürzerer
Versanddauer an www.schoenbergmusic.com zu richten.
Bestellungen per Fax, e-mail oder telefonisch:
Arnold Schönberg Center - Shop
Telefon: (+43/1) 712 18 88, Fax: (+43/1) 712 18 88-88
e-mail: shop@schoenberg.at
Multimediale Ausstellung zu Leben und Werk
Arnold Schönbergs (1874 - 1951)
»Eine Ausstellung zum Hören«
Eine 78minütige CD (Audioführer in Deutsch, Englisch, Französisch,
Italienisch, Japanisch, Portugiesisch, Serbokroatisch, Spanisch und Tschechisch)
und zwölf »Teatrini« (dreiteilige Ausstellungspaneele mit Reproduktionen
von historischen Dokumenten, Partituren und Fotos) bilden den Kern der
multimedialen Ausstellung zu Leben, Werk und historischem Umfeld des Komponisten
Arnold Schönberg (geboren 1874 in Wien, gestorben 1951 in Los Angeles).
Sie enthält Texte, Musik und dokumentarische Aufnahmen, die verschiedene
Aspekte dieser vielschichtigen Persönlichkeit beleuchten: Arnold Schönberg
als Komponist, Maler, Lehrer, Organisator, Erfinder, Sportler, Schachspieler,
Familienvater.
Ziel der Ausstellung ist es, den Besuchern nicht nur Leben und Werk Arnold
Schönbergs nahezubringen; sie vermittelt vielmehr einen lebendigen Eindruck
der kulturellen Situation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die
Ausstellung wird auf Leihbasis vom Arnold Schönberg Center zur Verfügung
gestellt und eignet sich insbesondere zur Präsentation in öffentlichen
Institutionen wie Museen, Konzertsälen, Universitäten und Hochschulen.
Sie wurde bisher an 35 Orten in Europa und Asien gezeigt. 2005 wird die
Ausstellung erstmals in Nord- und Südamerika zu sehen sein.
Kuratoren :
Nuria Schoenberg Nono, Lawrence Schoenberg
Texte: Christopher Hailey
Mit Unterstützung
Kulturabteilung der Stadt Wien, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft
und Kultur, Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, MICA Österreich,
Sony
Pressestimmen
Wein und Walzer
Open House / Das Schönberg-Haus lud am
1. Mai wieder zu gelungenen konzertanten
Darbietungen in den Garten
Ein sonnendurchfluteter Garten, erfüllt von Walzerklängen, am
Nachmittag des 1. Mai drehte sich in der Bernhardgasse 6 alles um Arnold
Schönberg. Im Naturschaugarten der Schönberg-Villa spielte das »exxj…ensemble
XX. jahrhundert« auf, während Winzer Pferschy »Schönberg-Weine« ausschenkte.
Die Open House Veranstaltung eröffnete Bürgermeister Hans Stefan Hintner,
anschließend hieß Christian Meyer, Direktor des »Arnold Schönberg Center«,
willkommen. Diesmal präsentierte das Konzert originäre Bearbeitungen wienerischer
Musik. …
Harald Edelbauer, Niederösterreichische Nachrichten, 5. Mai 2004
Festwochen-Schau: Schönbergs Schachzüge
von Zwölfton bis Zaubertrick
… In der schön gemachten Schau finden sich neben Manuskripten,
Partituren, Schönberg-Gemälden und viel spannender Hintergrundinfo auch
weitere witzige und verschrobene Schönberg-Erfindungen: Ein Umsteigfahrschein
etwa oder eine Notenschreibmaschine, eine Notation für Tennisspiele oder
ein verkompliziertes »Flohhüpfen«-Spiel. Dokumentiert ist auch der »Dr.
Faustus«-Streit mit Thomas Mann, in dessen Roman sich Schönberg wiederfand.
… Mit der Schönberg-Schau, zu der auch ein handlicher Katalog erschienen
ist, tritt das Center in einem umfangreichen Programm an die Kinder heran:
Im Mai, Juni und September können Schüler von 7 bis 12 Jahren Schachfiguren
erfinden oder am Computer einen »Schachwalzer« komponieren. …
Georg Leyrer, Austria Presse Agentur, 6. Mai 2004
»Flohhupfen« mit Arnold Schönberg
… Dichtung und Wahrheit, Gelingen und Scheitern großer und kleiner
Ideen und Erfindungen eines Genies sind im Rahmen der Ausstellung »Schönbergs
Schachzüge« zu sehen - und dazu, sinnreich, die Geschichte der Zwölftonmethode,
der im Rückblick auch allerhand Spielerisches anzuhaften scheint. …
Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, 7. Mai 2004
Schönberg, der Bastler
Ein Entwurf zu einem Schrank für einen Tennis club. Spielkarten
für Whist. Ein komplett neu organisiertes Schachspiel. Seit wann befaßt
sich das Schönberg-Center am Wiener Schwar zenbergplatz denn mit Design?
Die Antwort lautet: schon immer. Denn Arnold Schönberg war nicht der weltentrückte
Zwölfton-Architekt, als den ihn so viele Musikfreunde fürchten, sondern
ein kreativer, den praktischen Dingen des Lebens neugierig zugewandter
Mensch. Er achtete genau darauf, daß um ihn herum alles funktional war
und auch funktionierte. …
Laszlo Molnar, Salzburger Nachrichten, 7. Mai 2004
Auch als Bastler und Stratege genial
Als Komponist hat er die Musikwelt für immer verändert und als Maler hat
er viel zur Moderne beigetragen. Doch auch als Bastler und Erfinder war
Arnold Schönberg kreativ. Mit der Ausstellung »Schönbergs Schachzüge«
zeigt das Arnold Schönberg Center in drei Räumen all diese Facetten des
Künstlers und stellt zum Teil noch nie gezeigte Exponate aus. …
Peter Jarolin, Kurier, 7. Mai 2004
Der Komponist als Bastler
… Schönberg liebte es auch, eigene Spiele zu »erfinden«: Er malte
Spielkarten, bastelte das beliebte »Flohhüpfen« und ein »Koalitions-Schach«
für vier Mitspieler. Mit neuen Figuren! Die Schau »Arnold Schönbergs Schachzüge«
zeigt das alles samt Noten und dem Briefwechsel mit Josef M. Hauer und
Thomas Mann. Sehenswert!
Erwin Melchart, Kronen Zeitung, 7. Mai 2004
Schach dem Zwölfton-Muffel
… Ein handwerklich wie auch mit Humor begabter Mann, der beträchtliche
Energien darauf verwandte, mit seinen Ideen sich selbst und seiner Umwelt
das Leben zu erleichtern … Die Ausstellung führt auf den ersten Blick
schwer Vereinbares zusammen: Sucht man doch insbesondere anhand der Spielekonstruktionen
Schönbergs einen unorthodoxen, unverkrampften Zugang zur Zwölftonmethode
zu ermöglichen, mit der der Komponist Anfang der 20er Jahre zu einem von
ihm ersehnten rationalen Fundament, der »Fasslichkeit « seines Komponierens
zurückkehren konnte. Tatsächlich werden so wechselseitig verschiedene
ästhetische Aspekte im Denken Schönbergs erhellt: Schließlich ist sowohl
für die Dodekaphonik als auch in den Spielen die Dialektik zwischen strikt
vorgegebenem Rahmen und dessen möglichst individueller, kreativer Nutzung
prägend. Während sich in der strikten Funktionalität der Objekte der Handwerker
vom Künstler Schönberg scheidet, der für seine Musik den Status zweckfreier
L'art pour l'art reklamierte. … Aufseiten der Spielkonstruktionen und
Bricolagen sticht das Anfang der 20er Jahre entwickelte »Koalitionsschach«
heraus, dessen detaillierte Regeln Allianzbildung der vier Parteien erfordern.
Über eine Schachtischinstallation sowie eigene Kinderprogramme will man
Menschen an das kompositorische Werk des Wiener Komponisten heranführen.
…
Andreas Felber, Der Standard, 13. Mai 2004
»Arnold Schönbergs Schachzüge«
Das Thema der Tagung ist vielleicht gewagter, als es wirkt: Viele
Musikhörer, die sich bis heute mit den Werken der Wiener Schule nicht
anfreunden können, geben dafür der Aufstellung und sturen Befolgung vermeintlich
unmusikalischer Regeln die Schuld, während sie das Spielerische und das
Emotionale in ihnen nicht erkennen; sie sehen Schönberg, wie er selbst
bemerkte, als »Konstrukteur«. Doch mit seinem Interesse an Kombinatorik
und Spiel steht Schönberg in der Musikgeschichte alles andere als allein
da … und die Referate kreisten keineswegs nur um technische Fragen in
seinen Kompositionen. …
Rainer Schwob, Österreichische Musikzeitschrift, August 2004
»Mit Schönberg spielen«
Vermittlungsprogramm für Schülerinnen und Schüler
Wie gelingt es, Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren mit Arnold Schönberg
bekannt zu machen? Für die Sonderausstellung »Arnold Schönbergs Schachzüge
- Dodekaphonie und Spiele-Konstruktionen« wurde dazu erstmals ein Vermittlungsangebot
für Schülerinnen und Schüler erstellt - seit Mai 2004 besuchen regelmäßig
Schulklassen das Center.
Eine Begegnung mit Schönberg heißt, nach eigenen Regeln spielen zu lernen.
Ziel dabei war es, den Kindern entlang der Ausstellung einige Grundprinzipien
von Schönbergs konstruktiv-kreativem Denken zu veranschaulichen und nachvollziehbar
zu machen. Das Ausstellungsthema »Spiele-Konstruktionen« war dafür nicht
das schlechteste Mittel.
Das Vermittlungs-Programm besteht dabei aus drei Sequenzen: Zunächst lernen
die Kinder bei einem kurzen Gang durch die Ausstellung Beispiele aus dem
Werk des Bricoleurs, Designers und Konstrukteurs Schönberg kennen: Gezeigt
und in ihrer Funktion diskutiert werden etwa seine selbst gebauten Gegenstände
für den Alltag, die Karten- und Gesellschaftsspiele. Dadurch werden die
Kinder ermutigt, Spiel-Regeln zu entwerfen und innerhalb eines Ordnungsrahmens
selbständig zu entwickeln.
In der Folge wird einer Gruppe in einer Übung auf einem »Klangteppich«
aus zwölf Feldern das Konstruktionsprinzip der Zwölf-Ton-Musik erlebbar
gemacht: Der eigene Weg über den Klangteppich wird mit Klangstäben in
Töne umgesetzt. Die Kinder stellen Notationen zu ihren Bewegungs- und
Klangfolgen her und können sie so festhalten, wiedergeben und auf verschiedene
Art rhythmisch interpretieren.
Eine zweite Gruppe stellt, ausgehend von Schönbergs »Koalitions-Schach«,
aus einfachen Materialien Spielfiguren her, für die sich die Kinder auch
eigene Namen und Zugfolgen ausdenken. Die Bewegungsvorschriften werden
grafisch festgehalten, danach über Computer in Klangfolgen umgesetzt und
so hörbar gemacht. Zur Umsetzung wird Wilhelm Zobls »Schachwalzer« von
1980 verwendet.
In einer abschließenden Hörsequenz (»Begleitungsmusik zu einer Lichtspielscene«
op. 34) erhalten die Kinder einen ersten kleinen Einblick in Schönbergs
musikalisches Schaffen. Um eine Weiterarbeit in der Klasse zu unterstützen,
wird für die Lehrerinnen und Lehrer ein Begleitheft mit Anregungen zur
Verfügung gestellt. Das Angebot wird sehr positiv angenommen: Mit erstaunlicher
Intensität und Kreativität nehmen die Kinder das Thema auf und arbeiten
danach selbständig im Unterricht weiter. Wohl ganz im Sinne Schönbergs:
Auf's Suchen kommt es an.
Die Begleitmaterialien sind gegen einen Unkostenbeitrag über das Arnold
Schönberg Center zu beziehen. Das Vermittlungsangebot wurde den Lehrerinnen
und Lehrern an allen Grundschulen Wiens durch den Informationsservice
des Stadtschulrats für Wien zugänglich gemacht. Auch während des »Wiener
Ferienspiels«, einem Angebot der Stadt Wien für Freizeitpädagogik, können
Kinder die Ausstellung während der schulfreien Sommermonate besuchen und
das Vermittlungsprogramm in Anspruch nehmen.
Maria-Theresia und Ernst Strouhal
Maria-Theresia Strouhal ist Direktorin der Volksschule Stiftgasse, Partnerschule
des Pädagogischen Instituts der Stadt Wien.
Ernst Strouhal ist ao. Univ.Prof. an der Universität für angewandte Kunst
Wien und kuratierte den Spieleteil der Ausstellung.
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