Newsletter
Edition 14,  März – Juni 2005

Inhalt

Editorial
Der Maler Arnold Schönberg
Freunde des Arnold Schönberg Center
Subskription


Editorial

Es ist wieder soweit! Alle fünf Jahre bauen wir das Arnold Schönberg Center zur Gänze um und präsentieren in sämtlichen Räumen eine große Sonderausstellung, heuer »Der Maler Arnold Schönberg«. Als wir im Jahr 2000 erstmals ein solches Großprojekt durchführten, waren wir vom Publikumsinteresse überwältigt. Mehr als 30.000 Besucher kamen zur Ausstellung um die Beziehungslinien zwischen Schönberg und dem Maler Wassily Kandinsky. Die nunmehr vorbereitete Schau geht über dieses Thema nochmals weit hinaus und präsentiert Arnold Schönberg als Maler seiner Zeit, der im Wiener Umfeld zwischen Egon Schiele, Richard Gerstl, Oskar Kokoschka und Max Oppenheimer einen bedeutenden Beitrag geleistet hat. Die Sonderausstellung »Der Maler Arnold Schönberg« mit der Publikation eines Gesamtverzeichnisses von Schönbergs Bildwerken sind Höhepunkt in der Arbeit unserer Stiftung. Sieben Jahre nach der Eröffnung des Arnold Schönberg Center im März 1998 faßt sie die Erkenntnisse wissenschaftlicher Tätigkeit am Archiv, in Symposia und Lehrveranstaltungen sowie von mehr als 50 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Europa und den USA zusammen. Noch nie wurde eine derart umfangreiche Schau von Schönbergs Werken gezeigt, zumal jüngst in Privatbesitz entdeckte Bilder ebenso erstmals zu sehen sind wie die vergangenen Sommer in Berlin entdeckte Winterszene von 1910, die bislang als verschollen galt. Daß die Stiftung dieses wichtige Werk erwerben konnte, verdanken wir unserer Freundin und Mäzenin, Kommerzialrat Rudolfine Steindling. Das bildnerische Werk von Arnold Schönberg, Komponist, Musiktheoretiker, Maler, Lehrer und Vordenker der klassischen musikalischen Moderne, ist integraler Bestandteil seines Schaffens, ohne welches sein Gesamtwerk nicht umfassend zu verstehen ist. Als Ergebnis mehrjähriger wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem bildnerischen OEuvre Schönbergs am ASC-Archiv wird zu Ausstellungsbeginn ein Catalogue raisonné vorgelegt, der in zwei Bänden einen Gesamt-überblick zu Schönbergs Bildschaffen, seine darauf bezogenen Schriften sowie wichtige Äußerungen von Zeitgenossen bietet. Erstmals werden Schönbergs Ausstellungstätigkeit und die zeitgenössische Medienrezeption seines bildnerischen Werkes umfassend dokumentiert, seine Farben analysiert und neue Erkenntnisse zu Maltechnik, Werktiteln und Datierungsfragen vorgelegt.
Mit der Gründung der Arnold Schönberg Center Privatstiftung Anfang 1997 kamen auch etwa 160 Schönberg-Bilder aus Familienbesitz als Dauerleihgabe nach Europa. Dies vereinfachte den Zugang zu den Werken wesentlich, und wir sind Familie Schoenberg für diese Möglichkeit ebenso zu größtem Dank verpflichtet wie allen weiteren privaten und institutionellen Leihgebern, die diese Ausstellung mit ihren Exponaten erst ermöglichen. In ergänzenden Abteilungen werden Ephemeren von der Hand Schönbergs gezeigt, etwa Spielkarten, Musikmanuskripte und Schriften, weiters Dokumente und historisches Fotomaterial. Breiter Raum ist jenen Werken des österreichischen Expressionisten Richard Gerstl gewidmet, die Arnold Schönberg, seine Frau Mathilde, seine Familie und weitere Mitglieder des Schönberg-Kreises zeigen; eine Abteilung mit zeitgenössischen Schönberg-Portraits etwa von Oskar Kokoschka, Egon Schiele und Max Oppenheimer schließlich rundet das Thema ab. Ein wissenschaftliches Symposium zum Thema »Der Maler Arnold Schönberg«, im September 2003, galt bereits der Vorbereitung auf die Ausstellung 2005. Der Bericht erscheint als »Journal of the Arnold Schönberg Center«. Schließlich ist ein wissenschaftliches und musikalisches Begleitprogramm mit Konzerten und Vorträgen geplant, wofür eine eigene Veranstaltungsübersicht aufgelegt wird. Der vorliegende Newsletter Nr. 14 ist eine vollfarbige Sonderausgabe, die in Abänderung des bereits gewohnten Formats ausschließlich die Sonderausstellung thematisiert. Er kann gegen einen Unkostenbeitrag von € 3 bezogen werden, ein Zahlschein liegt diesem Newsletter bei. Berichte aus dem Archiv, dem Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg und von Medien werden im Newsletter Nr. 15 (Herbst 2005) wieder aufgenommen. Dank gebührt den großzügigen Sponsoren und Financiers ebenso wie den internationalen Leihgebern, ohne welche diese Ausstellung und der Catalogue raisonné nicht zustande gekommen wären. Sie sind das Ergebnis einmaliger finanzieller wie personeller Anstrengungen, zu welchen sich der Stiftungsvorstand ebenso wie sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekennen. Auch ihnen allen sei an dieser Stelle besonders dafür gedankt. Ich lade Sie, verehrte Freunde des Arnold Schönberg Center, herzlich ein, die Chance zur Besichtigung der Gemälde und Zeichnungen Schönbergs zu nutzen und auch die Begleitveranstaltungen zu besuchen.
Ihr
Dr. Christian Meyer
Direktor


Der Maler Arnold Schönberg

Der Maler Arnold Schönberg Arnold Schönberg gab in einer handschriftlichen Notiz von 1934 an, ab 1906 gemalt zu haben. Bühnenbildskizzen zu den Dramentexten Aberglaube und Schildbürger entstanden bereits um 1900 bzw. 1901. Als erstes »selbständiges« Werk ist das Aquarell Anbrechen der Morgendämmerung in Hoisen bei Gmunden
vom August 1905 überliefert. Zwischen 1906 und 1909 entstanden – vorwiegend in den Sommermonaten – Portraitskizzen und Naturstücke. Im Januar 1910 bezog Schönberg
mit seiner Familie in der Hietzinger Hauptstraße 113, Wien 13, eine neue Wohnung. Dort malte er in den folgenden Monaten eine Reihe von Selbstportraits, Portraits, Nachtstücke sowie »Eindrücke und Fantasien« – die Mehrzahl seiner Gemälde.
Mitte Juni 1910 trat Schönberg mit dem Vorschlag einer Ausstellung seiner Werke an Carl Moll in dessen Funktion eines »artistischen Leiters« des Kunstsalon H. O. Miethke in der Wiener Dorotheergasse heran; der Plan einer Einzelausstellung in der führenden und profiliertesten Privatgalerie Wiens kam jedoch nicht zustande. Im Kunstsalon Heller fand
Schönberg eine probate Alternative zur Galerie Miethke. Hugo Heller hatte seit der Gründung einer Buch- und Kunsthandlung im Jahr 1905 durch originelle Geschäftsideen, Autorenlesungen, Kunstausstellungen und die Veranstaltung von Konzerten einen bedeutenden Akzent in der Wiener Kulturlandschaft nach 1900 gesetzt und ermöglichte Schönberg im Oktober 1910 eine Einzelausstellung mit rund 40 Gemälden und Zeichnungen. Unmittelbar nach der Schau im Kunstsalon Heller war Schönberg bei Paul Cassirer, einem Wegbereiter der Moderne in Berlin und Herausgeber der Zeitschrift Pan, mit einigen seiner Bilder in einer Verkaufsausstellung vertreten. Mit einer Reihe sensationeller Ausstellungen und durch die Ausweitung des Unternehmens nach Hamburg, London und Amsterdam hatte Cassirer einen vielbeachteten Namen in europäischen Kunstkreisen.
Ein Schönberg-Konzert im Münchener Jahreszeitensaal, bei dem auch eines seiner Selbstportraits ausgestellt war, wurde Anfang 1911 weichenstellend für den Beginn der Freundschaft zu Wassily Kandinsky, der das Konzert zusammen mit Gabriele Münter, Franz Marc, Alexej von Jawlensky sowie Marianne von Werefkin besucht hatte. Kandinsky, zu jener Zeit ein Mitglied der »Neuen Künstlervereinigung München«, Vorläufergruppe des »Blauen Reiter«, trat etwa zwei Wochen später erstmals brieflich mit Schönberg in Kontakt, um theoretische und künstlerische Berührungspunkte zu diskutieren. Im Juni 1911 hatten Kandinsky und Marc den Plan zur Herausgabe eines Künstleralmanachs mit Beiträgen von Malern, Kunstschriftstellern und Musikern unter dem Titel »Der Blaue Reiter« gefaßt. Auch Schönberg wurde um einen Beitrag für die Publikation und später um Teilnahme an der ersten Schau der »Redaktion des Blauen Reiter« gebeten, die von Dezember 1911 bis Januar 1912 in zwei Sälen der Münchener Galerie Thannhauser zu sehen war. Schönberg war in Gesellschaft von Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke, David und Wladimir Burljuk, Robert Delaunay, Eugen Kahler, Elisabeth Epstein, Gabriele Münter und Jean Bloé Niestlé mit vier Arbeiten vertreten.
Nach der Schau in der Galerie Thannhauser wurde Schönberg durch Albert Paris Gütersloh eingeladen, seine Bilder in Budapest auszustellen. 1909 war in Budapest eine neue Gesellschaft für Kunst gegründet worden, das Müvészház (Künstlerhaus). Die Künstlervereinigung verfügte über eigene Schauräume, in welchen vor allem Gruppenausstellungen und kleinere Kollektionen gezeigt wurden. Im Januar 1912 wurde im Müvészház die erste Ausstellung mit ausschließlich internationaler Beteiligung eröffnet, auf der auch zeitgenössische Werke der 1909 von Egon Schiele gegründeten
»Neukunst«-Gruppe aus Wien präsentiert werden sollten. Als Repräsentanten der neuen österreichischen Kunst waren Robert Christian Andersen, Anton Kolig, Anton Faistauer, Albert Paris Gütersloh, Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Arnold Schönberg vertreten.
1911/12 malte Schönberg seine letzten Ölgemälde, bis zum chronologisch letzten von seiner Hand erhaltenen bildnerischen Werk aus dem Jahr 1944 entstanden seine Bilder, vorwiegend Selbstportraits und Karikaturen, nur mehr sporadisch und ohne den Anspruch, seine Werke nochmals bei einer Ausstellung zu präsentieren. Schönberg argumentierte, er ziehe es vor, bei nur einer »Profession« zu bleiben und habe bereits »zwei davon«: die Komposition und die Lehre. Die Einteilung der rund 150 von 360 bildnerischen Werken in Genres und Werkgruppen folgt in der Ausstellung und
im Catalogue raisonné Arnold Schönbergs eigener Klassifizierung: Selbstportraits, Eindrücke und Fantasien, Portraits und Studien, Karikaturen, Naturstücke, Studien und Figurinen zu Bühnenwerken, weiters Designs, Spiele und Bricolagen sowie Skizzen. Unter Bezugnahme auf historische Dokumente und Fotografien, Manuskripte und Quellen zur Malerei in Schönbergs Nachlaß werden dessen Bildwerke in bislang unbekannte Bezüge zur Biographie und seinem musikalischen Schaffen gestellt.

Therese Muxeneder


Freunde des Arnold Schönberg Center

Freunde des Arnold Schönberg Center unterstützen die wissenschaftliche Arbeit unserer Stiftung. Die Forschungsprojekte umfassen die Konservierung und Restaurierung autographer Manuskripte aus dem Schönberg-Nachlaß, die Digitalisierung von zehntausenden Seiten an Musik- und Textmanuskripten sowie die Kritische Gesamtausgabe der Schriften Arnold Schönbergs. Gefördert werden weiters der Ankauf von Briefen, Erstausgaben und historischen Dokumenten sowie die Vermittlung von Schönbergs Werk und Wirken an Interessierte aller Alters- und Ausbildungsstufen. Die Mitgliedschaft bietet viele Vorteile: Freunde erhalten die wissenschaftlichen Publikationen des Arnold Schönberg Center ( JASC), Rabatte auf Abonnement-Zyklen und Konzerte, freien Eintritt in die Ausstellungen, Ermäßigungen auf spezielle Shopartikel und regelmäßige Informationen (Veranstaltungskalender, Newsletter und Ausstellungsbroschüren). Zusätzlich wird jährlich eine exklusive Kunstreise organisiert. Der Freunde-Jahresbeitrag von jährlich mindestens € 75 kann mit dem diesem Newsletter beiliegenden Erlagschein ebenso bezahlt werden wie weitere Spenden für die Förderung der wissenschaftlichen Arbeit des Arnold Schönberg Center. Freunde außerhalb Österreichs werden gebeten, den Betrag mit Kreditkarte zu begleichen. Ihre
Spende kann in Österreich und den USA von der Einkommensteuer
abgesetzt werden.

Arnold Schönberg Center, Information: Alena Salvini-Plawen
Telefon: (+43/1) 712 18 88-15, Fax: (+43/1) 712 18 88-88
direktion@schoenberg.at


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