Newsletter
Edition 7,  Juli – September 2000

Inhalt

Editorial
Aus dem Archiv
Forschungsbeihilfe des Arnold Schönberg Center
Arnold-Schönberg-Institut
Freunde und Förderer des Arnold Schönberg Center
Subskription »Journal of the Arnold Schönberg Center«
Pressestimmen

Editorial
Geschätzte Freunde des Arnold Schönberg Center,
sehr geehrte Damen und Herren!

»Arnold Schönberg in Berlin« lautet ab September das zentrale Thema am Arnold Schönberg Center: Konzertaufführungen und Lesungen zeigen Werke, die Schönberg in Berlin schuf; ein Symposium führt Ende September wieder internationale Fachleute zu Erkenntnisaustausch und Diskussion nach Wien. Eine Sonderausstellung präsentiert die drei Aufenthalte Schönbergs in der deutschen Metropole: nach der Jahrhundertwende, vor dem Ersten Weltkrieg sowie in den Jahren 1925 bis 1933, als er eine Kompositionsklasse an der Preußischen Akademie der Künste leitete. »Schönberg in Berlin« zeigt den Wiener Künstler im deutschen Norden, den kompromißlosen Neuerer zwischen seiner symphonischen Dichtung »Pelleas und Melisande« und seinem Opus magnum »Moses und Aron«, den großen Lehrer und schließlich den vertriebenen Juden. Sowohl zur Ausstellung als auch zu Symposium und Veranstaltungen erscheinen Sonderprospekte.
Einen großen Rückblick bietet der vorliegende Newsletter auf die Ausstellung »Schönberg, Kandinsky, Blauer Reiter und die Russische Avantgarde – Die Kunst gehört dem Unbewußten«, die im Frühjahr 2000 mehr als 25.000 Besucher in das Arnold Schönberg Center führte. Allen Ermöglichern dieses schönen Erfolges sei an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. 
Dank gebührt auch Frau Doris Swarowsky, die unserem Archiv in einem Akt mäzenatischer Großzügigkeit mehr als ein Dutzend teils unbekannter Schönberg-Briefe aus dem Nachlaß Ihres Mannes, des bedeutenden Dirigenten und Pädagogen Hans Swarowsky, schenkte. Über Details zu dieser Schenkung sowie zu den Möglichkeiten, selbst »Freund« oder »Förderer« des Arnold Schönberg Center zu werden, berichten wir ebenfalls in dieser Ausgabe des Newsletter.
Über den Sommer ist in den Räumen des Arnold Schönberg Center eine »Multimediale Ausstellung zu Leben und Werk Arnold Schönbergs« zu sehen, die in Anlehnung an die von Nuria Nono Schoenberg und Lawrence Schoenberg konzipierte Schau entwickelt wurde und die für unsere internationalen Besucher Audioführer in sieben Sprachen bietet. Begleitend zur szenischen Produktion von Arnold Schönbergs Oratoriumsfragment »Die Jakobsleiter« wird an der Wiener Staatsoper zur Premiere der Neuinszenierung von Marco Arturo Marelli am 2. Oktober ebenfalls eine Sonder-ausstellung gezeigt.
Mit den besten Wünschen für einen erholsamen Sommer und einen guten Start im Herbst
Ihr 
Dr. Christian Meyer
Direktor


Aus dem Archiv

Aus dem Nachlaß von Hans Swarowsky (1899 – 1975) erhielt das Archiv als Schenkung durch dessen Witwe Doris Swarowsky ein Konvolut von fünfzehn originalen Briefen und Postkarten Schönbergs an seinen Schüler Karl Rankl (1898 – 1968). Der Gaadener Komponist und Dirigent kam etwa Ende 1918 zu Schönberg und wurde während dessen Aufenthalt in Holland ab Herbst 1920 Schüler Anton Weberns. Die Unterrichtszeit wurde vermutlich im Sommer 1922 durch Rankls Engagement an die Wiener Volksoper beendet. Während des Studiums bei Schönberg und Webern war er Mitglied im Vorstand des »Vereins für musikalische Privataufführungen«, Assistent für den Vortragsmeister, wirkte auch gelegentlich selbst als Interpret mit und bearbeitete für den Verein Kompositionen von Anton Bruckner und Gustav Mahler für Kammerensemble. 
An der Wiener Volksoper stieg Karl Rankl rasch vom Korrepetitor zum Chormeister auf und studierte 1924 den Chor in der Uraufführung von Schönbergs Drama mit Musik „Die glückliche Hand“ ein. 1925 ging er als Opernkapellmeister nach Reichenberg in Böhmen, 1927 nach Königsberg. Im Mai 1928 sandte Schönberg zwei ebenfalls im Swarowsky-Nachlaß überlieferte Empfehlungsschreiben für Karl Rankl an den Musikkritiker Adolf Weissmann und den Oberbürgermeister von Oldenburg, um ein Engagement am dortigen Theater zu ermöglichen. Rankl wurde in der kommenden Saison jedoch als Assistent von Otto Klemperer an die Krolloper in Berlin verpflichtet, wo er im Sommer 1929 an der Fertigstellung des von Schönberg selbst begonnenen Klavierauszugs zu dessen Zeitoper »Von heute auf morgen« arbeitete. Sieben der originalen Briefe an Rankl (teils im Autograph, teils im Typoskript) nehmen auf die Herstellung des Klavierauszugs Bezug (13., ca. 20., 26. und 27. August; 3., 6. und 15. September 1929). Schönberg war bei der Berechnung des Arbeitspensums von seiner eigenen Erfahrung mit dem Klavierauszug ausgegangen und hatte dabei nicht berücksichtigt, daß Rankl sich erst in das neue Werk einarbeiten mußte, wodurch dieser unter erheblichen Zeitdruck geriet. Die in Berlin erfolgte Veröffentlichung des Werks wurde durch nachträgliche Korrekturgänge erheblich erschwert und führte in weiterer Folge zu einem Prozeß zwischen Schönberg und seiner Druckerei, bei dem auch Rankl als Zeuge geladen war, worauf der Brief vom 24. Juni 1931 Bezug nimmt. Im Herbst 1931 trat Karl Rankl am Staatstheater in Wiesbaden ein neues Engagement an, Schönbergs handschriftliches Gratulationsschreiben datiert mit 26. September 1931. Nach Gelegenheitsdirigaten in der Sowjetunion und Tschechoslowakei sowie einer Anstellung an den Städtischen Bühnen in Graz und dem Neuen Deutschen Theater in Prag floh Rankl mit seiner jüdischen Frau im Jahr 1938 in die Schweiz, ehe er für kurze Zeit zurückkehrte. Auf Vermittlung Schönbergs, die in dessen Brief vom 9. Februar 1939 angesprochen wird, erhielt er durch Sir Adrian Boult eine Einladung der BBC und die Möglichkeit der Einreise nach England, wo er sich nunmehr wieder der Komposition widmete.
Anläßlich seines 70. Geburtstages verfaßte Schönberg ein gedrucktes Dankschreiben an die Gratulanten, das mit 3. Oktober 1944 datiert ist und ein handschriftliches Postscriptum enthält. Am 28. Mai 1945 dirigierte Rankl in London die englische Erstaufführung der antifaschistischen »Ode to Napoleon Buonaparte« von Schönberg, der in seinem Brief vom 15. Juni 1945 um Übersendung von Rezensionen bat. Am 3. November 1950 schlug Schönberg seinem ehemaligen Schüler, der zu diesem Zeitpunkt musikalischer Leiter der Royal Opera Covent Garden in London war, die Mitarbeit bei einer Schallplattenproduktion der »Glücklichen Hand« vor; am 24. Februar 1951 dankte er ihm für die Widmung der Oper »Deirdre of the Sorrows«, mit welcher Rankl einen Preis des Arts Council of Great Britain gewonnen hatte. Der letzte originale Brief aus der Sammlung von Hans Swarowsky, die nunmehr im Archiv des Centers zugänglich ist, wurde am 27. Juni 1951 – zwei Wochen vor Schönbergs Tod – verfaßt. Schönberg bittet Rankl darin um Mithilfe bei der Instrumentierung seines unvollendeten Oratoriums »Die Jakobsleiter«, da dieser seinen Orchesterstil »wie kein anderer« beherrsche.
Aus Privatbesitz konnte das Archiv weiters einen autographen Brief Arnold Schönbergs an den Mödlinger Lehrer und Geigenbauer Matthias Winkelmayer (1873 – 1947) erwerben. Schönberg hatte in seiner Mödlinger Zeit eine der über 700 von Winkelmayer gebauten – und im Österreichischen Raum berühmten – Violinen erworben (zu besichtigen in der Gedenkstätte des Schönberg-Hauses in Mödling) und bat ihn in seinem Schreiben vom 20. September 1919 um den Unterricht seines Sohnes Georg (vermutlich im Fach Horn). Zu den Neuerwerbungen des Archivs zählt eine autographe Postkarte Schönbergs an den Schauspieler Wilhelm Klitsch vom 12. Januar 1921 (Auktion bei Stargardt in Berlin), die Details zur Probenarbeit einer Aufführung der »Gurrelieder« in Amsterdam enthält. 
Durch eine Schenkung der Houghton Library an der Harvard University in Cambridge/ Massachusetts schließlich ist das Archiv nunmehr im Besitz einer Sammlung originaler Konzertprogramme und Rezensionen aus dem Nachlaß des Schönberg-Interpreten und -Schwagers Rudolf Kolisch (1896– 1978), welche die Aufführungstätigkeit des Kolisch-Quartetts dokumentiert und eine wichtige Ergänzung zu Schönbergs eigener Programm- und Artikelsammlung darstellt.

Therese Muxeneder, Archiv


Forschungsbeihilfe des Arnold Schönberg Center

Die Arnold Schönberg Center Privatstiftung fördert wissenschaftliche und archivarische Forschung durch die Vergabe von Forschungsbeihilfen. Empfänger der Beihilfen am Arnold Schönberg Center arbeiten und beziehen eigene Projekte unmittelbar auf Arnold Schönbergs Leben und Werk.
Eine Forschungsbeihilfe gilt für zwei Wochen und umfaßt
– Wohnmöglichkeit im Schönberg-Haus in Mödling während des zweiwöchigen Forschungsaufenthaltes (bei größerem Projektumfang besteht die Möglichkeit der Verlängerung weiterer zweiwöchiger Forschungsperioden)
– Netzkarte für öffentliche Verkehrsmittel in Wien und Mödling
– Tagesdiäten in Höhe von öS 300,-/Eur 21,80
– Reisekostenzuschuß nach und von Wien
– Nutzung der Infrastruktur von Archiv und Bibliothek des Arnold Schönberg Centers. Informationen über den Sammlungsbestand und die Einrichtungen des Center können über die web site www.schoenberg.at abgerufen werden.

Anträge für Forschungsbeihilfen werden schriftlich an die Direktion des Arnold Schönberg Center gestellt:

Arnold Schönberg Center Privatstiftung
Dr. Christian Meyer, Direktor
Schwarzenbergplatz 6
A – 1030 Wien
Fax: +43 1/712 18 88 - 88
e-mail: meyer@schoenberg.at

Anträge werden innerhalb von drei Monaten nach Einlangen bearbeitet.

Dem Antrag sind beizufügen:
– Projektbeschreibung
– Curriculum vitae
– Empfehlungsschreiben der Schule/Universität (nur Studenten)


Aktivitäten des Arnold-Schönberg-Instituts 
der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Im April 2000 hat der Musikverlag Universal Edition einen großen Teil seiner Archivkorrespondenz als Leihgabe in das Schönberg-Institut überführt. Diese Korrespondenz, die sich von den mittleren dreißiger bis zu den frühen fünfziger Jahren erstreckt, umfaßt einige tausend Stücke und schließt Komponistenbriefe von Schönberg und Webern bis Weill und Stockhausen ein. In den kommenden Monaten werden Prof. Christopher Hailey und Dr. Matthias Schmidt beginnen, diesen Briefbestand zu ordnen und zu katalogisieren, um diese wertvollen Quellen der Forschung zugänglich zu machen.
Am 26. und 27. Juni veranstaltete das Schönberg-Institut zusammen mit der Lehrkanzel »Musikalische Stilkunde und Aufführungspraxis« eine zweitägige Vorlesung samt Master Class von Prof. Karl Steiner (*1912 in Wien), einem Schüler von Olga Novakovic und Pionier der Schönberg-Interpretation in Shanghai und Kanada, der auch von der Republik Österreich mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet werden wird. Am 8. und 9. Juli führte das Schönberg-Institut ein internationales Symposium zum Thema »Arnold Schönberg und der Chor« als Teil der Chor-Olympiade 2000 in Linz durch. Teilnehmer waren neben Institutsleiter Hartmut Krones und Gastprofessor Christopher Hailey auch Peter Andraschke (Gießen), Dieter Gutknecht (Köln), Reinhard Kapp (Wien), Manfred Permoser (Wien), Edelgard Spaude (Freiburg) sowie Christian Meyer (Wien).
Während des Frühjahrs 2000 arbeitete das Schönberg-Institut intensiv mit dem Schönberg Center für die Vorbereitung und Realisierung der erfolgreichen »Schönberg – Kandinsky«-Ausstellung zusammen. Prof. Haileys Hauptlehrveranstaltung des Sommersemesters beschäftigte sich dementsprechend mit der Bedeutung der bildenden Kunst für Schönbergs Leben und Werk. Prof. Esther da Costa Meyer (Princeton) hielt in diesem Rahmen einen Gastvortrag ab. Eine weitere Seminarveranstaltung beschäftigte sich mit Schönbergs Bühnenkompositionen und ihrem Verhältnis zu zeitgenössischen Werken. Prof. Krones hielt ein Seminar zur Geschichte der österreichischen Symphonik im 20. Jahrhundert ab, in welches ein internationales Symposium eingebettet war.
Das Schönberg-Institut arbeitet derzeit eng mit dem Schönberg Center in der Vorbereitung des Symposiums und der Ausstellung »Arnold Schönberg in Berlin« zusammen; unser spezieller Beitrag hiezu wird neben Vorträgen die von Kammersänger Prof. Walter Berry gehaltene Master Class »Das Liedschaffen der Wiener Schule« sein. Die Seminarangebote für das kommende Wintersemester werden einerseits mit dem Symposiumsthema, andererseits mit dem Festival »Wien modern« koordiniert: So wird es einen Repertoirekunde-Kurs über »Schönberg und die Musik der zwanziger Jahre« ebenso geben wie ein Forschungsseminar zum Thema »Schönberg und die Religion« (unter spezifischer Berücksichtigung der künstlerischen, sozialen und politischen Kontexte der »Jakobsleiter« und von »Moses und Aron«) sowie ein Seminar zu den Parametern Raum und Zeit im Schaffen der Wiener Schule.


Freunde des Arnold Schönberg Center

Seit der Eröffnung des Arnold Schönberg Center in Wien im März 1998 hat sich unsere Stiftung zu einem Zentrum der Schönbergforschung sowie zu einem der interessantesten Wiener Veranstaltungs- und Ausstellungsorte entwickelt. Von Beginn an haben auch private Sponsoren unsere Arbeit finanziell unterstützt – mittlerweile mit mehr als öS 14 Millionen (Eur 1 Million)! Dies wurde möglich, da das Arnold Schönberg Center über einen steuerbegünstigten Status sowohl in Österreich als auch in den USA verfügt. Spenden an unsere Stiftung können von der Einkommenssteuer abgesetzt werden.
Mit Frühjahr 2000 hat das Arnold Schönberg Center in Wien in Fortsetzung der »Friends of the Arnold Schoenberg Institute« in Los Angeles die »Freunde des Arnold Schönberg Center« ins Leben gerufen und wirbt um Mitglieder aus Europa und der ganzen Welt.
Mit einem Jahresbeitrag von mindestens öS 1.000,-/Eur 72,67 wird man »Freund des Arnold Schönberg Center«, mit mindestens öS 13.760,-/Eur 1.000 Jahresbeitrag erhält man den Status eines »Förderers des Arnold Schönberg Center«. »Freunde« und »Förderer« erhalten für diese Förderung wissenschaftlicher Projekte zahlreiche Begünstigungen.


Subskription »Journal of the Arnold Schönberg Center«

Mit unserem wissenschaftlichen Periodikum setzen wir die 1976 in Los Angeles begonnene Reihe »Journal of the Arnold Schoenberg Institute« fort. Die bislang erschienenen Jahrgänge des Journals sind – mit Ausnahme weniger bereits vergriffener Nummern – nach wie vor über das Schönberg Center zu beziehen.
In der Subskription sind im laufenden Jahr nachstehende Publikationen enthalten, welche zum Vorzugspreis von von ATS 1.376,-/Eur 100,- am Arnold Schönberg Center bezogen werden können:

Preliminary Inventory of Schoenberg Correspondence JASI 18-19/1995-96
(ATS 495,-/EUR 35,97)

Schönberg und Wagner – Bericht zum Symposium 1998
(ATS 248,-/EUR 18,02)

Schönberg, Kandinsky, Blauer Reiter und die Russische Avantgarde JASC 1/2000 (ATS 413,-/EUR 30,01)

Arnold Schönbergs Wiener Kreis – Bericht zum Symposium 1999 JASC 2/2000 (erscheint im September 2000, ATS 495,-/EUR 35,97)

In den kommenden Jahren wird sich das JASC weiterhin an der Jahresthematik des Center orientieren und ein- bis zweimal jährlich erscheinen. Diese Publikationen sind für Subskribenten zu ermäßigten Preisen erhältlich.

Vorschau 2001: Arnold Schönberg in Berlin – Bericht zum Symposium 2000 JASC 3/2001 (ATS 495,-/EUR 35,97)


Pressestimmen

Farben und Klänge
... Danach zieht die Schau ihre Musik und Malerei verbindenden Kreise ... Zum Ereignis werden Großformate Kandinskys, dynamische abstrakte Farb- und Formwirbel, die wahrhaft Klänge auszudrücken scheinen. Selbstporträts Schönbergs als visionäre Psychogramme bilden den Kontrapunkt. ...
Günther Frohmann, Salzburger Nachrichten, 9. März 2000

Eine Schau für das Unbewußte
... großteils noch nie in Österreich gezeigte Exponate werden in mehreren Räumen – auch im Konzertsaal – des Schönberg Centers präsentiert. Mit Deckenspots beleuchtet und auf graue Wände gehängt, kommen die Bilder sehr gut und ungestört zur Geltung. Skizzen, Dokumente und Fotos sind, ausführlich mit Erklärungen versehen, in Glasvitrinen gut überschaubar untergebracht. Auch ein kleines Kino wurde eingerichtet. Und Musik kommt schon beim Besuch der Ausstellung mittels Audiophones, des weiteren aber mit einem begleitenden Konzertzyklus nicht zu kurz. ... 
Caro Wiesauer, Kurier, 9. März 2000

Die Früchte eines Dialogs
... wird hier der künstlerischen Entwicklung und Geistesverwandtschaft zwischen Schönberg und den um acht Jahre älteren Kandinsky nachgespürt. Parallelen, die auch heute noch ihre Gültigkeit haben. ... Herausragende Exponate dokumentieren Kandinskys Weg in die Abstraktion, wie auch Schönbergs parallel sich entwickelnde »Emanzipation der Dissonanz«. ...
Walter Beyer, Oberösterreichische Nachrichten, 10. März 2000

Wahlverwandtschaften zwischen Malerei und Musik
... Die Beziehungsgeflechte von Malerei und Musik nimmt die aktuelle Schau des Wiener Arnold Schönberg Center ins Visier, personifiziert in den Künstlern Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg ... Unter den insgesamt 200 Exponaten, größtenteils Spitzenbilder aus dem Staatlichen Russischen Museum Sankt Petersburg ... Die Ausstellung macht Kandinskys Weg zur Abstraktion nachvollziehbar. Beispiele zeitgenössischer Strömungen, »-ismen« des vorigen Jahrhundertbeginns wie Kubismus, Suprematismus oder Futurismus, veranschaulichen die damaligen Bestrebungen, zeitliche Abläufe, Geschwindigkeit, wenn man so will, musikalisch-architektonische Strukturen im »einzigen Augenblick« auf der Leinwand einzufangen ...
Doris Krumpel, Der Standard, 10. März 2000

Schönberg Center: Der klingende Kosmos geistig wirkender Wesen
... setzt sich das seinem Gesamtwerk dienende Forschungszentrum nun zum Ziel, Wesensverwandt-schaften zwischen »freier Tonalität« in der mit Tradition brechenden Musik und jenen Malwerken zu bezeugen, die vielfach nach Rhythmen aufgebaut erscheinen.
Das gelingt im Fall der vor allem aus dem Staatlichen Russischen Museum St. Petersburg entliehenen zahlreichen Werke am besten. ... Aber sowohl Kandinskys spätere Entwicklung im Ausbilden geometrischer Kompositionen wie Schönbergs Methode des Tonsetzens (samt der damit verbundenen Theorien) setzten den Emotionen klar ausformulierte Regeln entgegen. Über die Formfrage jedoch waren sich beide Künstler wohl in dem Sinn einig, wie Kandinsky ihn damals zum Ausdruck gebracht hatte: »Die Welt klingt. Sie ist ein Kosmos der geistig wirkenden Wesen. So ist die tote Materie lebender Geist.«
Kristian Sotriffer, Die Presse, 12. März 2000

Befreiung von den Fesseln
... Zwei kleine Skizzen stehen am Anfang eines spannenden Ganges durch die Befreiung der Kunst von den einengenden Fesseln der Konvention und des Konkreten ... Beide hat Kandinsky unter dem Eindruck von Schönbergs Musik in der Nacht nach dem Konzert geschaffen. ... Mit Kopfhörern kann sich der Besucher akustisch auf die malerischen Botschaften einlassen. ... Im Nebenraum hängt eine Auswahl des Schönbergschen malerischen Werkes für sich: hier entfaltet es eine intime Qualität, die das Verständnis des avantgardistischen Musikers vertieft und um seine Bilderwelten bereichert. ...
Isabella Marboe, Die Furche, 16. März 2000

Farbklang zu Tonfarbe in der klassischen Avantgarde
Die Gemälde und Grafiken ... gehören zu den Spitzenleistungen der europäischen Avantgarde in der bildenden Kunst der klassischen Moderne. Zu Musikstücken von Arnold Schönberg, dessen lange Freundschaft mit Kandinsky den Leitfaden der Schau bildet, können Besucher die ersten abstrakten Kompositionen der russischen Künstlerinnen und Künstler in den grau gestrichenen Räumen des Palais Fanto genießen, befragen, bestaunen ... 
Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Wiener Zeitung, 22. März 2000

Verwandte Seelen
Rund 200 Werke, davon zahlreiche Ölgemälde, weiters Aquarelle und Manuskripte, zeigen nicht nur eine verblüffende Anzahl hochrangiger Kandinsky-Werke, sonder auch solche von Kasimir Malewitsch, Alexej Jawlensky, Pawel Filonow, Boris Ender und andere erste Vertreter der russischen Avantgarde. Und die Bilder von Arnold Schönberg hängen darunter, quasi als gleichwertige Partner der Großen, und zeigen, dass er sich mit seinem zweiten Talent nicht verstecken musste ... Gerade in der gemeinsamen Darstellung dieser Werke wird der Rang Schönbergs als Maler evident. Der ausführliche Katalog enthält auch in allen Details den biographischen Hintergrund der für beide, Schönberg und Kandinsky, so wichtigen Beziehung.
Heiner Wesemann, Neues Volksblatt, 4. April 2000

Schlüsselerlebnis Konzert
... Als besondere Rarität sind zwei Werke des im westlichen Ausland ziemlich unbekannten, aber sehr bedeutenden russischen Avantgardisten Pawel Filonow zu sehen.
Reinhold Reiterer, Kleine Zeitung, 4. April 2000

Vom Klang der Bilder
... Das Spannende ist ein Audioführer, der auch Musikstücke anspielt. ... In ihrer Zusammenschau ist die Ausstellung im Wiener Palais Fanto einmalig und beleuchtet ein inniges Verhältnis zwischen zwei künstlerischen Bereichen. Allein die Frage, inwieweit Musik malerisch wirklich abgebildet werden kann, beantwortet sie nicht. Die Antwort darauf zu suchen, bleibt das Abenteuer eines Ausstellungsbesuches. ...
Ewald Kontschieder, Dolomiten, 25./26. März 2000

Die Psyche der Muse: Die Kunst gehört dem Unbewußten
... Die Ausstellung ... greift weit über das hinaus, was oft über die Malerei Schönbergs, die Dichtungen des musikalischen Malers Wassily Kandinsky und die Beziehungen der beiden Künstler dargestellt wurde. ... Den synästhetischen Bemühungen der Zeit entspricht neben der Ausrüstung der Besucher mit Kopfhörern ein Rahmenprogramm mit Konzerten und Lesungen. Dabei ist das Publikum umgeben von dazu passenden Bildern. Christian Meyer kann dadurch nachweisen, wie geradezu explosiv farbenfroh auch die schwer zugängliche Musik zu verstehen ist. ... Die Ausstellung findet erstaunlich viel Zuspruch. Es dürfte auch Nachdenklichkeit geweckt werden über die Zeit beneidenswerter Aufbruchs- und Diskussionsfreude. ...
Lothar Sträter, Saarbrücker Zeitung, 1. April 2000

Wahlverwandtschaften
... Auch den übrigen Beteiligten, darunter Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky und David Burljuk, räumt die Ausstellung in den Räumen des Arnold Schönberg Centers den gebührenden Platz ein. Insgesamt illustrieren 200 Exponate ... den schöpferischen Dialog der kongenialen Weggefährten. ... 
Wolf Schön, Rheinischer Merkur, 7. April 2000

Und die Kunst gehört aber dem Unbewußten
Das seit vier Jahren in Wien etablierte »Arnold Schönberg Center«, das den Nachlaß des Komponisten verwaltet und als Dauerleihgabe der Erben auch über sein bildnerisches Werk verfügt, erinnert mit einer erlesenen Ausstellung an die vielschichtigen künstlerischen Beziehungen zwischen Malerei und Musik, die sich mit den Namen Schönberg und Kandinsky, paradigmatisch für die grenzüberschreitende Moderne, verbinden. ... wurde mit immerhin über 200 Objekten ... ein Ensemble zusammengestellt, das die konzeptionellen Konturen der »Blauen Reiter« im Hinblick auf die zentralen Beiträge von Kandinsky und Schönberg und den Malerei-Musik-Dialog der russischen Kunstavantgarde jener Zeit sichtbar macht. ...
Peter Gorsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. April 2000

Dass ich den Menschen nur in die Augen sehe
... Skizzen, das resultierende Bild und die Musik, die Kandinsky inspirierte, sind derzeit in einer Ausstellung am Wiener Arnold Schönberg Center zu erleben, die die Beziehung zwischen dem Komponisten, der selbst malte, und dem Maler in dessen russischem Umfeld dokumentiert. ... Neben Kandinsky und Kasimir Malewitsch, von dem etwa eine faszinierende frühe Figurenstudie »Gebet« zu sehen ist, sind es aber auch die unbekannten Namen, die vom Rausch der Moderne künden ...
Wolfgang Fuhrmann, Berliner Zeitung, 19. Mai 2000

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