Pressestimmen
2005

Schönberg-Preis
Der mit 12.500 D dotierte Arnold Schönberg Preis 2005 geht an die in Südkorea
geborene Komponistin Unsuk Chin. Die von Deutschlandradio gestiftete Auszeichnung
wurde 2001 auf Initiative von Kent Nagano ins Leben gerufen. Unsuk Chin ist nach George Benjamin (2002) und Jörg Widmann (2004) dritte Preisträgerin.
Kurier, 2. März 2005

»Nur der Mittelweg führt sicher nicht nach Rom«
Vor einer Evaluierung müßte sich das Schönberg Center nicht fürchten. Hier wird
geforscht, kommuniziert, archiviert, publiziert und musiziert. Und alles geschieht mit hoher
Intensität und mit humorvoller Ernsthaftigkeit. Generalthema des Hauses ist Arnold
Schönberg, und wer glaubt, daß über den Mann mit den vielen Talenten bereits alles
bekannt ist, der wird hier eines besseren belehrt.
»Der Maler Arnold Schönberg« ist der Titel einer Ausstellung … »Der Autodidakt malt
nicht eines schönen, liebenswürdigen Bildes wegen, sondern um seine subjektiven Empfindungen zu fixieren«, beschrieb Wassily Kandinsky, Zeitgenosse und Malerautodidakt wie Schönberg, die Triebfeder des Tuns. Auf den Maler Schönberg trifft das absolut zu. Schönbergs Bilder sind extrem gefühlvoll. …
Henriette Horny, Kurier, 3. März 2005

»Musizieren mit Farben und Formen«
… »Ich bin direkt begeistert«, urteilte Wassily Kandinsky. Heute sieht man in Schönbergs
Malerei mehr als das Produkt eines talentierten Dilettanten: einen wichtigen Schritt
in der Kunst des frühen 20. Jh.s in Richtung Abstraktion. …
Erwin Melchart, Kronen Zeitung, 3. März 2005

Gehirnakte von hoffnungsloser Zärtlichkeit
… In der Überzeugung, nicht schön oder liebenswürdig malen zu wollen, im Experimentellen und fantastisch Visionären, seiner Begeisterung für Maß, Linie, Wiederholung und Komposition, für das Einbringen der Theorie in die Malerei, ja sogar dem ihm bewußten Dilettantismus (nach Goethe), ist Schönberg der Kunstauffassung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts näher als einem Munch oder einem Kubin. Es wird noch viel zu Schönberg als Maler zu forschen geben, ausgehend von dieser Einbettung in Bildern seiner Zeitgenossen: Vielleicht sollten Schönbergs »Visionen« ja auch besser neben Blättern von Beuys hängen.
Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Wiener Zeitung, 4. März 2005

Das brennende »Herz« des Atonalen
… Und es stimmt: Selbst wenn sich über die technischen Fertigkeiten des Malers Schönberg – er war Autodidakt – streiten läßt, ausdrucksstark sind seine Bilder in jedem Fall. So zeigt ein Ölbild mit dem Titel »Hass« eine grimmige Figur mit brennendem
Herzen – er malte es 1910, also zu einer Zeit, zu der er schon einiges an Kritik hatte einstecken müssen …Auch seine wohl bekanntesten Werke, die Selbstporträts sind Spiegelbilder seiner psychischen Verfassung: Eines, mit schwarzer Tinte gemalt, zeigt wie dem Komponisten Tränen über die Wangen laufen. Datiert ist
das Bild mit 31. 12. 1935 – wahrscheinlich verarbeitet Schönberg darin die Trauer um
den Tod seines Freundes Alban Berg, der am 24. 12. gestorben war. …
Daniela Tomasovsky, Die Presse, 8. März 2005

Das Arnold Schönberg Center zeigt das bildnerische Schaffen seines Namensgebers
… Eigentlich sehe er nur die Augen der anderen. Was sich dagegen seinem inneren Auge
an Unbewußtem, Visionärem und Albtraumhaftem am Vorabend des Ersten Weltkriegs
bot, erhielt nicht nur Oskar Kokoschkas Lob. Da schwimmt ein Auge in Orange, Landschaften rinnen apokalyptisch davon, Bühnenentwürfe
zeigen kadmiumgelbe Explosionen. Die gequälte Vision eines Christuskopfes
aus dem Geiste Baudelaires versinkt in Düsternis: Dem Heiland steht die Tinte bis über
den Hals. … Ansonsten sind in der Ausstellung Bilder von Schiele bis Gerstl zu sehen: Wien modern, opulent und dekadent.
Erich Klein, Falter, 23. März 2005

Arnold Schönberg è oggetto di una mostra
… L’iniziativa riveste un grande peso, perché ormai il compositore viene annoverato a
pieno diritto tra i massimi esponenti dell’espressionismo austriaco, accanto appunto
a Schiele, Kokoschka e Gerstl, e questo nonostante la brevissima carriera. Ma basta un’occhiata ai suoi moltissimi autoritratti, o alla serie chiamata »Sguardi«, per rendersi conto del suo notevole talento nel portare sulle tela una prospettiva del tutto
soggettiva, che scava nell’anima, producendo anche paesaggi mentali in cui è il colore con
le sue pennellate vigorose, a dominare.
Flavia Foradini, RTSI Rundfunk der italienischen Schweiz, 23. März 2005

Wien zeigt die bisher größte Retrospektive auf das bildnerische Werk des
Komponisten Arnold Schönberg

Das Wiener Fin-de-siècle gilt als Laboratorium der Moderne, und überall, wo es in einer Ausstellung dargestellt wird, gehört ein Selbstporträt Arnold Schönbergs zum Inventar. Der Komponist ist zweifellos der radikalste Neuerer dieses Laboratoriums und seine Bedeutung für die musikalische Moderne herausragend. …Heute würdigt man in Schönbergs Malerei die eigenwillige, freilich vor allem in den imaginären Porträts und den Fantasien verstiegen symbolistische Ausdruckskraft. …
Paul Kruntorad, Nürnberger Nachrichten, 18. April 2005

Musizieren mit Farben
… Wenngleich sich meistens Spezialisten von einer der Kunstgattungen in ihrem eigenen
Medium mit der anderen beschäftigt haben… so gab es auch die große Ausnahme, daß
Künstler sich in beiden Bereichen betätigten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Werk von Arnold Schönberg. … Dennoch steht man vor einem faszinierenden Gesamtkunstwerk des Arnold Schönberg – und welche Impulse die Malerei seinen Kompositionen, seiner Chefkunst, gegeben hat, darüber müßte man extra verhandeln.
Hartwig Bischof, Die Furche, 28. April 2005

Catalogue raisonné
… Erstmals liegen nun alle Gemälde, Zeichnungen, Karikaturen, Skizzen und Studien des
Komponisten in zwei Prachtbänden vor… Stolze 361 Nummern zählt diese Publikation
und macht jenseits der recht bekannten und oft ausgestellten Portraits sogar mit einer
Seite Schönbergs vertraut, die man in diesem ernsten Missionar und Propheten großer
Kunst so gar nicht vermutet hätte – hier ist Schönberg, der Karikaturist! »Der Besiegte«
ist dieses von roter Wut gezeichnete Aquarell aus dem Jahr 1919 betitelt, dem Schönberg
natürlich auch ein Gegenstück in lachend helleren Farben beigegeben hat: »Der Sieger«.
Und auch wenn es lange so ausgesehen haben mag, daß Schönberg als Besiegter in die
Musikgeschichte eingehen würde, so hat er sich nach und nach als Sieger entpuppt.
Dafür liefern diese Bilder und Skizzen, die vom Farbenreichtum und Formenvielfalt in
Schönbergs Kompositionen ganz unmittelbar künden, die wunderbarsten Beweise.
Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung, 8. Juni 2005

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