| Zu Kandinskys
Schrift »Über das Geistige in der Kunst« Die 1910 abgeschlossene Schrift Über das Geistige in der Kunst ist die bedeutendste theoretische Darstellung Kandinskys. Notizen dazu entstanden bereits zehn Jahre zuvor. Ende 1911 wurde die Schrift veröffentlicht, lag also zur Eröffnung der Ausstellung der Redaktion des »Blauen Reiters« vor. Bis 1912 waren drei Neuauflagen erforderlich. In der Einleitung wird der für Kandinsky wichtige Begriff der »inneren Notwendigkeit« eingeführt. Im ersten Kapitel Bewegung entwirft Kandinsky ein Dreiecksbild des geistigen Lebens: ein Dreieck, an dessen Spitze nur ein einziger Mensch steht, bewege sich unentwegt vorwärts. Im folgenden Kapitel Geistige Wendung konkretisiert Kandinsky diese Idee und versucht, sie historisch zu belegen. Bevor er auf die Kunst an sich zu sprechen kommt, erwähnt er die Theosophische Gesellschaft als eine große geistige Bewegung. Sein Rekurs auf die Literatur führt ihn zu Maurice Maeterlinck und Alfred Kubin als Hellseher des Niedergangs; in der Musik sieht er vor allem Claude Debussy und Arnold Schönberg, der auf das »Schöne« verzichtet und in ein neues Reich dem der seelische Erlebnisse in der Musik einführt, als Hoffnungsträger der »geistigen Wende«. In der Malerei hebt er besonders Pablo Picasso und Henri Matisse als Wegbereiter hervor. Das Kapitel Pyramide zeigt Verwandschaften und Unterschiede zwischen den Künsten. Kandinsky strebt die Vereinigung der Künste zu einer »monumentalen Kunst« an. Der Hauptteil, das Kapitel Malerei, ist im Unterschied zu den vorhergehenden Kapiteln der systematischen Argumentation vorbehalten: Kandinsky untersuchte die Wirkung der Farbe (als »Seelenvibration«) und entwickelte eine Systematik der Form-Farb-Beziehungen. Dabei stellt er abstrakte Elemente in den Vordergrund. Die Grundeinteilung der Farbe ist laut Kandinsky warm-kalt / hell-dunkel. Jeder Farbe wird eine seelische Ausdrucksqualität zugeordnet, die er mit Musikbeispielen illustriert. Aus dem vorangegangenen Kapitel nimmt er die Idee der »monumentalen Kunst« auf und entwirft als neue Form die »Bühnenkomposition«, wobei der Tanz neben Farbe und Musik zum dritten Element wird. Das Schlußwort bezieht sich auf Reproduktionen von Kandinskys eigenen Werken, hier trifft er die Unterteilung in »Impression«, »Improvisation« und »Komposition« und verweist auf Motive und Ziele der eigenen Tätigkeit. Widmungsexemplar für Arnold Schönberg [Titel Widmung] |
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