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Unterricht 1: Walter Gronostay
Walter Gronostay, 1906 in Berlin geboren, war 1926 einer der ersten Schüler,
welche die Gelegenheit wahrnahmen, bei Schönberg zu lernen; zudem war
er mit zwanzig Jahren einer der jüngsten Studenten. Bevor er an die Akademie
kam, hatte er sich bereits bei dem Komponisten Hugo Kaun die nötigen Kenntnisse
erworben, zudem konnte er auf einen Kapellmeisterabschluß verweisen. Da
sein Vater nur gering besoldet wurde, suchte er bei der Akademie um eine
Freistelle an, was Schönberg befürwortete. Zu Beginn seines Unterrichts
komponierte Gronostay ein Streichtrio - von ihm auch als Serenade oder
Divertimento bezeichnet -, das beim ersten Konzert der Schönberg-Schüler
1927 durch das Kolisch-Quartett uraufgeführt wurde. Im Sommer 1927 vermerkte
Schönberg in seinem Bericht, sein Schüler hätte eine Kammeroper vollendet.
Diese kurze Oper mit dem Titel »In zehn Minuten« wurde 1928 in Baden-Baden
uraufgeführt und trug durch ihren enormen Erfolg zum steigenden Bekanntheitsgrad
Gronostays bei. »In zehn Minuten« bedient sich eines exotischen Sujets,
den Text schrieb der Komponist selbst und fertigte auch kleine Zeichnungen
dazu an. Die Komposition verweist in ihrem Genre auf die kurz zuvor aufgeführten
Kurzopern von Paul Hindemith, Kurt Weill und Darius Milhaud, zeigt aber
in der »Konzentration der Motivik und zugleich in der ziselierten Kleinarbeit«
den Schüler Schönbergs, wie ein Kritiker anmerkte. Die Erstellung des
Klavierauszuges zur Oper bildete sicherlich ein Thema innerhalb des Unterrichts
bei Schönberg, auf einem kleinen Zettel notierte Gronostay - vermutlich
während des Unterrichts - einige Stichpunkte. Walter Gronostay war gegen
Ende der 20er und in den 30er Jahren ein äußerst aktiver Komponist. Sein
besonderes Interesse galt den neuen Medien, er engagierte sich für den
jungen Rundfunk, für den er auch Hörspielmusiken komponierte, und war
in der Rundfunkversuchsstelle der Musikhochschule tätig; zudem schrieb
er eine Reihe von Filmmusiken. Gronostay starb 1937 im Alter von 31 Jahren.
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