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Berliner Kompositionen 1
Schönberg entwickelte seine Methode zur Komposition mit zwölf nur aufeinander
bezogenen Tönen anhand der um 1921/23 entstandenen Klavierstücke und kammermusikalischen
Werke und erprobte sie um 1926 auch an der Komposition von Vokalwerken,
wie den beiden Chorzyklen op. 27 und 28. Mit den Orchestervariationen
op. 31 wagte er sich nun wieder auf das Gebiet der Orchestermusik, da
mit Hilfe der Zwölftonmethode formale Probleme bewältigt werden konnten.
Die Komposition wurde 1926 begonnen, ruhte dann für zwei Jahre und wurde
auf Drängen von Wilhelm Furtwängler, der das Stück mit den Berliner Philharmonikern
uraufführte, 1928 beendet. Die Aufführung entwickelte sich für Schönberg,
der zwar nicht anwesend war, den Eklat jedoch ahnte, zu seinem größten
Berliner Skandal. Für eine Aufführung im Frankfurter Rundfunk bereitete
Schönberg zum besseren Verständnis des Werkes einen Vortrag mit einer
eingehenden Analyse vor: [1:00] [Aufnahme: »Das Thema meiner Variationen
wird anfangs vom Solovioloncello gespielt, der Schluß von der Geige. [Beispiel
4] Die erste zweitaktige Phrase [Beispiel 5a] wird in der zweiten Phrase
in etwas veränderter Gestalt wiederholt, nämlich auf einen Takt zusammengedrängt.
[Beispiel 5b] Vergleichen wir Sie mit der ersten Phrase, man kann erkennen,
dass sie nur verkürzt ist. [Beispiel 5a]Die dritte Phrase, wieder zweitaktig,
lässt den Auftakt dabei weg [Beispiel 5c]. Mit Auftakt würde es so aussehen
[Beispiel 5c-1] und wenn auch der Schlußfall analog der ersten Phrase
ginge, so würde es so aussehen: [Beispiel 5c-2] zum vergleich die erste
Phrase [Beispiel] und noch einmal [Beispiel]. Das Ganze sieht also so
aus: eine zweitaktige Phrase [Beispiel 5a], eine eintaktige [Beispiel
5b], eine verkürzte zweitaktige [Beispiel 5c] und bildet den Vordersatz.
Der Nachsatz beginnt mit einer Verkürzung der dritten Phrase [Beispiel
5d]. Die dritte Phrase hat so geheissen [Beispiel] und jetzt heisst die
erste so: [Beispiel] und ist zweitaktig. Es folgen nun als fünfte und
sechste Phrase zwei Eintakter, was insofern günstig ist, als hier eine
wenig variierte Wiederholung auftritt. Die fünfte heisst: [Beispiel 6]
und die sechste [Beispiel]. An dem ersten Eintakter, der fünften Phrase
nämlich, wird nur der Auftakt kleiner genommen, beschwingter, drängender,
steigernder. [Beispiel 6a] So ist ja unverändert, und so heisst es beschwingter
nicht? Damit mit kürzerem Auftakt. Zusammen lauten die beiden Phrasen
[Beispiel] [Beispiel 6b]. Den Schlußfall des Nachsatzes bildet ein Dreitakter,
der eine geringe Verbreiterung der ersten Phrase darstellt. [Beispiel
6c] (vgl. mit der ersten Phrase) [Beispiel 5a]. Sie sehen, es ist meine
Absicht Ihnen immer zu zeigen, dass die einzelnen Phrasen immer nichts
anderes sind als mehr oder weniger variierte Wiederholungen einer Grundgestalt.
Der Nachsatz lautet als Ganzes: [Beispiel 6d] Das sind 7 Takte, der Vordersatz
hat 5. Das sind 12 Takte. Diese Teilung von 5 und 7 wird auch im folgenden
beibehalten: der II. und III. Teil des Themas ... es ist nämlich ein sog,
dreiteiliges Lied ... zerfällt ebenfalls in 5+7 Takte.«]
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