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Arnold Schönberg und Richard Strauss
Schönberg hatte die Opern und Tondichtungen von Richard Strauss, der seit
1898 königlicher Kapellmeister der Berliner Hofoper Unter den Linden war,
bereits in Wien kennengelernt. Sein Aufenthalt in Berlin gab ihm nun die
Gelegenheit, den bewunderten Komponisten selbst kennenzulernen. Den Kontakt
vermittelte möglicherweise von Wolzogen, der Librettist von Strauss' kurz
zuvor komponierter Oper »Feuersnot«. Im April 1902 fand die erste Begegnung
statt, die zu einem intensiven Kontakt während Schönbergs erster Berliner
Zeit führte. Schönberg war im Oktober 1902 von seiner ersten Wohnung am
Helmholtzplatz in die Augsburger Straße gezogen und befand sich nun auch
in räumlicher Nähe zu Strauss. Dieser entwickelte sich bald zu einem wichtigen
Förderer des jungen Komponisten. So sorgte er einerseits dafür, daß Schönberg
- der seit August 1902 keine festes Einkommen mehr hatte - Kopiaturarbeiten
und die Ausschreibung von Stimmen übernehmen konnte und vermittelte ihm
eine Stellung am Stern'schen Konservatorium; 1903 erhielt Schönberg auf
seine Empfehlung hin das Liszt-Stipendium. Andererseits regte Strauss
ihn auch auf künstlerischer Ebene an, indem er ihn etwa auf Maurice Maeterlincks
Dichtung »Pelleas und Melisande« aufmerksam machte. Schönberg nahm das
Drama als Grundlage für seine gleichnamige Symphonische Dichtung op. 5,
deren Komposition sich von April 1902 bis zum Februar 1903 hinzog - unabhängig
und ohne Wissen um Debussys kurz zuvor komponierte Oper »Pelleas und Melisande«.
Maeterlincks fünfaktiges Drama folgt einer Kette von Situationen, die
als symbolträchtige Stimmungs- und Raumbilder artifizielle Begegnungen
assoziativ aneinanderreihen. Schönberg konzentriert seine Deutung in Form
der einsätzigen symphonischen Dichtung auf die Figurenkonstellation Golo
- Melisande - Pelleas und deren schicksalshafte Beziehung in einer unbestimmten,
ort- und zeitlosen Welt. Die nachromantische Klanggestik des Orchesters
ist nie »rein beschreibend«, sondern orientiert sich am ästhetischen Gedanken,
das Sujet nicht als Inhalt, sondern als Voraussetzung der Musik aufzufassen.
Thematische Gedanken, prägend für einzelne Szenen oder Personen, bilden
- der dramatischen Leitmotivik vergleichbar - die Bausteine einer symphonischen
Entwicklung.
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