Stern'sches Konservatorium

Das Stern'sche Konservatorium war 1850 als Berliner Konservatorium gegründet worden. Trotz der Konkurrenz durch das benachbarte Klindworth-Scharwenka-Institut und die Königliche Hochschule für Musik konnte das Konservatorium auf ständig wachsende Schülerzahlen verweisen. Schönberg hatte bereits im Schuljahr 1902/03 auf Empfehlung von Richard Strauss im Stern'schen Konservatorium Musiktheorie unterrichtet. Im Herbst 1903 wartete dessen Direktor Gustav Holländer allerdings vergeblich auf seinen Lehrer, da dieser nach einem Sommeraufenthalt in Payerbach einfach in Wien geblieben war. 1911 nahm Schönberg den Kontakt zu Holländer wieder auf, war dieses Mal jedoch nicht als Lehrer angestellt, sondern hielt in den Räumen des Konservatoriums »10 Vorträge über Musikästhetik und Kompositionslehre«. Dabei redete er ganz aus dem Stegreif, wie sein Schüler Edward Clark berichtete: »Schönberg bereitete niemals den Wortlaut seiner Vorträge vor und stand auf keinem Podium. Zwischen den Stuhlreihen ging er auf und ab, rauchte die ganze Zeit, äußerte seine Erfahrungen und theoretischen Verfahrensweisen in musikalischer Komposition und beantwortete Fragen.« Viele Hörer fand Schönberg indes nicht, aber dafür umso interessiertere. So besuchte auch der Maler Emil Nolde im Dezember einen Vortrag, nach dem es zu einer lebhaften Diskussion gekommen sein muß - Nolde entschuldigte sich hinterher in einem Brief für seine offenen Worte. Schönberg scheint die Vorträge tatsächlich fast ohne Vorbereitung gehalten zu haben, dennoch existieren einige wenige Manuskripte, die sich auf diese Kurse beziehen und zeigen, wie sich Schönberg dem Thema mittels »brainstorming« näherte. Weitere Hinweise auf die Inhalte der Vorträge gibt das »Berliner Tagebuch«. Demnach widmete sich Schönberg im Januar der Darstellung des »Unaussprechlichen«: »Ich brachte es immerhin dazu, meine Idee über das ›obligate Rezitativ‹ (diesen Namen zu nennen vergaß ich merkwürdigerweise) ziemlich klar darzustellen und zu begründen. Ganz nicht. Die Idee ist tiefer: Das Unaussprechliche sagt man in der freien Form. In der nähert es sich der Natur, die auch unfaßbar und trotzdem wirksam ist.«

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