Die Berufung an die Preußische Akademie der Künste

Die Berliner Akademie der Künste, im Jahr 1696 durch den Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. gegründet, war - nach Rom und Paris - die dritte Akademie dieser Art in Europa. Sie sollte drei Aufgaben erfüllen: die akademische Ausbildung gewährleisten, die besten Künstler vereinigen sowie den Staat in künstlerischen Fragen beraten. Dabei standen die Bildenden Künste zunächst im Vordergrund; erst 1809 erfolgte mit der Berufung von Carl Friedrich Zelter die Aufnahme der Musik in die Akademie, die Gründung einer eigenständigen Sektion wurde 1833 realisiert. Die Sektion, die sich als »oberste Musik-Behörde Berlins« verstand, war in ihrem Kern eine konservative Institution, genoß durch ihre prominenten Mitglieder jedoch einen internationalen Ruf. Sie bildete sowohl die Grundlage für die Gründung der Hochschule für Musik als auch für die akademischen Meisterschulen, die 1882 ins Leben gerufen wurden. Die Meister waren für die höchste Stufe der Ausbildung zuständig und unterstanden direkt dem Ministerium. Bis in die 20er Jahre hinein wurden die Meisterschulen von einem spezifischen Berliner Konservatismus geprägt. Erst durch die Politik von Leo Kestenberg öffnete sich die Akademie auch neuen, von außen kommenden Musikströmungen. Kestenberg war selbst ausgebildeter Musiker und arbeitete seit 1918 im Preußischen Kultusministerium als Musikreferent. Er setzte im Berliner Musikleben deutliche Akzente: Mit der Berufung von Franz Schreker als Leiter der Musikhochschule und Georg Schünemann als dessen Stellvertreter leitete er die innere Reform der Hochschule ein. Als Schüler Ferruccio Busonis wußte Kestenberg um die charismatische Wirkung des italienischen Komponisten und Pianisten, der entschieden die musikästhetischen Positionen des 19. Jahrhunderts zu überwinden suchte, und bald nach seiner Berufung zum Vorsteher einer akademischen Meisterklasse einen jungen Schülerkreis um sich versammelte. Nach dem Tod Busonis 1924 sollte die fortschrittliche Tendenz weiter verfolgt werden, ein Zeichen dafür war die - sicherlich von Franz Schreker unterstützte - Berufung Schönbergs als Nachfolger Busonis. Im Sommer 1925 besuchte Kestenberg Schönberg in Mödling, im Oktober konnte er Georg Schünemann, dem Vizedirektor der Hochschule, berichten: »Die Schönberg-Berufung wird jetzt im Hause bearbeitet. Ich hoffe, daß der Finanz-Minister bald antwortet und die Ernennung bald erfolgen kann. Die üblichen Schwierigkeiten (Bedenken, ob Akademie vorher befragt werden müßte etc.) werden auch zu überwinden sein. Ich freue mich sehr auf diesen wertvollen Zuwachs unserer ›Gesinnungsfreunde‹.« Die Berufung besaß durchaus provozierenden Charakter: Schönberg war ein unbequemer Geist, der den Konservativen als Traditionsverächter galt, der jüngeren Generation um Hindemith hingegen als unmoderner Dogmatiker. Offiziell wurde er zum Oktober 1925 berufen, trat seine Stelle jedoch aus gesundheitlichen Gründen erst im Januar des folgenden Jahres an, - und übersiedelte damit zum dritten Mal in die deutsche Hauptstadt. Zu Schönbergs Aufgabenbereich an der Akademie zählte neben dem Unterricht die Tätigkeit im Senat. Dieser hatte vor allem die Aufgabe, das Ministerium in Musikdingen zu beraten. So reichte beispielsweise ein Komponist einen Vorschlag für eine neue Notenschrift ein, das Ministerium bat um ein Gutachten der Senatoren der Sektion Musik. Zu diesem Zweck gab es Formulare, die entsprechend weitergereicht wurden, und auf dem jeder Senator seine Meinung kundtat. Es spricht für das Pflichtgefühl Schönbergs, daß er seine Stellungnahme sorgfältig vorbereitete, und bevor er seinen Platz auf dem Bogen ausfüllte, ein ausführliches Konzept formulierte.

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