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Schönberg konzipierte von »Friede auf Erden« für die Erstaufführung
eine orchestrierte Fassung, »weil Schreker es ohne das
nicht mit seinem jungen Chor riskieren kann, eine die Sicherheit
der Intonation ermöglichende Begleitung, die aber nicht als kompositionell
mit dem Werk zusammenhängend anzusehen ist!« Die Uraufführung
im Musikverein wurde nach dem Bericht Franz Schrekers, der das Wiener
Tonkünstler-Orchester »bis beinahe zur Unhörbarkeit abgedämpft«
hatte, ein »unbestrittener Erfolg«. 1915 ließ sich Schreker
in seiner Oper »Die Gezeichneten« von Schönbergs Gemälden inspirieren
und widmete 1929 seine achte Oper »Christophorus« »Arnold Schönberg
in Freundschaft«. Schönberg zitierte im Gegenzug »Der ferne Klang«
(1910) in seiner Harmonielehre, spielte Schrekers Musik in Konzerten
des Vereins für musikalische Privataufführungen und zählte in seiner
Widmung der Essay-Sammlung »Style and Idea« von 1950 Schreker zu
»jenen mit denen man die Prinzipien der Musik, der Kunst, der
künstlerischen und bürgerlichen Moral nicht zu erörtern brauchte.
Es bestand ein stilles und klares gegenseitiges Einverständnis in
all diesen Dingen.«
Schönberg und Schreker trafen sich erstmals um 1908, wahrscheinlich
durch Alexander Zemlinsky vermittelt, den Schreker seit seiner Studienjahre
am Wiener Konservatorium kannte. Zusammen mit Gustav Mahler unterzeichneten
die beiden 1909 als erste Komponisten Exklusivverträge bei der Universal
Edition. Von da an kreuzten sich ihre Wege häufiger. 1920 wurde
Schreker Direktor der Berliner Hochschule für Musik und nutzte seinen
Einfluß um Schönbergs Berufung an die Preußische Akademie der Künste
im Jahr 1925 zu sichern. Beide Künstler waren auch engagierte Lehrer
(sie teilten sogar einige Studenten, darunter Paul Amadeus Pisk
und Rudolf Kolisch), die gründliche Kenntnisse der Kompositionstechnik
zusammen mit einem festen Glauben an stilistische Weiterentwicklung
und kreative Individualität vermittelten. Einige der Studenten Schrekers,
darunter Ernst Krenek und Jascha Horenstein, knüpften enge Verbindungen
zu Schönbergs Kreis; dessen Schüler Winfried Zillig spielte eine
wichtige Rolle bei der Wiederbelebung von Schrekers Werken nach
dem Zweiten Weltkrieg.
Unter dem Druck, jüdische Professoren der Berliner Musikhochschule
zu entlassen, legte Schreker sein Amt 1932 unter Protest nieder
und nahm eine Meisterklasse an der Preußischen Akademie der Künste
an. 1933 wurden er und Schönberg ihrer Stellungen an der Akademie
enthoben. Schönberg emigrierte in die Vereinigten Staaten, Schreker
wäre gefolgt, erlitt jedoch im Dezember 1933 einen Schlaganfall
und starb im folgenden März, zwei Tage vor seinem 56. Geburtstag.
In vielerlei Hinsicht scheinen Schönberg und Schreker polare Gegensätze
zu sein. Der eine von Natur aus analytisch, rigoros in seinem Streben
nach Konsequenz, scheinbar gleichgültig gegenüber dem Publikum,
setzte sich sein ganzes Leben hindurch mit Fragen der organischen
Einheit und des Zusammenhangs sowie der klassischen Überlieferung
auseinander. Der andere ein erfolgreicher Mann des Theaters, ein
Sensualist und Phantast, ein manchmal radikaler Praktikter der stilistischen
Montage, in seiner Erscheinung eher international als »Deutsch«.
Es gab fortlaufend Spannungen in ihrer Verbindung weithin
dokumentiert durch die Korrespondenz und andere Quellen aber
auch einen enormen Vorrat an künstlerischem Respekt und persönlicher
Zuneigung. »Er ist der einzige Mensch zu dem ich wirklich künstlerisches
Vertrauen habe«, schrieb Schreker 1926 über Schönberg, »weil
sein Wesen Schärfe mit Naivität verbindet«. Tatsächlich sind
dies Züge, welche beide Künstler teilten. Die Komplexität ihrer
Persönlichkeit und Verbindung zu verstehen ist ein Anfang, um die
Vielgestaltigkeit der Wiener Moderne zu begreifen.
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