Arnold Schönberg und Alexander Zemlinsky

  Arnold Schönberg und Alexander Zemlinsky lernten sich im Herbst 1895 anläßlich einer Probe des »Musikalischen Vereins Polyhymnia«, einem Amateurkammerorchester, kennen. Am 2. März 1896 fand unter Zemlinskys Leitung das erste offizielle Konzert der »Polyhymnia« im Festsaal des Kaufmännischen Vereins am Schwarzenbergplatz statt. Dabei wurde erstmals eine Komposition Schönbergs in Wien öffentlich aufgeführt, das »Notturno« für Streichorchester und Solovioline. Schönberg, dessen Kenntnisse der Komposition sich bis zu diesem Zeitpunkt auf autodidaktische Studien beschränkt hatten, wurde nun Zemlinskys Schüler.
 
Zu den unter der Aufsicht seines Lehrers erarbeiteten Kompositionen zählt das frühe Streichquartett in D-Dur. In dieser Zeit entstand auch Schönbergs Klavierauszug zu Zemlinskys Oper »Sarema«. Durch Zemlinsky wurde Schönberg in den Wiener Literaten- und Künstlerkreis eingeführt und mit Karl Kraus, Peter Altenberg, Hermann Bahr und Adolf Loos bekannt gemacht. Zemlinskys und Schönbergs Ambitionen im Wiener Tonkünstlerverein, dem Ansorge-Verein und in der 1904 gegründeten Vereinigung schaffender Tonkünstler, der Gustav Mahler als Präsident vorstand, wurden richtungweisend für die Pflege der musikalischen Moderne in Wien.

1900 heiratete Schönberg die Schwester seines Freundes, Mathilde Zemlinsky. Im selben Jahr wurde sein Schwager an das Carl-Theater als Kapellmeister verpflichtet, wodurch sich für den in Berlin unter schlechten materiellen Bedingungen lebenden Schönberg mit Operetteninstrumentationen und Kopistenarbeiten eine wichtige Einnahmequelle ergab. Als Schönberg im Sommer 1903 nach Wien zurückkehrte und in der Liechtensteinstraße (9. Bezirk) eine Wohnung bezog, übersiedelte auch sein Schwager dorthin, der im Jahr darauf als Kapellmeister an der Wiener Volksoper tätig wurde.

1911 übersiedelte Schönberg wieder nach Berlin, Zemlinsky war Opernleiter am Deutschen Landestheater in Prag. Der aus dieser Zeit erhaltene Briefwechsel dokumentiert das Bemühen der beiden, sich gegenseitig Aufführungsmöglichkeiten zu verschaffen. Schönberg dirigierte auf Einladung seines Schwagers 1912 in Prag seine symphonische Dichtung »Pelleas und Melisande«, im Jahr darauf setzte er Zemlinskys Maeterlinck-Gesänge auf das Programm eines Konzerts des Akademischen Verbands für Literatur und Musik. 1914 führte dieser wiederum drei Gesänge aus Schönbergs Orchesterliedern op. 8 in Prag auf und widmete ihm sein II. Streichquartett op. 15.

Als Schönberg nach seiner Entlassung vom Kriegsdienst ohne finanzielle Mittel war, gelang es seinem Schwager über Prager Bankiers Geld zu beschaffen. 1918 gründete Schönberg den Verein für musikalische Privataufführungen und plante eine ähnliche Organisation auch in Prag. Zwei Jahre später konnte dieses Vorhaben realisiert werden. Schönberg wurde zum Ehrenpräsidenten des Prager Vereins ernannt, Zemlinsky übernahm den Vorsitz.

1924 leitete Zemlinsky die Uraufführung von Schönbergs Monodram »Erwartung« op. 17 im Rahmen des Prager Musikfestes der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Zwei Monate später erreichte ihn eine unerwartete Nachricht: Schönberg hatte sich knapp ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Mathilde mit Gertrud Kolisch vermählt. Obgleich Schönberg nach überzeugenden Worten suchte, um sich Zemlinskys Freundschaft zu erhalten, ging der enge Kontakt mehr und mehr verloren.

1929 empfahl Schönberg, der einer Meisterklasse für Komposition an der Preussischen Akademie der Künste in Berlin vorstand, Zemlinsky für die Mitgliedschaft an der Akademie und gab ihm damit einen Beweis seiner künstlerischen Hochschätzung. 1933 emigrierte Schönberg in die USA, Ende 1938 folgte Alexander Zemlinsky. In New York kam es vor dessen Tod im Jahr 1942 nur mehr zu einer einzigen Begegnung zwischen den beiden Weggefährten.

 

Seitenanfang
Home >  Ausstellungen > Arnold Schönberg Center > Schönberg, Mahler, Zemlinsky, Schreker > Schönberg – Zemlinsky