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Mittwoch, 7. November 2007, 19.30 Uhr
Wiener Akademie des Exils – Buchpräsentation
Fluchten – Wege des Überlebens
Lida Winiewicz: „Die Kinder gehen in die Oper“ (Amalthea)
Einführung: Dr. Sandra Wiesinger-Stock (Wien)
Dr. Irene Nawrocka (Wien) im Gespräch mit der Autorin
Lida Winiewicz liest aus ihrem neuen Roman
Anschließend sind alle herzlich zu einem Glas Wein eingeladen.
Zwei Kinder ohne Eltern, während des Kriegs, in Wien. Verdunkelung, Feind im Anflug, Verschüttete, Kraft durch Freude, Blut und Ehre, stolze Trauer, die Hakenkreuzfahne am Rathaus, das Fallbeil im Landesgericht. Die Mutter verstorben, der Vater und seine zweite Frau, von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgt, auf der Flucht. Die Kinder wähnen sie “daheim” in Sicherheit. Die Briefe des Vaters aus dem südfranzösischen Exil, die eindringlich die Geschichte seines Weggehens schildern, erhalten die Mädchen nicht. Und nie gekannt, längst verstorben, eine Großmutter namens Esther. Die Spur führt mitten durchs Leben der beiden Enkelinnen. Sie gehen in die Oper. Die Oper bietet Asyl. Musik und Unwirklichkeit helfen, die Wirklichkeit zu ertragen. Berührend und zugleich humorvoll schildert Lida Winiewicz in gelungener Verschränkung lebensgeschichtlicher und historischer Ebenen in ihrem Roman eine Jugend im Kriegs-Wien und das Leben der Familienmitglieder im Exil.
Lida Winiewicz-Lefèvre, geb. 1928 in Wien, Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie studierte Englisch, Französisch, Italienisch und Gesang. Verfasserin der deutschen Liedtexte der Musicals “Anything Goes” und “Freudiana” sowie zahlreicher Theaterstücke und Filmdrehbücher für den ORF. 1976 wurde sie mit dem Adolf-Grimme-Preis, 1990 mit der Romy ausgezeichnet. Werke (Auswahl): Die Flucht (1965); 38 - Auch das war Wien (1986); Späte Gegend (1989, 1995); Alte Dame, grauer Hund: eine Österreicherin erlebt Amerika, Buch und 2 CDs (2005); Geisterbahn: eine Wiener Weltreise (2006). Ihr Stück “Miami Murder Show” wurde in Österreich 2003 am Volkstheater erstaufgeführt.
Kooperation Österreichische Gesellschaft für Exilforschung (öge), Wiener Vorlesungen, Arnold Schönberg Center und Amalthea Signum Verlag
Ort: Arnold Schönberg Center, Palais Fanto,
A-1030 Wien, Schwarzenbergplatz 6 (Eingang Zaunergasse 1) • Eintritt frei
Vortragsreihe »Wiener Akademie des Exils«

Eine Veranstaltungsreihe der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) und der Wiener Vorlesungen in Zusammenarbeit mit dem Arnold Schönberg Center
Gefördert von der Stadt Wien – Kultur/Wissenschafts- und Forschungsförderung und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Mit Unterstützung von Universität Wien, DÖW, Orpheus Trust, SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien, Literaturhaus Wien, Theodor Kramer Gesellschaft, Verein zur Förderung und Erforschung der antifaschistischen Literatur.
Bis zur Vertreibung aus Hitlerdeutschland hatte sich der Großteil der Juden auf ein Zusammenleben mit der christlichen Bevölkerung eingestellt. Mit der Verfolgung und Vertreibung stellt sich die Frage der Orientierung für die Zukunft. Bieten der Zionismus und der noch nicht gegründete Staat Israel einen Weg? Das deutschsprachige Exil ist auch gekennzeichnet durch komplizierte und heftige Auseinandersetzungen über jüdische Identität und Geschichte. Heimat und Fremde, Zugehörigkeit und Abgrenzung, Integration und Eigenständigkeit sind Erfahrungen, die Diaspora und Exil verbinden; die dadurch entstehenden Spannungsfelder regen zu immer neuen Diskursen und Reflexionen an. Diaspora und Exil sind – in unterschiedlicher Akzentuierung – fester Bestandteil jüdischer Lebenserfahrung und Geschichte. Sie sind verbunden mit Krisen im Sinne von außerordentlichen Entscheidungs- und Wendesituationen und betreffen sowohl materielle und soziale Lebensbedingungen, politische und geistige Orientierungen als auch religiöse, sprachliche und künstlerische Konzepte.
Erste Ergebnisse der Akademie-Abende werden in der Zeitschrift „Zwischenwelt“ und in einem späteren Schritt in der öge-Buchreihe „Exilforschung heute“ veröffentlicht und sollen zu weiteren Forschungen anregen.
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