| Klavierfragmente Einführung In Schönbergs kompositiorischem Œuvre nehmen die Klavierwerke einen relativ schmalen, jedoch gewichtigen Platz ein. So stellen etwa die Drei Klavierstücke op. 11 einen wichtigen Schritt zur Atonalität dar; die Klavierstücke op. 23 und op. 25 hingegen waren Experimentierfeld für die Entwicklung der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen und damit auch die ersten Werke, mit denen diese richtungsweisende Kompositionsmethode publik gemacht wurde. Daß Schönbergs kompositorische Entwicklung alles andere als gradlinig und auf ein Ziel hin ausgerichtet verliefen, belegen die zahlreichen Fragmente für Klavier, die seit 1975 im Kritischen Bericht zur Schönberg-Gesamtausgabe vorliegen und von dem Pianisten Herbert Henck bereits auf CD eingespielt wurden. Die unvollendeten Kompositionen stecken zeitlich den Rahmen von der Jahrhundertwende bis hin zu Schönbergs Emigration 1933 ab und weisen zwischen drei und achtzig Takten auf. Die meisten von ihnen sind undatiert und tragen keinen Titel, viele konnten jedoch in etwa zeitlich eingeordnet werden. Das Fragment Nr. 9, datiert mit März 1918, gehört zu den Stücken, die am genauesten mit Tempi, dynamischen Angaben und Artikulationsangaben versehen sind. In den Nummern 10 und 11, die zehn bzw. zwölf Takte lang sind und beide aus dem Sommer 1920 stammen, gibt es Übereinstimmungen mit dem ersten Stück aus Opus 23, jenem Werk, an dem sich die Entwicklung der Zwölftonkomposition vielleicht am deutlichsten nachvollziehen läßt. Das 26taktige Fragment Nr. 14 ist mit »Sehr rasch - Adagio« bezeichnet und datiert mit Juli 1931. Das dodekaphone Fragment Nr. 15 bricht im 17. Takt ab und wurde an dem Tag begonnen, als Schönberg in Barcelona das Klavierstück op. 33b abgeschlossen hatte (10. Oktober 1931). Es ist Fragment auf zweifacher Ebene: die Noten brechen hier nicht nur ab einem bestimmten Punkt einfach ab, sondern vom dritten Takt an ist nur noch die mit Artikulationszeichen versehene Oberstimme niedergeschrieben worden. Das 16. Fragment ist auf amerikanischem Notenpapier notiert worden, stammt also frühestens vom Herbst 1933; gemeinsam mit den Fragmenten Nr. 15 und 17 wurde es in der Zwölftonmethode komponiert. Schönberg hatte in seiner Jugend die Instrumente Violine und Violoncello erlernt, nicht jedoch das Klavierspiel. Seine Werke sind daher weitgehend frei von traditionellen virtuosen Elementen, sein abstrakter und polyphon komplizierter Klaviersatz hingegen stellt gleichwohl große Ansprüche an den Interpreten. Iris Pfeiffer © Arnold Schönberg Center |
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