Mannesbangen
Richard Dehmel

Du mußt nicht meinen,
ich hätte Furcht vor Dir.
Nur wenn du mit deinen
scheuen Augen Glück begehrst
und mir mit solchen zuckenden Händen
wie mit Dolchen durch die Haare fährst,
und mein Kopf liegt an deinen Lenden:
dann, du Sündrin, beb' ich vor dir.


Richard Dehmels Gedichtsammlung »Weib und Welt«, die 1896 erschien, löste im deutschen Sprachraum teils Begeisterung, teils Ablehnung aus. Schönberg scheint diese Sammlung bald nach ihrem Erscheinen kennengelernt zu haben: 1897 entstand seine erste Dehmel-Vertonung »Mädchenfrühling«, bald danach vermutlich »Mannesbangen«, beide blieben zu Schönbergs Lebzeiten unveröffentlicht. Von den zuvor entstandenen Liedern, hauptsächlich nach Texten von Ludwig Pfau, hebt sich »Mannesbangen« durch die deklamatorische Ausprägung der Singstimme und die - zur Verstärkung wichtiger Worte - funktionelle Einbeziehung dissonierender Vierklänge in den Klaviersatz ab. Das Lied bildet somit einen wichtigen Übergang zu den veröffentlichten Liederzyklen op. 1 bis 3.

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