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Gustav Mahler: Lied von der Erde (1922)
Bearbeitung für kleines Ensemble von Arnold Schönberg, fertiggestellt
von Rainer Riehn
Einführung
Im Spätsommer 1907 begann Gustav Mahler in Toblach am Wörtersee mit der
Vertonung von exotischer Lyrik aus der von Hans Bethge herausgegebenen
Anthologie "Die chinesische Flöte". In Mahlers zyklischer Konzeption der
"Symphonie für eine Tenor- und Alt- (oder Bariton-)Stimme und Orchester"
unter dem Titel "Das Lied von der Erde" nimmt der Schlußgesang "Abschied"
als Textneuschöpfung Mahlers - er kombiniert zwei Gedichte verschiedener
Autoren mit eigenen Verszeilen - in der Verbindung von rezitativischen
und ariosen Elementen und der gattungsübergreifenden Formanlage eine Mittelposition
ein. Für die Konzerte des "Vereins für musikalische Privataufführungen"
bearbeitete Arnold Schönberg neben Strauß-Walzern seine Orchesterstücke
op. 16 sowie die "Lieder eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler.
Sämtliche weiteren Bearbeitungen wurden Schülern übertragen, so etwa das
von Schönberg begonnene Arrangement von Mahlers "Lied von der Erde". Mit
der Komplettierung, die schließlich aufgrund der finanziellen Situation
des "Vereins" nicht mehr unternommen werden konnte, wurde ursprünglich
Anton Webern beauftragt. Erst Anfang der achtziger Jahre setzte Rainer
Riehn für ein Toblacher Mahler-Festival Schönbergs Arbeit am "Lied von
der Erde" fort. An der vorgegebenen Besetzung änderte Riehn mit Ausnahme
der - fakultativen - Hinzufügung einer Celesta für den Schluß des "Abschieds"
sowie des Verzichtes auf eine 3. Violine nichts. Die Uraufführung des
Mahler-Schönberg-Riehn-Projektes fand im Juli 1983 statt. "Schönbergs
Ambition [...] zielte vorab nicht auf eine ‚neue Deutung', sondern auf
den demütig respektvollen, jedoch überaus schwierigen technischen Versuch,
den Originalklang mit unvergleichlich ökonomischeren, ja drastisch reduzierten
Mitteln ohne Verlust zu retten. Daß ihm dies in geradezu unglaublichem
Maße gelang, macht seine Bearbeitung zu einem Meisterwerk eigener Art,
das gerade wegen seiner Pietät dem Original gegenüber in eine neue Qualität
umschlägt: die kompositorische Struktur und Melodieführung insgesamt,
wie auch viele instrumentale Details, die im weicheren Orchesterklang
aufgesogen werden, dazu bestimmte Charakteristika [...] treten deutlicher
zu Tage; die einzelne Linienführung wird durchgehend schärfer, holzschnittartiger
- ja, es wer-den größtenteils erst wieder Teillinien, die im großen Orchester
durchbrochen, von Instrument zu Instrument springend gesetzt sind, zu
einer gemeinsamen Linie zusammengefügt." (R. Riehn)
© Arnold Schönberg Center
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