Vier deutsche Volkslieder für Gesang und Klavier gesetzt

Brief Arnold Schönbergs an Carl Lütge, Berlin vom 4.II.1929 (Lütge dürfte den Briefwechsel seitens der »Staatlichen Kommission für das Volksliederbuch für die Jugend« mit Schönberg geführt haben):

»Sehr geehrter Herr, ich sende Ihnen als rekommandierten Brief vier mit Klavierbegleitung versehene Lieder. Leider kam Ihre Antwort als ich bereits fast alles fertig hatte, so daß ich von den Möglichkeiten anderer Takteinteilung keinen Gebrauch mehr machen konnte. Allerdings habe ich nun meine Bearbeitung so eingerichtet, daß sie auch für den Takt paßt, den ich für richtig halte, so daß daraus kein Schade für das Ganze entsteht. Etwas dunkel ist mir der Weg, auf dem man zu der mir vorgelegten Takteinteilung gelangt ist, da meines Erachtens die originale ohneweiters in die Augen springt: sowohl nach der Motivverarbeitung als auch (und insbesondere!) nach kontrapunktischen Rücksichten. Ich habe mir die Mühe, den Text vollständig abzuschreiben, erspart: der Stecher kann ja sehr gut meine Vorlage hiezu benützen.
Von einem der Stücke hatte ich noch die Vorlage, die Sie mir für die chorischen Bearbeitungen zur Verfügung gestellt hatten. Schade nur, daß dieses Stück, welches ich (in Variationsform: jede der sechs Strophen in einer ganz neuen Bearbeitung) fast fertig hatte, nun doch nicht hinein kommt. Allerdings: fast fertig...ein paar Tage hätte ich ja doch noch daran gearbeitet! [...] Noch etwas: da diese Stücke in Kirchentonarten stehen, habe ich sie nicht auf moderne Art mit Vorzeichen am Rande versehen. Ich habe allerdings keine reine Kirchentonart angestrebt, sondern das Spiel mit den verschiedenen Akzidenzien nur als färbend angewendet. Trotzdem aber würde ich es für richtig halten, die Stücke mit der alten Art der Tonartsbezeichnung abzudrucken, weil ja die Melodie sowohl, als auch die Harmonie nur so verstanden werden können. NB: ich halte die Lieder nicht für Volkslieder, sondern für Kunstlieder. [...]«

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