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Arnold Schönberg: Zwei Balladen für Gesang und Klavier
op. 12 (1907)
Einführung
Der Berliner Verlag August Scherl veranstaltete 1906 in seiner Zeitschrift
»Die Woche« ein Preisausschreiben für Balladendichtungen,
an dem sich unter anderen Hermann Löns, Otto Ernst und Max Geißler beteiligten.
In der Weihnachtsnummer vom 22. Dezember 1906 wurde für die unter dem
Titel »Neuer deutscher Balladenschatz« veröffentlichten Einsendungen
ein Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Wahrscheinlich aus diesem Anlaß
vertonte Schönberg »Jane Grey« nach einem Text von Heinrich
Ammann und »Der verlorene Haufen« nach Victor Klemperer: erfolglos,
denn die mit tausend bis dreitausend Mark dotierten Preise gingen an Hans
Hermann, Heinrich Eckl und Gustav Lazarus und auch unter den in der nächsten
Sondernummer der »Woche« publizierten elf weiteren Kompositionen
scheint op. 12 nicht auf. Schönbergs Vertonung eines dritten Textes aus
der Anthologie, »Jeduch« von Hermann Löns, blieb Fragment.
Alle drei Werke wurden zwischen März und April 1907 komponiert, op. 12
Nr. 1 trägt als Enddatum den 28. April. Im »Rückblick" (1949) betrachtete
Schönberg die Balladen als »unmittelbare Vorläufer des Zweiten Streichquartetts«,
welches den Übergang zu seiner atonalen Periode markierte. Harmonisch
nimmt op. 12 eine Mittelposition zwischen dem (noch)tonalen »Jane
Grey« basiert auf d-Moll und den verwandten Tonarten b-Moll / B-Dur
/ a-Moll und dem expressionistischen Stil ein, ist somit dem zeitlich
parallel disponierten ersten Satz aus op. 10 vergleichbar.
Neben einer weitgehend gefestigten, wenngleich unkonventionellen Harmonik
präsentiert sich der Rhythmus, wie bereits in den früheren Liedern »Warnung«
op. 3 Nr. 3 und »Am Wegrand« op. 6 Nr. 6, als strukturgebendes
Element von »Jane Grey«. Das eintaktige rhythmische Grundmotiv
erscheint im Vorspiel sowie am Beginn der ersten Strophe (»Sie führten
ihn«) und wird gemessen an der dramatischen Progression im Sinne
der ‚entwickelnden Variation' in den Folgestrophen ausformuliert, etwa
am semantischen Höhepunkt der Ballade (»dann eilte nach in die Ewigkeit«)
in der Überlagerung mit einem dramatisierenden Exekutionsmotiv oder dem
Wechsel zum Vierer- zum Dreiermetrum im Epilog (»Und wenn der Wind
in den Blättern spielt«) als Überblendung in die Gegenwart.
Therese Muxeneder
© Arnold Schönberg Center
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