Arnold Schönberg: Zwei Lieder für Gesang und Klavier op. 14 (1907–1908)
Einführung

»Daß ich der erste war, der den entscheidenden Schritt wagte, gilt wohl nicht allgemein als ein Verdienst – was ich bedaure, aber ignorieren muß. Dieser erste Schritt erfolgte in den Zwei Gesängen op. 14 [...].«
Die Lieder op. 14 sind eines der ersten Werke, die der »atonalen Phase« Schönbergs angehören. Die beiden Verse »Ich darf nicht dankend« von Stefan George entstammen dem Kapitel »Das Jahr der Seele« aus dem Buch »Waller im Schnee« von 1897. Mit dem »du« der Gedichte ist Ida Coblenz, die George im Jahr 1893 kennen und lieben gelernt hatte, gemeint; ihr schenkte George die Reinschrift von »Das Jahr der Seele«. Bald darauf heiratete Ida Coblenz jedoch zu Georges Enttäuschung den Rivalen Richard Dehmel, George forderte daraufhin von ihr das Manuskript zurück und verbrannte es.
Wenn Schönberg auch von diesem autobiographischen Hintergrund der Gedichte nichts wissen konnte, so deutet vielleicht Schönbergs Wahl des Gedichtes auf die Gefühle zu seiner Frau Mathilde hin. Die Vertonungen der beiden Wintergedichte entstanden zu Beginn des Jahres 1908, im Winter vor dem Ausbruch des Dreieck-Konflikts zwischen dem Maler Richard Gerstl, Mathilde Schönberg und dem Komponisten, der mit der Rückkehr Mathildes zu Schönberg und dem Selbstmord Gerstls endete.
Das Lied »Winterweihe« nach dem Text von Georg Henckel wurde möglicherweise von der 1904 veröffentlichten Vertonung desselben Textes durch Richard Strauss inspiriert, denn die Textvorlage befindet sich – im Gegensatz zu zahlreichen Gedichtbänden von Richard Dehmel und Stefan George – nicht in der Bibliothek Schönbergs.

Iris Pfeiffer
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