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»Die Glückliche Hand« Drama mit Musik op. 18
Text von Arnold Schönberg
Erstpublikation in der österreichischen Musikzeitschrift »Der Merker«,
2. Jg., Heft 17, Juni 1911
Personen:
Ein Mann
Ein Weib
Ein Herr
Sechs Frauen
Sechs Männer
I. Bild
(Links und rechts vom Zuschauer.)
Die Bühne ist fast ganz finster. Vorn liegt der Mann, das Gesicht am Boden.
Auf seinem Rücken sitzt ein katzenartiges Fabeltier (Hyäne mit fledermausartigen
großen Flügeln), das sich in seinen Nacken verbissen zu haben scheint.
Der Bühnenausschnitt ist sehr klein, ein wenig rund (ein flacher Bogen).
Der Hintergrund wird durch dunkelvioletten Samt abgeschlossen. In dem
sind kleine Luken, aus denen grün beleuchtete Gesichter schauen: sechs
Männer, sechs Frauen. Die Beleuchtung sehr schwach. Von den Gesichtern
sieht man fast nur die Augen deutlich. Alles übrige ist mit zart rötlichen
Schleiern verhüllt, die aber von dem grünen Licht ebenfalls etwas erhellt
werden.
Die sechs Männer und die sechs Frauen (Sehr leise gesprochen, mit tiefstem
Mitleid):
Still, o schweige; Ruheloser! – Du weißt es ja; du wußtest es ja; und
trotzdem bist du blind? Kannst du nicht endlich Ruhe finden? So oft schon!
Und immer wieder? Du weißt, es ist immer wieder das Gleiche. Immer wieder
das gleiche Ende. Mußt du dich immer wieder hineinstürzen? Willst du nicht
endlich glauben? Glaub der Wirklichkeit; sie ist so; so ist sie und nicht
anders. Immer wieder glaubst du dem Traum; immer wieder hängst du deine
Sehnsucht ans Unerfüllbare; ans Unerfüllbare; immer wieder überläßt du
dich den Lockungen deiner Sinne; die das Weltall durchstreifen, die unirdisch
sind, aber irdisches Glück ersehnen! Irdisches Glück! Du Armer! – Irdisches
Glück! – Du, der das überirdische in dir hast, sehnst dich nach dem irdischen!
Und kannst nicht bestehn! Du Armer!
Sie verschwinden (die Luken werden finster); auch das Fabeltier verschwindet.
Es bleibt eine Weile alles still und bewegungslos. Dann senken sich langsam
schwarze Schatten (Schleier) auf den Mann. Plötzlich erklingt hinter der
Szene laute gemein-lustige Musik, die in einem Jubel der Instrumente ausklingt.
In den Schluß-Akkord der Bühnenmusik hinein schallt grelles, höhnisches
Lachen einer Menschenmenge. Im selben Moment erhebt sich der Mann mit
einem kraftvollen Ruck. Gleichzeitig zerreißen hinten die dunklen Abschlußwände
des Bühnenabteils. Der Mann steht aufrecht da. Er trägt eine schmutzig-braungelbe
Jacke aus kotzenartigem, sehr dickem Stoff. Seine schwarze Hose reicht
auf dem linken Bein nur etwas unter das Knie; von da an hängen Fetzen
herunter. Das Hemd ist halboffen, so daß die Brust zu sehen ist. Die Füße,
ohne Strümpfe, sind mit sehr zerrissenen Schuhen bekleidet: der eine Schuh
ist so zerrissen, daß man den bloßen Fuß sieht, der oben eine große offene
Wunde, wie von einem Nagel herrührend, zeigt. Gesicht und Brust sind von
vielen teils blutigen, teils alten Narben entstellt. Das Haar ist fast
ganz kurz geschoren. Nachdem er sich erhoben hat, bleibt er einen Augenblick
mit gesenktem Kopf stehen, dann sagt er mit tiefer Ergriffenheit:
Mann: Ja; o ja! (gesungen).
Verwandlung
Im selben Augenblick wird die Bühne hell, und zeigt nun folgendes Bild:
II. Bild
Ein etwas größerer Bühnenausschnitt; tiefer und breiter als der erste.
Im Hintergrund eine zartlichtblaue, himmelartige Leinwand. Unten, links,
ganz nahe dem hellbraunen Erdboden ein 1 ½ Meter durchmessender kreisförmiger
Ausschnitt, durch den grelles gelbes Sonnenlicht sich über die Bühne verbreitet.
Keine andere Beleuchtung als diese, aber die muß äußerst intensiv sein.
Die Seitenwände werden durch faltige, herabhängende zart gelbgrüne Tücher
gebildet.
Mann (singt): Das Blühen: o Sehnsucht!
Hinter ihm, links, tritt aus einer Falte der Seitenwand ein jugendliches,
schönes Weib hervor, sie ist in ein zart hellviolettes, hängendes, faltiges
Kleid gehüllt; gelbe und rote Rosen im Haar, zarte Figur. Der Mann erschauert
(ohne sich umzusehen). Das Weib bleibt nach einigen kleinen Schritten
etwa im Viertel der Bühnenbreite stehen und schaut mit unsäglich mitleidsvollem
Ausdruck den Mann an.
Mann: O du! Du Gute! Wie schön du bist! Wie wohl es tut, dich zu sehen,
mit dir zu sprechen, dir zuzuhören! Wie du lächelst! Wie deine Augen lachen!
Deine schöne Seele!
Das Weib nimmt einen Becher in die rechte Hand und bietet, indem sie den
rechten Arm vorstreckt (an welchem bis zum Handgelenk die Flügel ihres
Kleides hängen), ihn dem Mann. Auf den Becher fällt von oben violettes
Licht. Pause, die Entzücken ausdrückt. Plötzlich hat der Mann den Becher
in der Hand, ohne daß sich einer von beiden vom Platze gerührt, ohne daß
der Mann sich nach ihr umgesehen hat. (Der Mann darf nie zu ihr hinsehen;
er blickt immer nach vorn, sie steht immer hinter ihm.) Der Mann hält
den Becher in der rechten Hand, den Arm vorstreckend. Betrachtet ihn mit
Entzücken. Dann wird er einen Augenblick tief ernst, fast traurig; sinnt
eine Weile; dann hellen sich seine Mienen wieder auf, und mit einem fröhlichen
Entschluß setzt er den Becher an den Mund und leert ihn langsam. Während
er trinkt, sieht das Weib mit abnehmendem Interesse auf ihn; ein kalter
Zug kommt in ihren Gesichtsausdruck. Sie rafft mit einer wenig schönen
Gebärde ihr Kleid, legt es in andere Falten und läuft unhörbar auf die
andere Seite der Bühne. Bleibt in der Nähe der rechten Seitenwand (immer
hinter ihm) stehen. Der Mann ist während des Trinkens langsam einige Schritte
nach links vorn gegangen, so daß er jetzt ungefähr in der Mitte steht.
Wenn er die Hand mit dem Becher sinken läßt, drückt ihr Gesicht Gleichgültigkeit
aus, über die manchmal ein feindlicher Zug schlüpft. Er steht in tiefem
Sinnen da, aufs äußerste ergriffen; hingerissen.
Mann: Wie schön du bist! Ich bin so glücklich, weil du bei mir bist! Ich
lebe wieder – –
Er streckt beide Arme vor, als ob sie vor ihm stände.
Mann: O du Schöne! – –
Inzwischen hat sie sich langsam abgewendet. Wenn sie sich so weit gedreht
hat, daß sie ganz auf die rechte Seitenwand blickt, nehmen ihre Mienen
einen hellen Ausdruck an. Gleichzeitig erscheint dicht vor der rechten
Seitenwand ein Herr in dunkelgrauem Überzieher, Spazierstock in der Hand,
elegant-modisch gekleidet, vornehm-schöne Figur. Der streckt ihr ein wenig
die Hand entgegen; sie geht lächelnd auf ihn zu; ruhig wie auf einen alten
Bekannten. Er nimmt sie rasch in die Arme und verschwindet mit ihr in
der rechten Seitenwand. Wie sie beginnt, dem Herrn zuzulächeln, wird der
Mann unruhig. Er dreht ruckweise, wie witternd, einige Male den Kopf.
Leicht vorgebeugt. Wie der Herr ihr die Hand entgegenstreckt, erstarrt
des Mannes Linke krampfartig, und wie sie dem Herrn in die Arme eilt,
stöhnt der
Mann: O –
Läuft einige Schritte nach links vorn, wo er in gebrochener Haltung stehen
bleibt. Aber nach einigen Augenblicken kniet das Weib, rasch aus der linken
Seitenwand hervoreilend, vor ihm, zu seinen Füßen. Er bemerkt sie, ohne
hinzusehen (er blickt aufwärts), sofort; sein Gesicht hellt sich auf.
Ihr Gesicht drückt Demut aus, bittet um Verzeihung.
Mann: Du Süße, du Schöne!
Sie erhebt sich langsam, sucht seine linke Hand, um sie zu küssen. Er
kommt ihr zuvor, indem er sich auf die Knie niederläßt und nach ihren
Händen greift, ohne sie aber zu berühren. Wie sie steht und er kniet,
ändert sich ihr Mienenspiel ein wenig und nimmt einen leicht sarkastischen
Zug an. Er blickt selig zu ihr auf, hebt die Hand und berührt leise die
ihre. Während er, den Blick auf seine Hand gerichtet (mit erhobenem Arm),
selig ergriffen kniet, entflieht sie rasch in die linke Seitenwand. Der
Mann achtet nicht darauf, daß sie fort ist. Er hat sie an seiner Hand,
auf die er ununterbrochen hinsieht. Nach einer Weile erhebt er sich mit
kolossaler Kraft, wirft die Arme hoch in die Luft und bleibt auf den Zehenspitzen
riesengroß stehen.
Mann: Nun besitze ich dich für immer!
Verwandlung Es wird ganz finster und sofort wieder hell. Nun ist bei vollständig
ausgenützter Bühnentiefe und -breite folgendes Bild zu sehen:
III. Bild
Wilde Felsenlandschaft; schwärzlichgraue, mit wenigen Nadelbäumen (die
silbergraue Äste haben) bewachsene Felsen. Ungefähr von der Mitte der
Bühnentiefe an sind Felsenpartien aufgebaut, die hier ein kleines Plateau
bilden. Dieses ist von hohen, steilen Felsen (die rechts und links bis
vorne an die Rampe reichen) umschlossen. Das Plateau senkt sich vorne
ein wenig. Etwas rechts von der Mitte der Bühnenbreite stürzt es steil
ab (etwas schräg gestellt). Hier ist eine Schlucht anzudeuten, die zwischen
zwei Felsstücken liegt und deren Rand sichtbar ist. Vor ihr liegt ein
niedrigeres Plateau, das vorn mit dem höheren zusammenhängt. Vor der Schlucht
ragt ein mannsgroßes Felsstück in die Höhe. Hinter dem Plateau (aber höher
als dieses) liegen zwei Grotten, die durch dunkelviolette Stoffe vorläufig
verborgen sind. Die Szene darf nur hinten von oben beleuchtet werden,
so daß die Felsen über die sonst ziemlich helle Bühne Schatten werfen.
Das ganze soll nicht die Nachahmung eines Naturbildes, sondern eine freie
Kombination von Farben und Formen sein. Anfangs fällt (bloß von hinten)
graugrünes Licht auf die Szene. Später, wenn die Grotten beleuchtet werden,
wird von vorn auf die Felsen gelbgrünes und auf die Schlucht dunkelblauviolettes
Licht geworfen.
Sowie die Szene erhellt ist, sieht man den Mann aus der Schlucht heraussteigen
(deren Rand soll deshalb über den Bühnenboden hervorragen). Er steigt
mühelos, obwohl es anscheinend schwierig sein müßte. Er ist so gekleidet
wie im ersten Bild, nur hat er um den Leib einen Strick als Gürtel, an
dem zwei Türkenköpfe hängen, und er hält ein entblößtes, blutiges Schwert
in der Hand. Knapp bevor der Mann oben ist, erhellt sich langsam die eine
der beiden Grotten (links), indem von dunkelviolettem Licht ziemlich rasch
über Braun, Rot, Blau und Grün zu hellem, dünnen Gelb (Zitronengelb) übergegangen
wird. (Nicht sehr hell!) In der Grotte, die ein Mittelding zwischen einer
Mechaniker- und einer Goldschmiedewerkstatt darstellt, sieht man einige
Arbeiter in realistischen Arbeitskostümen an der Arbeit. (Einer feilt,
einer sitzt an der Maschine, einer hämmert usw.) Die Beleuchtung der Grotte
scheint nunmehr hauptsächlich von den über den Arbeitstischen hängenden
Lampen auszugehn (Zwielichtstimmung). In der Mitte steht ein Amboß, neben
diesem liegt ein schwerer eiserner Hammer. Wenn der Mann ganz oben ist,
geht er hinter dem Felsstück vorbei gegen die Mitte zu, bleibt stehen
und betrachtet nachdenkend die Arbeiter. Ein Gedanke scheint in ihm zu
werden; er atmet schwer. Dann wird er heller, freudiger und sagt ruhig
und schlicht:
Mann: Das kann man einfacher!
Geht auf den Amboß zu, läßt den Säbel fallen, hebt ein Stück Gold, das
am Boden liegt, auf, legt es auf den Amboß und ergreift mit der Rechten
den schweren Hammer. Ehe er zum Schlag ausholt, springen die Arbeiter
auf und machen Miene, sich auf ihn zu stürzen. Unterdessen betrachtet
er, als ob er die Drohung nicht bemerkte, seine erhobene linke Hand, deren
Fingerspitzen von oben hellblau beleuchtet werden. Er blickt sie erst
in tiefer Ergriffenheit an, dann strahlend, kraftgeschwellt. Die Bewegungen
der Arbeiter dürfen nicht bis zu jenem Punkt gelangen, daß sie sich wirklich
auf ihn stürzen könnten, sollen aber so weit gehen, daß man ihnen diese
Absicht anmerkt. Ehe sie dazu kommen, hat er mit beiden Händen den Hammer
ergriffen und zu einem gewaltigen Schlage mit leichtem Schwung ausgeholt.
Wie der Hammer niederfällt, erstarren die Gesichter der Arbeiter vor Staunen:
der Amboß ist in der Mitte geborsten, das Gold in den dadurch entstandenen
Spalt gesunken. Der Mann bückt sich und hebt es mit der linken Hand auf.
Hebt es langsam hoch empor. Es ist ein Diadem, reich mit Edelsteinen geschmückt.
Mann (schlicht, ohne Ergriffenheit): So schafft man Schmuck!
Die Mienen der Arbeiter werden wieder drohend; dann verächtlich; sie reden
aufeinander ein und scheinen neuerdings einen Anschlag gegen den Mann
zu planen. Der Mann wirft ihnen lachend das Geschmeide zu. Sie wollen
sich auf ihn stürzen. Er hat sich umgedreht und sieht sie nicht. Bückt
sich, um sein Schwert aufzuheben. Wie er es mit der linken Hand berührt,
wird die Grotte wieder dunkel. Die dunklen Stoffe lassen jede Spur der
Werkstatt verschwinden. Sowie es finster wird, erhebt sich Wind. Erst
schwach säuselnd, dann immer drohender anschwellend. Gleichzeitig mit
diesem Crescendo des Windes geht ein Crescendo der Beleuchtung. Es beginnt
mit schwach rötlichem Licht (von oben aus), das über Braun in ein schmutziges
Grün übergeht. Daraus entwickelt sich ein dunkles Blaugrau, dem Violett
folgt. Dieses spaltet ein intensives Dunkelrot ab, das immer heller und
schreiender wird, indem sich, nachdem es Blutrot erreicht hat, immer mehr
Orange und dann Hellgelb hineinmischt, bis das gelbe schreiende Licht
allein bleibt und von allen Seiten auf die zweite Grotte geworfen wird.
Diese war bei Beginn des Lichtspiels schon geöffnet und macht dieses Crescendo
mit, indem sie (schwächer als die übrige Bühne) von innen heraus nach
der gleichen Skala beleuchtet wird. Nun strahlt sie ebenfalls in gelbem
Licht. Der Mann hat dieses Crescendo des Lichts und des Sturmes so darzustellen,
als ginge beides von ihm aus. Er sieht erst (beim rötlichen Licht) auf
seine Hand; die sinkt dann, sichtlich ermattet, langsam; seine Augen werden
aufgeregt (schmutzig-grünes Licht). Seine Aufregung wächst; die Glieder
spannen sich krampfartig er streckt zitternd beide Arme von sich (Blutrot),
reißt die Augen weit auf und öffnet entsetzt den Mund. Wenn das gelbe
Licht da ist, muß sein Kopf so aussehen, als ob er platzen würde. Der
Mann dreht sich nicht zur Grotte um, sondern sieht nach vom. Wenn es ganz
hell ist, hört der Sturm auf, und das gelbe Licht geht rasch in ein schwach
bläuliches, mildes Licht über. Die Grotte ist in dieser Beleuchtung einen
Augenblick leer, dann hüpft mit schnellen, leichten Schritten das Weib
von links in den Raum. Sie ist wie im zweiten Bild gekleidet, nur fehlt
die linke obere Hälfte ihres Kleides, so daß diese Hälfte des Oberleibes
bis zur Hüfte vollständig nackt ist. Wenn das Weib über die Mitte der
Grotte hinaus ist, bleibt sie stehen und blickt eine Weile suchend um
sich. Dann streckt sie die Arme dem Herrn entgegen, der im gleichen Augenblick
auf der rechten Seite der Grotte sichtbar wird. Er hat das Stück ihres
Kleides, das ihr fehlt, in der rechten Hand und winkt ihr damit. Des Mannes
Verzweiflung nimmt inzwischen immer mehr zu. Er krümmt die Finger zu Krallen,
preßt die Arme an den Leib, biegt die Knie nach vorn aus und beugt den
Oberkörper nach hinten. Wie der Herr mit dem Kleiderfetzen winkt, wirft
er sich mit einem heftigen Ruck herum, fällt auf die Knie, dann auf die
Hände und trachtet, auf allen Vieren in die Grotte zu gelangen, kann aber
nicht hinauf.
Mann (singt): Du – – – du! du bist mein! – –! du warst mein – –! sie war
mein – –!
Er erhebt sich und macht verzweifelte Anstrengungen, zur Grotte hinaufzuklettern.
Es gelingt ihm nicht, denn die Wand ist marmorartig glatt. Wie er singt,
bemerkt ihn der Herr, gibt das aber nur dadurch kund, daß er ruhig den
Blick auf den Mann richtet. Wie dieser dann versucht hinaufzuklettern,
wirft der Herr ihm den Kleiderfetzen mit einer ruhigen, kalten Bewegung
zu und geht mit höchster Gleichgültigkeit, ohne die Miene zu verändern,
ab. Sofort wird die Bühne ganz finster und gleich darauf wieder hell.
Halbhell: fahles grünlich-graues Licht. Die Grotte ist wieder dunkel,
wie zu Anfang. Sowie es hell ist, springt das Weib aus der Grotte auf
das Plateau, um den Kleiderfetzen zu suchen. Sie sieht ihn in der Nähe
des Mannes liegen, eilt hin, nimmt ihn auf und legt ihn um. Der Mann hat,
wie es dunke! wurde, den Kopf an die Wand gelehnt und dem Weib den Rücken
gekehrt. Wie sie den Kleiderfetzen anlegt, dreht er sich um, wirft sich
auf die Knie und singt (flehend):
Mann: Du Schöne – – bleib bei mir – –!
Verwandlung Im Augenblick, in dem der Stein den Mann begräbt, wird es
finster, und die laute Musik und das höhnische Lachen (wie im ersten Bild)
ertönen.
IV. Bild
Es wird sofort wieder hell. Das Bild der ersten Szene: Die sechs Männer
und die sechs Frauen. Deren Gesichter sind nun graublau erleuchtet, das
Fabeltier hat sich wieder in den Nacken des Mannes verbissen, der an derselben
Stelle auf dem Boden liegt, auf die ihn der Stein hingeschleudert hat,
wodurch die Vorstellung verstärkt wird, daß der Stein das Fabeltier ist.
Die sechs Männer und die sechs Frauen (anklagend streng):
Mußtest du’s wieder erleben, was du so oft erlebt? Mußtest du? Kannst
du nicht verzichten? Nicht dich endlich bescheiden? Ist kein Friede in
dir? Noch immer nicht! – – Suchst zu packen, was dir nur entschlüpfen
kann, wenn du’s hältst. Was aber in dir ist und um dich, wo du auch seist.
Fühlst du dich nicht? Hörst du dich nicht? Fassest nur, was du greifst!
Fühlst du nur, was du berührst, deine Wunden erst an deinem Fleisch, deine
Schmerzen erst an deinem Körper? Und suchst dennoch! Und quälst dich!
Und bist ruhelos!
(In das Graublau, das auf die Gesichter fällt, mischt sich etwas Rot.)
Du Armer!
Es wird langsam ganz finster und der Vorhang fällt.
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