Arnold Schönberg: Zwei Gesänge für eine Baritonstimme und Klavier op. 1 (1898)
Einführung

Die beiden – im Manuskript undatierten – Lieder »Dank« und »Abschied« aus den Zwei Gesängen op. 1 entstammen den späten 90er Jahren des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sie wurden 1898 von dem Wiener Sänger Eduard Gärtner bei einem Liederabend aufgeführt. Die stark affektgeladenen Verse schrieb Karl von Levetzow, ein Dichter, dem Schönberg einige Jahre später bei seiner Arbeit am Berliner »Überbrettl« persönlich begegnete.
Die Musik der Lieder bewegt sich in der Brahms'schen Sphäre, die teils deklamierende, teils arios geführte Singstimme wird durch vollgriffige Akkorde und Baßoktaven begleitet. Am Ende des ersten Liedes wird das Klavier fast orchestral – mit Tremoli in beiden Händen - behandelt. Die starken chromatischen Alterationen der Akkorde dagegen verweisen eher auf das Vorbild Wagner, den Schönberg durch seinen Lehrer und späteren Schwager Alexander Zemlinsky schätzen lernte. Charakteristisch für die frühen Lieder sind der leidenschaftliche Gestus und der dynamische Umfang, der im zweiten Lied vom dreifachen piano bis zum fortissimo reicht.

Iris Pfeiffer
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