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Arnold Schönberg: Suite für Klavier op. 25
Einführung
»Das allererste das waren einige Sätze der Suite für Klavier,
die ich im Herbst 1921 komponierte. Hier wurde mir plötzlich die wahre
Bedeutung meines Zieles bewußt: Einheit und Gesetzmäßigkeit.« (Schönberg
an Slonimsky) In der Klaviersuite op. 25 ist zum ersten Mal allen
sechs Sätzen eine einzige Reihe zugrunde gelegt: das im Präludium exponierte
Thema ist damit für die folgenden Sätze in seiner Intervallabfolge verbindlich.
Das Thema gliedert sich in drei viertönige Gruppen: die ersten beiden
schließen mit dem charakteristischen Tritonusintervall ab, die letzte
Gruppe ist der Krebs des in der Musikliteratur so häufig zitierten B-A-C-H-Motivs.
Zudem bilden die Töne 6 bis 8 eine Umkehrung der Töne 3 bis 5.
Über die Verarbeitung der Reihe schreibt Stein im bereits erwähnten Artikel:
»Die einzelnen Motive können als vertikale, als zwei zweistimmige
Akkorde oder, was am Klavier ein bequemer Griff ist, als dreistimmige
mit nach- oder vorschlagendem Ton auftreten, aber auch vierstimmig sind
sie nicht selten. Zu Beginn jedes Stückes werden die drei Gestalten in
ihrer Grundform exponiert, im weiteren Verlauf jedoch oft die Reihenfolge
ihrer Töne vollständig geändert. Die drei Grundgestalten erscheinen fast
immer als Gruppe, so zwar, daß sie einander zur Zwölftonreihe ergänzen.
Dabei kann ihre Anordnung in der Horizontalen die melodische Fortsetzung
des ersten Motivs, in der Vertikalen die Bewegung von Stimmen oder Akkorden
bewirken.« Erst im Februar 1923 gab Schönberg die neu gefundene
Methode seinen Freunden und Schülern preis: anhand seiner neuesten, noch
unveröffentlichten Kompositionen den Fünf Klavierstücken op. 23,
der Serenade op. 24 und der Klaviersuite op. 25 erläuterte er ihnen
in einem Vortrag die Zwölftonmethode.
Die Sitzung wurde von Erwin Stein protokolliert, der daraufhin seinen
erwähnten Artikel verfaßte und damit einer breiteren Schicht von Musikinteressierten
zugänglich machte. Natürlich fehlte es nicht an kritischen Reaktionen,
besonders der Vorwurf des Konstruierens von Musik wurde laut. Schönberg
versuchte daraufhin, seine neue Methode als logische Weiterentwicklung
früherer Musik zu erklären, aus dieser Zeit stammt sein Diktum von »Bach
als erstem Zwölftonkomponisten«. Der Komponist glaubte fest an die
Richtigkeit seiner Methode: »Die Zeit wird kommen, da die Fähigkeit,
thematisches Material aus der Grundreihe von zwölf Tönen abzuleiten, ein
unabdingbares Erfordernis für die Zulassung in die Kompositionsklasse
eines Konservatoriums sein wird.«
Iris Pfeiffer
© Arnold Schönberg Center
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