| Vier Lieder
für eine Singstimme und Klavier op. 2 Texte Erwartung Richard Dehmel Aus dem meergrünen Teiche neben der roten Villa unter der toten Eiche scheint der Mond. Wo ihr dunkles Abbild durch das Wasser greift, steht ein Mann und streift einen Ring von seiner Hand. Drei Opale blinken; durch die bleichen Steine schwimmen rot und grüne Funken und versinken. Und er küßt sie, und seine Augen leuchten wie der meergrüne Grund: ein Fenster tut sich auf. Aus der roten Villa neben der toten Eiche winkt ihm eine bleiche Frauenhand ... Schenk mir deinen goldenen Kamm (Jesus bettelt) Richard Dehmel Schenk mir deinen goldenen Kamm; jeder Morgen soll dich mahnen, daß du mir die Haare küßtest. Schenk mir deinen seidenen Schwamm; jeden Abend will ich ahnen, wem du dich im Bade rüstest oh, Maria, oh, Maria! Schenk mir alles, was du hast; meine Seele ist nicht eitel, stolz empfang ich deinen Segen. Schenk mir deine schwerste Last: willst du nicht auf meinen Scheitel auch dein Herz, dein Herz noch legen Magdalena? Erhebung Richard Dehmel Gib mir nur die Hand, nur den Finger, dann seh ich diesen ganzen Erdkreis als mein Eigen an! Oh, wie blüht mein Land! Sieh dir's doch nur an, daß es mit uns über die Wolken in die Sonne kann! Waldsonne Johannes Schlaf In die braunen, rauschenden Nächte flittert ein Licht herein, grüngolden ein Schein. Blumen blinken auf und Gräser und die singenden, springenden Waldwässerlein und Erinnerungen. Die längst verklungenen: golden erwachen sie wieder, all deine fröhlichen Lieder. Und ich sehe deine goldenen Haare glänzen, und ich sehe deine goldenen Augen glänzen, aus den grünen, raunenden Nächten. Und mir ist, ich läge neben dir auf dem Rasen und hörte dich wieder auf der glitzeblanken Syrinx in die blauen Himmelslüfte blasen. In die braunen, wühlenden Nächte flittert ein Licht, ein goldener Schein. |
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