|
Concerto for Violin and Orchestra op. 36 (19341936)
Einführung
Das Violinkonzert ist eines der ersten größeren Werke, die Schönberg nach
seiner Emigration in die USA in Angriff nahm. Allerdings dokumentieren
lediglich einige Skizzen aus dem Nachlaß, daß der Komponist bereits 1934
die Absicht hegte, ein Instrumentalkonzert zu schreiben. Erst im darauffolgenden
Jahr entstanden nach einer längeren Pause die wesentlichen Teile des Werkes:
der Kopfsatz und (nach dem Abschluß des Vierten Streichquartetts) im Sommer
1936 in rascher Folge die beiden restlichen Sätze. Daß Schönberg schon
früher den Wunsch hatte, ein Geigenkonzert zu schreiben, belegen Skizzen
aus den Jahren 1922 und 1927, die jedoch über Ansätze zu einem größer
angelegten Werk kaum hinausgediehen. Das Violinkonzert bildet Schönbergs
erste Auseinandersetzung mit der Frage nach einer Verbindbarkeit von Sonaten-
und Konzertform im Bereich der Orchestermusik. Einen wesentlichen kompositorischen
Anreiz bildete für den Komponisten offenbar die vermeintliche Unvereinbarkeit
zwischen dem Anspruch an eine dicht gefügte, polyphone Satztechnik und
den traditionellen Zugeständnissen an die wirkungsvoll-brillante Virtuosität
des Soloparts. Jeder Satzbeginn ist durch Überlagerung zweier Reihenkonstellationen
geprägt, als eine Kombination aus Originalreihe und Umkehrung, jeweils
untransponiert oder quinttransponiert. Jedesmal wird auch die der Hauptstimme
zugrunde liegende Reihenkonstellation zunächst horizontal formuliert.
Innerhalb des Satzverlaufes läßt sich die Reihentechnik nicht systematisieren
und weist zahlreiche Unregelmäßigkeiten in der Interpretation der strengen
Methodik auf. Schönberg bestimmte für sein Konzert zwar einen »klassisch«
dreisätzigen Formaufbau, dennoch entspricht zum Beispiel die Reprise des
Kopfsatzes kaum mehr den Ausmaßen der Exposition und wird von einer Durchführungsarbeit
überformt, die sich nahezu bis zum Ende des Satzes ausdehnt. Die virtuose
Gestaltung der Geigenstimme erweist sich innerhalb einer solchen Satzanlage
schließlich gänzlich von der thematischen Arbeit aufgesogen, wird durch
diese zugleich aber auch eigentümlich verfremdet. Die »Strenge mit knirschendem
Prunk« (Rudolf Stephan), die dieses Werk auszeichnet, scheint sich in
der motivisch-thematischen Anlage bisweilen gegen das Instrument und seine
Spielbarkeit zu richten: Das dichte thematische Geflecht scheut nicht
vor extremen klanglichen Härten zurück, die sich mitunter in der Nähe
zur puren Geräuschhaftigkeit bewegen. Louis Krasner, der Solist der Uraufführung,
berichtete Schönberg von der Einstudierung des Werks: »In der heutigen
Probe war Stokowski sehr befriedigt und hat gesagt, wie stark emotional
das Werk ist. Lieber Meister - was Sie mit diesem Konzert den Geigern
geboten haben, ist wirklich kaum zu ermessen«.
© Arnold Schönberg Center
|