|
Wendepunkt (Melodram) Programmtext zur II. Kammersymphonie op. 38 von Arnold Schönberg Auf diesem Weg weiterzugehen war nicht möglich. Ein Lichtstrahl hatte eine Trauer sowohl allgemeiner, als auch besonderer Natur erhellt. Abhängend nicht nur von ihrer Konstitution, sondern auch von den Launen äußerer Zufälle, kann eine Seele gegen den Glücksfall sich sowenig unempfindlich verhalten, wie vorher gegen das Unglück. In plötzlichem Umschlag antwortet sie mit fröhlichem Behagen, erhebt sich dann mit mächtigem Aufschwung, träumt von seligen Erfüllungen, sieht sich als Sieger, stürmt weiter, fühlt ihre Kraft immer mehr wachsen, und sammelt, im Wahn eine Welt besitzen zu können, die sie schon für die ihre hält, alles was in ihrer Fähigkeit liegt, um in einem mächtigen Anlauf eine überirdische Höhe zu erreichen. Was notwendigerweise geschehen müßte, besorgt der Zufall: wie die angesammelte Kraft ausbrechen soll, versagt sie; ein kleines aber hinterlistiges Ereignis – ein Stäubchen im Uhrwerk – ist imstande, sie an ihrer Entfaltung zu hindern. Dem Zusammenbruch folgt Verzweiflung, danach die Trauer. Sie ist erst besondrer, dann auch allgemeiner Natur. Vom äußeren Ereignis ausgehend glaubt die Seele den Grund zuerst in diesem zu finden, sucht ihn dann in ihrer Konstitution. Das ist die eigentliche Vollendung des Zusammenbruchs. Aber das bedeutet kein Ende; ist im Gegenteil ein Anfang; ein neuer Weg zum Heil zeigt sich, der einzige, der ewige. Ihn zu finden war der Zweck des vorherigen Erlebens. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||

| Home > |
|
|