Sechs Lieder für eine mittlere Singstimme und Klavier op. 3
Texte

Wie Georg von Frundsberg von sich selber sang
aus „Des Knaben Wunderhorn“

Mein Fleiß und Müh
hab ich nie gespart
und allzeit gewahrt
dem Herren mein;
zum Besten sein
schickt ich mich drein,
Gnad, Gunst verhofft,
doch’s Gemüt zu Hof
verkehrt sich oft.

Wer sich zukauft,
der lauft weit vor
und kömmt empor,
doch wer lang Zeit
nach Ehren streit,
muß dannen weit,
das sehr mich kränkt,
mein treuer Dienst
bleibt unerkennt.

Kein Dank noch Lohn
davon ich bring,
man wiegt g’ring
und hat mein gar vergessen.
Zwar, groß Not, Gefahr,
ich bestanden han,
was Freude soll ich haben dran?


Die Aufgeregten
Gottfried Keller

Welche tiefbewegten Lebensläufchen,
welche Leidenschaft,
welch wilder Schmerz!
Eine Bachwelle und ein Sandhäufchen
brachen gegenseitig sich das Herz!

Eine Biene summte hohl und stieß
ihren Stachel in ein Rosendüftchen,
und ein holder Schmetterling zerriß
den azurnen Frack
im Sturm der Maienlüftchen!

Und die Blume schloß ihr Heiligtümchen
sterbend über dem verspritzten Tau!
Welche tiefbewegten Lebensläufchen,
welche Leidenschaft,
welch wilder Schmerz!


Warnung
Richard Dehmel

Mein Hund, du, hat dich bloß beknurrt,
und ich hab ihn vergiftet;
und ich hasse jeden Menschen,
der Zwietracht stiftet.

Zwei blutrote Nelken schick' ich dir,
mein Blut du,
an der einen eine Knospe;
den dreien sei gut, du,
bis ich komme.

Ich komme heute Nacht noch,
sei allein, du!
Gestern, als ich ankam,
starrtest du mit jemand ins Abendrot hinein!
Du: Denk an meinen Hund!


Hochzeitslied
Jens Peter Jacobsen

So voll und reich wand noch
das Leben nimmer
euch seinen Kranz,
und auf den Trauben spielt
in kühnem Schimmer
der Hoffnung Glanz.
Im Laube welch ein Glüh’n
des farbigen Saftes,
und wie die Töne klar zusammenfließen!
Ergreift das alles, schafft es,
erlebt es im Genießen!

Der Jugend Allmacht kocht in eures Blutes
feuriger Kraft,
nach Taten drängt, nach Schöpfung freien Mutes
der frische Saft.
So spannt denn eurer Welt tollkühne Bogen,
die schlanken Säulen hebt zum Himmelszelt;
füllt mit des Herzens Flammenwogen
die neue Welt!


Geübtes Herz
Gottfried Keller

Weise nicht von dir mein schlichtes Herz,
weil es schon so viel geliebet!
Einer Geige gleicht es, die geübet
lang ein Meister unter Lust und Schmerz.

Und je länger er darauf gespielt,
stieg ihr Wert zum höchsten Preise;
denn sie tönt mit sichrer Kraft die Weise,
die ein Kund’ger ihren Saiten stiehlt.

Also spielte manche Meisterin
in mein Herz die rechte Seele.
Nun ist’s wert, daß man es dir empfehle,
lasse nicht den köstlichen Gewinn!


Freihold
Hermann Lingg

Soviel Raben nachts auffliegen,
soviel Feinde sind auf mich,
soviel Herz an Herz sich schmiegen,
soviel Herzen fliehen mich. I

ch steh allein, ja ganz allein,
wie am Weg der dunkle Stein.
Doch der Stein, er gilt als Marke,
wachend über Menschentun:
daß dem Schwachen auch der Starke
laß das Seine sicher ruh’n.

Wind und Regen trotzt der Stein,
unzerstörbar und allein.
Wohl, so will auch ich vollenden
Unrecht dämmen, bis es bricht.
Mag sein Gift der Neid verschwenden,
mich erlegt er nicht;
Blitze, schreibet auf den Stein:
»Wer will frei sein, geh’ allein!«
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