| Ode an Napoleon
Buonaparte op. 41 Lord Byron (Deutsche Fassung von Arnold Schönberg) Vorbei! – Noch gestern Fürst und groß, den Fürsten sah’n mit Beben – und heut ein Wesen namenlos, entehrt, doch noch am Leben. Ist das der Herr von tausend Reichen der alle Welt besät mit Leichen? Und mag er’s überleben? Wie fiel der stolze Morgenstern! Kein Geist noch fiel so tief, so fern! Was schlugst, Tyrann, du dein Gesind das dir erstarb in Flehen? Dich selbst anstaunend wardst du blind, doch machtest andre sehen. Mit Macht zu segnen reich gerüstet, hast deren Leben du verwüstet, die huld’gend dich umstehen, bis erst dein Fall dem Blick der Welt das Nichts der Ehrfurcht bloßgestellt. Dank für die Lehre! – Mehr wird sie der Zukunft Krieger lehren als je vermocht Philosophie mit Beten und Bekehren. Der Zauber, der die Menschengeister gebannt hielt, nimmer wird er Meister; nicht werden sie verehren im Staub den Götzen auf dem Thron, des Stirn von Erz, des Fuß von Ton. Triumphes Prunk und Prahlerei, des Krieges wild Entzücken, ein welterschütternd’ Siegesschrei für deine Brust Erquicken. – Das Schwert, der Szepter, dem zu dienen die Völker nur geschaffen schienen, wo ist das nun? – In Stücken ging alles, Dämon, und zur Qual blieb dir nur der Erinnerung Mal. Der Vernichter jetzt vernichtet! Der Sieger ist geschlagen! Der andern streng ihr Los gerichtet, muß seines bang erfragen. Nimmt ruhig seinen Sturz er hin weil er noch Hilf’ erhofft von Wien? Oder ists schlichte Todesangst? Tod wählt der Fürst – das Leben der Knecht – dir ist der Mut zur Niedrigkeit recht! Gespaltnen Baumes Rückpralls Kraft hat Milo nicht erwogen; geklemmt, sein Widerstand erschlafft, sein Mut hat ihn betrogen. Gestützt auf deines Heeres Macht hast Haß und Zwiespalt du entfacht; hast härt’res Los gezogen: Ein Wolf rasch endet Milos Leid doch dich frißt langsam auf dein Neid. Der Römer, wenn sein Haß gestillt, in Blut gelöscht sein Groll, wirft hin die Macht, die ihm nichts gilt, barbarisch, hoheitsvoll, zieht ab, verachtend offen Knechte, die er beraubt der Bürgerrechte— zahlt so der Feigheit Zoll. Moralisch doch sei er geschätzt, der zwangfrei Macht durch Recht ersetzt. Der Spanier, als der Krone Glanz den Zauber ihm verloren, birgt – in der Hand den Rosenkranz – sich hinter Kloster Toren. Der Paternoster Zahl zu wissen, des Worts Bedeutung nicht zu missen, hat kindisch er erkoren. Was er gesündigt als Despot, Gebet entsühn, da Hölle droht. Doch du – der Blitzstrahl dir entwunden, zu spät du widerstrebst; Gewalt und Herrschaft sind entschwunden dran du in Schwachheit klebst. Obwohl ein Teufel den man haßt, zeugt Gram dein Sturz, ja Mitleid fast seit angstverzerrt du bebst. Bedenkt, ihm war die Gotteswelt nur Sprungbrett das ihn hochgeschnellt. Die Welt vergoß ihr Blut für ihn der so konnt seines schonen, Monarchen lagen auf den Knien und dankten ihm für Kronen. O Freiheit, laß dich hoch verehren, wenn so gebückt zum Staub sich kehren, die sonst mit Haß dir lohnen. Nicht finde bessern Ruhm fortan die Welt zu blenden, ein Tyrann. Geschrieben steht in Blut dein Tun, und nicht umsonst! Es decken all deine prächtigen Siege nun nicht mehr die blut’gen Flecken. Starbst du wie Ehre stirbt, es käm’ dir gleich, ein zweiter und beschäm’ die Welt mit neuen Schrecken. Doch wer erklimmt die Sonnenhöh’, daß er in Nacht, wie du, vergeh’? Der Helden Staub zeigt in der Wage mit Lehm denselben Preis. Gerecht, am Ende ihrer Tage, der Tod nur ein Maß weiß. Doch sollten Große, die noch leben, beseelten Feuers Funken geben, die weder grell noch heiß. Doch bleiben Welterob’rer greulich – nicht macht Verachtung sie erfreulich. Und sie, die Blume Austrias dein Weib, des Kaisers Sproß: dein Elend, – sag: wie trägt sie das? Ist sie noch dein Genoß? Teilt sie die hoffnungslose Reue, beugt sie dem Schicksal sich in Treue du mördrischer Koloß? Liebt noch sie dich? Ein Restchen Glück ließ dir ein gnädiges Geschick! Auf deiner Insel laß dich nieder, das Meer starr haßvoll an, daß lächelnd, höhnisch es erwider: »Nie herrschst du hier, Tyrann!« Zum Zeitbertreib schreib auf den Sand, daß wie das Meer, ist frei das Land, erlöst von deinem Bann: daß dir gebühr des Titels Ehre: Korinths Schulmeister, Kinder-Lehre. Was, Timur, den du mit dir führst in engem Käfigs Pein, was dachte dein gefangner Fürst, wenn nicht »Die Welt war mein!« Ging dir nicht mit dem Herrscherstabe Vernunft, wie Babels Herrn zu Grabe, nicht lang schließt du dich ein. Dein Hang zu tun was dich vergnügt mißachtet was die Nachwelt rügt. Sprichts du, wie einst Prometeus’ Kraft, noch Hohn dem Donnergotte? Bleibst ungebeugt in Geiers Haft in öder Felsengrotte? Verdammt von Gott, von Menschen allen verflucht bist du zuletzt verfallen des Erzfeinds wildem Spotte. Sein Mut im Falle selbst nicht schmolz, wär sterblich er, er stürb mit Mut und Stolz. Als Frankreich war das Maß der Welt, sein Meister du, hoch zwar, doch noch nicht höchst gestellt – bliebst du Konsul, statt Cäsar, hättst edlern Ruhmes Tat vollbracht, als zuschreibt dir Marengos Schlacht. Vergoldet wär sogar dein Sturz im Zwielicht der Geschichte: Untat verbleicht in ihrem Lichte. Doch Kaiser mußt du sein durchaus, den Purpur mußt du tragen – als tilgt dies närrisch Kleid den Graus, erstickt Gewissens Plagen. Der Tand von längst verblichner Tracht, mit Stern und Schnur und Fransenpracht – wer wird danach noch fragen? Du, eitler Herrschsucht trotzges Kind, des Spielzeug raubt ein rauher Wind. Wo mag ein müdes Auge finden erhab’ner Größe Bild, nicht bergend bill’gen Ruhmes Sünden: ein unbefleckter Schild! Ein Cincinnatus der Neuen Welt, ihr größter, hehrster, reinster Held hat diesen Wunsch erfüllt, den Namen Washington vermacht der Menschheit, der er Freiheit bracht’. |
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