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Sechs Orchesterlieder op. 8
Texte
Natur
Heinrich Hart
Nacht fließt in Tag und Tag in Nacht,
der Bach zum Strom, der Strom zum Meer
in Tod zerrinnt des Lebens Pracht,
und Tod zeugt Leben licht und hehr.
Und jeder Geist, der brünstig strebt,
dringt wie ein Quell in alle Welt,
was du erlebst, hab ich erlebt,
was mich erhellt, hat dich erhellt.
All sind wir eines Baums Getrieb,
ob Ast, ob Zweig, ob Mark, ob Blatt
gleich hat Natur uns alle lieb,
sie, unser aller Ruhestatt.
Das Wappenschild
Fliegendes Blatt aus »Des Knaben Wunderhorn«
Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde,
zeigt eure ganze Tyrannei,
zerbrecht, zerschlagt so Zweig als Rinde
und werft den Hoffnungsbaum entzwei;
dies Hagelwetter
trifft Stamm und Blätter,
die Wurzel bleibt,
bis Sturm und Regen ihr Wüten legen,
daß sie von neuem grünt
und Äste treibt.
Mein Herz gibt keinem Diamanten,
mein Geist der Eiche wenig nach;
wenn Erd und Himmel mich verbannten,
so trotz ich doch dem Ungemach;
weicht, falsche Freunde,
schlagt, bittre Feinde,
mein Heldenmut ist nicht zu dämpfen;
drum will ich kämpfen
und sehn, was die Geduld für Wunder tut.
Die Liebe schenkt aus goldnen Schalen
mir einen Wein zur Tapferkeit,
verspricht mir guten Sold zu zahlen
und führt mich mutig in den Streit;
da will ich siegen,
hier will ich kriegen;
ein grünes Feld dient meinem Schilde
zum Wappenbilde,
allwo ein Palmenbaum zwei Anker hält.
Sehnsucht
aus »Des Knaben Wunderhorn«
Schwer, langweilig ist mir mein Zeit,
seit ich mich täte scheiden
von dir, mein Schatz und höchste Freud,
ich merk, daß ich muß leiden,
ach weh der Frist, zu lang sie ist,
wird mir zu lang in Schmerzen,
daß ich oft klag, es scheint kein Tag,
des wird gedacht im Herzen.
Nie ward ich, Herrin, müd
Petrarca
Nie ward ich, Herrin müd, um Euch zu minnen,
noch werd ichs sein, weil ich am Leben bleibe;
vom eignen Haß nun doch ans Land ich treibe,
und kraftlos macht der Tränen endlos Rinnen.
Will lieber mir ein schön, weiß Grab gewinnen,
als daß zur Schmach man Euren Namen schreibe
auf Marmor mir, trennt sich mein Geist vom Leibe,
der wohl nunmehr ihm länger wohnet innen.
Drum, kann ein Herz, in Lieb und Treu erfahren,
Euch, ohn ihm Qualen zu bereiten, gnügen,
laßt diesem Euren Gnade widerfahren!
Meint Euer Zorn auf andre Art zu siegen,
er irrt, und wird nie, was er denkt, gewahren;
das dank, o Lieb, ich mir und deinem Fügen!
Voll jener Süße
Petrarca
Voll jener Süße, die, nicht auszudrücken,
vom schönen Angesicht mein Aug empfangen
am Tag, wo lieber blind ich wär gegangen,
um nimmer kleinre Schönheit zu erblicken,
ließ ich, was mir das Liebst; und mit Entzücken
ist ganz in ihr des Geistes Blick befangen,
der, was nicht sie ist, wie aus einer langen
Gewohnheit haßt und ansieht mit dem Rücken.
In einem Tale, rings umher verschlossen,
das meinen müden Seufzern Kühlung spendet,
kam langsam, liebesinnend ich zur Stelle.
Da sah ich Frauen nicht, doch Fels und Quelle
und jenes Tages Bild, das unverdrossen
mein Geist mir malt, wohin mein Blick sich wendet.
Wenn Vöglein klagen
Petrarca
Wenn Vöglein klagen und in grünen Zweigen
mit lindem Säuseln Sommerlüftchen beben,
wenn dumpfen Murmelns lichte Wellen steigen
und um beblümte, frische Ufer weben,
sitz ich und schreib, in Liebe hingegeben,
und, die der Himmel uns geruht zu zeigen,
die Erde barg, seh ich dann noch am Leben
und fernher meinen Seufzern hold sich neigen.
»Warum ach! vor der Zeit dich so verbluten?«
spricht sie voll Mitleids. »Warum nur vergießen
aus trüben Augen schmerzensvolle Fluten?
Nicht klag um mich; ich starb, um zu genießen
ein ewig Dasein, und in ewgen Gluten
erschloß mein Aug ich, da ichs schien zu schließen.«
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