Konvolut von fünfzehn originalen Briefen und Postkarten Schönbergs an seinen Schüler Karl Rankl (1898 – 1968).


Aus dem Nachlaß von Hans Swarowsky (1899 – 1975) erhielt das Archiv als Schenkung durch dessen Witwe Doris Swarowsky ein Konvolut von fünfzehn originalen Briefen und Postkarten Schönbergs an seinen Schüler Karl Rankl (1898 – 1968). Der Gaadener Komponist und Dirigent kam etwa Ende 1918 zu Schönberg und wurde während dessen Aufenthalt in Holland ab Herbst 1920 Schüler Anton Weberns. Die Unterrichtszeit wurde vermutlich im Sommer 1922 durch Rankls Engagement an die Wiener Volksoper beendet. Während des Studiums bei Schönberg und Webern war er Mitglied im Vorstand des »Vereins für musikalische Privataufführungen«, Assistent für den Vortragsmeister, wirkte auch gelegentlich selbst als Interpret mit und bearbeitete für den Verein Kompositionen von Anton Bruckner und Gustav Mahler für Kammerensemble. 
An der Wiener Volksoper stieg Karl Rankl rasch vom Korrepetitor zum Chormeister auf und studierte 1924 den Chor in der Uraufführung von Schönbergs Drama mit Musik „Die glückliche Hand“ ein. 1925 ging er als Opernkapellmeister nach Reichenberg in Böhmen, 1927 nach Königsberg. Im Mai 1928 sandte Schönberg zwei ebenfalls im Swarowsky-Nachlaß überlieferte Empfehlungsschreiben für Karl Rankl an den Musikkritiker Adolf Weissmann und den Oberbürgermeister von Oldenburg, um ein Engagement am dortigen Theater zu ermöglichen. Rankl wurde in der kommenden Saison jedoch als Assistent von Otto Klemperer an die Krolloper in Berlin verpflichtet, wo er im Sommer 1929 an der Fertigstellung des von Schönberg selbst begonnenen Klavierauszugs zu dessen Zeitoper »Von heute auf morgen« arbeitete. Sieben der originalen Briefe an Rankl (teils im Autograph, teils im Typoskript) nehmen auf die Herstellung des Klavierauszugs Bezug (13., ca. 20., 26. und 27. August; 3., 6. und 15. September 1929). Schönberg war bei der Berechnung des Arbeitspensums von seiner eigenen Erfahrung mit dem Klavierauszug ausgegangen und hatte dabei nicht berücksichtigt, daß Rankl sich erst in das neue Werk einarbeiten mußte, wodurch dieser unter erheblichen Zeitdruck geriet. Die in Berlin erfolgte Veröffentlichung des Werks wurde durch nachträgliche Korrekturgänge erheblich erschwert und führte in weiterer Folge zu einem Prozeß zwischen Schönberg und seiner Druckerei, bei dem auch Rankl als Zeuge geladen war, worauf der Brief vom 24. Juni 1931 Bezug nimmt. Im Herbst 1931 trat Karl Rankl am Staatstheater in Wiesbaden ein neues Engagement an, Schönbergs handschriftliches Gratulationsschreiben datiert mit 26. September 1931. Nach Gelegenheitsdirigaten in der Sowjetunion und Tschechoslowakei sowie einer Anstellung an den Städtischen Bühnen in Graz und dem Neuen Deutschen Theater in Prag floh Rankl mit seiner jüdischen Frau im Jahr 1938 in die Schweiz, ehe er für kurze Zeit zurückkehrte. Auf Vermittlung Schönbergs, die in dessen Brief vom 9. Februar 1939 angesprochen wird, erhielt er durch Sir Adrian Boult eine Einladung der BBC und die Möglichkeit der Einreise nach England, wo er sich nunmehr wieder der Komposition widmete.
Anläßlich seines 70. Geburtstages verfaßte Schönberg ein gedrucktes Dankschreiben an die Gratulanten, das mit 3. Oktober 1944 datiert ist und ein handschriftliches Postscriptum enthält. Am 28. Mai 1945 dirigierte Rankl in London die englische Erstaufführung der antifaschistischen »Ode to Napoleon Buonaparte« von Schönberg, der in seinem Brief vom 15. Juni 1945 um Übersendung von Rezensionen bat. Am 3. November 1950 schlug Schönberg seinem ehemaligen Schüler, der zu diesem Zeitpunkt musikalischer Leiter der Royal Opera Covent Garden in London war, die Mitarbeit bei einer Schallplattenproduktion der »Glücklichen Hand« vor; am 24. Februar 1951 dankte er ihm für die Widmung der Oper »Deirdre of the Sorrows«, mit welcher Rankl einen Preis des Arts Council of Great Britain gewonnen hatte. Der letzte originale Brief aus der Sammlung von Hans Swarowsky, die nunmehr im Archiv des Centers zugänglich ist, wurde am 27. Juni 1951 – zwei Wochen vor Schönbergs Tod – verfaßt. Schönberg bittet Rankl darin um Mithilfe bei der Instrumentierung seines unvollendeten Oratoriums »Die Jakobsleiter«, da dieser seinen Orchesterstil »wie kein anderer« beherrsche.

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