Winterszene
Öl auf Pappe
signiert und datiert (u. r.): Schönberg 1910

Im Versuch eines Tagebuches (sogenanntes Berliner Tagebuch) von 1912 hält Schönberg unter dem Eintrag vom 2. Februar 1912 fest, daß er einem ehemaligen Schulfreund eine Winterlandschaft geschenkt habe:
»Sonntag, 28., waren Eichbergs zu Mittag [da]. […] Eichberg benützte wiederholt Gelegenheiten, meinem Wirken Aufmerksamkeit zu zeigen. Etwas forciert! So begann er einzelne meiner Bilder zu loben […] Und lobte besonders ein Bild wiederholt. Schließlich sprach er den Wunsch aus, es mir abzukaufen (eine kleine Winterlandschaft, die ich
einmal, weil ich Kopfweh hatte, gemalt habe). Ich antwortete ausweichend
[…] Montag, 29., schickten wir Eichbergs das Bildchen, das sie bewundert hatten. Als Geschenk! Da Eichberg Geld hat, kann er größere Bilder kaufen und muß nicht das kleinste aussuchen, weil er hofft, es werde billig sein. Dann wäre ich ihm sogar noch zu Dank verpflichtet. ›Der Mäzen!‹«
Im Juli 2004 ist im Berliner Kunsthandel eine mit »Schönberg 1910« bezeichnete Winterlandschaft bzw. -straßenszene (Öl auf Pappe) aufgetaucht, die möglicherweise mit jenem Friedrich Eichberg 1912 geschenkten Bild identisch ist. Das Bild (Katalognr. 152) ist in der Farbgebung deutlich dem bei der ersten Ausstellung des »Blauen Reiter« gezeigten Nachtstück (Katalognr. 147) vom 5. Februar 1910 verwandt und zeigt zudem in der Bildkomposition sinnfällige Parallelen zu den beiden im April 1911 entstandenen Nachtstücken (Katalognr. 150 und 151). Die Hypothese, Schönberg habe Anfang Februar 1910 eine konkrete Straßenansicht der Hietzinger Hauptstraße Nr. 113 aus dem Blickwinkel seiner Wohnung gemalt, wird durch topographische und meteorologische Recherchen unterstützt. Friedrich Eichberg , der in Berlin bis 1937 als Ingenieur und Direktor der Union Elektricitäts-Gesellschaft tätig war, emigrierte 1937 in die Vereinigten Staaten, wo er 1941 in Maryland verstarb. Schönberg war mit dessen Witwe Bonnie Lee Eichberg noch einige Jahre in Kontakt. Ehe die Provenienz des in Berlin entdeckten und vom Arnold Schönberg Center im Jahr 2004 erworbenen Gemäldes eindeutig geklärt ist, muß die Zuschreibung zu Katalognr. 152 als fraglich gelten.

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