Arnold Schönberg: Designs, Spiele und Bricolagen
Catalogue raisonné 223

 

Notenschreibmaschine Bleistift auf Papier
21 x 23 cm
1909

Q Manuskript
B S Arnold Schönberg Center, Wien

Arnold Schönbergs Notenschreibmaschine
von 1909 wurde nie realisiert, doch zeigen die Entwürfe eine enorme Imagination und mechanische Begabung. Die Notenschreibmaschine
basiert auf dem Prinzip einer mechanischen
Schreibmaschine: Sie verfügt über eine
Tastatur, typentragende Hebel und ein Farbband.
Um Partituren mit allen notwendigen Zeichen schreiben zu können, muß Schönberg
allerdings die herkömmliche Konstruktion erweitern und verändern. Das Papier wird nicht in eine Walze eingespannt, als Schreibfläche dient eine Ebene. Sie kann von links nach rechts, nach oben und unten bewegt, im Kreis um einen Mittelpunkt gedreht und gekippt werden. Damit kann jeder Punkt der Schreibfläche exakt angesteuert werden. Das Kippen der Platte ist notwendig, da Schönberg den
Typenkopf mit trapezförmigem Querschnitt gestaltet, um eine dreifache Belegung mit Zeichen zu erzielen und die Anzahl der Hebel,
immerhin 120, einigermaßen zu begrenzen. Durch das Kippen der Schreib-fläche nimmt diese die jeweils parallele Position zu einer der drei Flächen am Typenkopf ein und ermöglicht den Abdruck des Zeichens. Die Eingabe erfolgt über etwa 40 Tasten. Durch spezielle zweiteilige Bewegungstaster und Hilfshebel können die Bewegungen der Schreibfläche
kombiniert werden, sodaß auch schräge
Linien, Bögen und Kurven gezeichnet werden können. Die Noten selbst werden aus verschiedenen Zeichen zusammengesetzt. Das Verschieben des Tastaturbrettes auf drei unterschiedliche
Positionen gestattet schließlich zusätzlich die Wahlmöglichkeit dreier Schriftgrößen.
Indem jede Taste somit über neun Funktionen verfügt, ist Schönbergs Notenschreibmaschine
in der Lage, bis zu 360 unterschiedliche Zeichen zu produzieren. Elektrisch
betrieben, könnten sogar mehrere Schreibmaschinen
aneinander geschaltet werden. Ein geübter Schreiber könnte dann, vermutet Schönberg, kleine Auflagen von Notenblättern rascher, preisgünstiger und mit klarerem Schriftbild als bisher herstellen. Durch einen Elektromotor und Verstärkung der Hebel
könnte die Maschine auch zum Notenstechen, durch Umbau im Prinzip auch als Zeichenmaschine
verwendet werden.
Im April 1909 reichte Schönberg die Patentschrift ein, die in einigen Details, aber nicht im Prinzip beanstandet wurde. Seine Konstruktion
wirkt aufwendig, die Komplexität der
Tastaturbelegungen und Doppelfunktionen
erfordert vom Schreibenden höchste Konzentration.


     

 

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