| Aphorismen 1910 Selbstverständlich müssen Vergleiche hinken, wenn man erwartet, daß die verglichenen Gegenstände in jeder Lage zur vollständigen Deckung gebracht werden können; denn vergleichen ist nicht gleichsetzen ( = ), sondern ähnlich setzen ( ~ ). Nicht die Kongruenzsätze, sondern die Ähnlichkeitssätze sind anzuwenden. Aber der Maler kann ruhig ein Porträt, das er geschaffen, dem Vorbild gleichsetzen, auch wenn es nicht ähnlich ist; und der Dramatiker kann ruhig die Menschen, durch die er sich übersetzt, jenen ähnlich setzen, denen sie gleichen. Selbstverständlich müssen dann die Vergleiche hinken, nämlich die, durch die das Publikum sich das Kunstwerk näher bringen will. Der Kunstfreund: »Wenn ich schon 200 Kronen für ein Bild von Kokoschka geben soll, dann muß es so gut sein, daß jeder, dem ich erzähle es kostet 5000 Kronen, das spottbillig findet und es darf mich nur 150 kosten.« 1911 Das Porträt hat nicht dem Modell, sondern dem Maler ähnlich zu sehn. 1934 »– – – – tonality in music, as realism in painting, are a norm that is in our blood.« [»– – – – Tonalität in der Musik, gleichwie Realismus in der Malerei sind eine Norm, die in unserem Blut ist.«] Dieser Mann schreibt ein ganzes Buch über Musik und wenn vieles darin so ist, wie dieser Satz – – – Ich bin nicht imstande auszudenken, was der Fachmann über Gesetze in unserem Blut denken wird, aber das ist schliesslich nicht meine Sache! Es hat Musik gegeben ehe Musiker fähig waren eine Tonalität zu umgrenzen; es gibt tonale und es gibt non-tonale Musik. Aber in der bildenden Kunst, und besonders in der Malerei, hat es, neben Perioden des Realismus oder Naturalismus, Perioden des Symbolismus, der Stylisierung, der Abstraktion, der funktionellen, naturabgewandten Komposition, der Primitivität, der Ornamentik, kultischer Ausdrucksformen, des Expressionismus, des Impressionismus – und wo bringt man da Brueghel, Greco und die alten Ägypter unter. – – ? Es muss da wohl immer ein Blutwechsel erfolgt sein. |
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