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Meine Bekanntschaft mit Kandinsky
Meine Bekanntschaft mit Kandinsky, den ich vorher auch nicht
dem Namen nach kannte, wurde eröffnet durch einen Brief,
den er an mich nach Wien richtete, nachdem ein Münchner-
Konzert (von Emil Gutmann veranstaltet) seine Aufmerksamkeit
erregt hatte. In diesem Konzert aber wurden meine beiden Quartette (1 u. 2) und einige Lieder aufgeführt (Gutheil
Schoder und Rosé). Kandinsky sandte mir mit diesem Brief (1911)
Fotos einiger seiner Bilder und später sein Buch: Das Geistige in
der Kunst wofür ich mich bald darauf durch Uebersendung
meiner Harmonielehre bedankte. Damals waren von Kompositionen
fertig: 3 Klavierstücke, 5 Orchesterstücke, George-Lieder und
Erwartung sowie alle Bilder, die ich von 1906 bis 1911 gemalt
hatte. Kandinsky, als er sie sah, nannte sie »Visionen«, während
ich sie als »Blicke« bezeichnete. Pierrot, bei welchem wohl kein
Kandinsky-Einfluss behauptet werden könnte, sowie die kleinen
Klavierstücke und die op. 22 Orchesterlieder schrieb ich zum
Teil vor dem Krieg. Und seit 1914 war ich ausser Kontakt mit
Kandinsky.
Das ist ein ebensolcher Unsinn, wie, dass ich von Kokoschka beeinflusst sei. Alles Wichtige war getan, ehe Kokoschka
auftauchte (!) Auch von einem anderen Maler, der im Gegenteil
behauptete durch mich malen gelernt zu haben (was ich nicht
recht verstand) bin ich, wie meine »Blicke« beweisen (die einzig in
ihrer Art sind), nicht beeinflusst.
Auch ich hänge vermutlich irgendwie mit Zeitgenossen
zusammen. Aber kaum mit diesen.
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Arnold Schönberg Center, Wien (Book B 21)
Datiert: 5. August 1934.
Randbemerkung zu folgendem Textabschnitt
in Marion Bauers Twentieth Century Music:
»Schoenberg wurde von Wassily Kandinsky, dem
postimpressionistischen Münchner Maler, beeinflußt, der einer Gruppe von Malern, Dichtern,
Musikern, Kritikern und Dramatikern angehörte,
deren Bestreben im Ausdruck der Seele der Natur
und der Menschheit lag. Schoenberg wandte dessen
expressionistische Philosophie nicht nur auf seine
Musik an, sondern erweiterte auch seinen künstlerischen
Horizont, in dem er selber Maler wurde.«
(Marion Bauer: Twentieth Century Music: How it
Developed, How to Listen to it. New York 1933,
p. 211). Der Name Kandinsky ist mit rotem Farbstift
unterstrichen, Schönberg notierte zudem
am Textrand »wohl eher umgekehrt«.
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