Die Kunst des Karikaturisten

Die Kunst des Karikaturisten: Das Erfassen besonders charakteristischer Züge.

Ich bin klein; ich habe kurze Beine; ich habe eine kahle, runde Glatze und eine schmale Krone von dunklem Haar rundherum. Meine Nase ist groß und gebogen, ich habe dunkle,
große Augen und starke Augenbrauen, mein Mund ist vielleicht das Beste an mir. Normalerweise halte ich meine Hände verschränkt am Rücken; meine Schultern sind rund.

Einige Cartoonisten versehen zum Beispiel alle ihre Opfer mit einer speziellen Art von
Nase.

Dahinter steht vielleicht die Absicht, einen Typus erfinden zu wollen, vergleichbar jenem von »Pierrot, Pierrette, Colombine, Hanswurst, dem Clown, der Kunstreiterin« etc.

Aber dann sieht man wieder Cartoonisten, die in einem Cartoon drei oder mehr Personen darstellen und ihnen allen dieselbe Nase geben.

Es ist schwer zu verstehen, warum eine Vorgangsweise auf die Spezies Mensch aus anderen Gründen angewandt werden
sollte als aus Mangel an Einfallsreichtum. Es ist ja auch so, daß wir nicht Köpfe von Bienen oder von Affen derselben Rasse unterscheiden. Für uns sehen sogar alle Japaner oder die Naturvölker der Pacific Islands gleich aus.

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Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz (N. Mus. Nachl. 15,1)
Undatiert, ca. 1937.

Veröffentlicht in: H[ans] H[einz] Stuckenschmidt: Schönberg. Leben, Umwelt, Werk. Zürich
1974, p. 498.

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