Arnold Schönberg an Emil Hertzka, 7. März 1910

[…] Sie wissen, dass ich male. Aber Sie wissen nicht, dass meine Arbeiten von Sachverständigen sehr gelobt werden. Ich soll auch nächstes Jahr ausstellen. Und da denke ich, vielleicht könnten Sie bekannte Mäcene veranlassen, mir Bilder abzukaufen, oder sich von mir malen zu lassen. Ich bin gerne bereit, Ihnen ein Probebild zu machen. Ich möchte Sie unentgeltlich malen, wenn Sie mir zusichern, dass Sie mir dann Aufträge verschaffen. Nur dürfen Sie den Leuten nicht sagen, dass Ihnen meine Bilder gefallen werden. Sondern Sie müssen Ihnen begreiflich machen, dass Ihnen meine Bilder gefallen müssen, weil sie von Fachautoritäten gelobt wurden; und vor Allem aber, dass es doch viel interessanter ist von einem Musiker meines Rufes gemalt zu werden oder ein Bild zu besitzen, als von irgend einem Kunsthandwerker, dessen Namen in 20 Jahren kein Mensch mehr kennt, während meiner schon heute der Musikgeschichte angehört. Ich verlange für ein Porträt in Lebensgröße 2 bis sechs Sitzungen und zweihundert bis 400 Kronen. Das ist doch sehr billig, wenn man bedenkt, dass man für diese Bilder in 20 Jahren das 10fache und 40 Jahren das 100fache beza[h]len wird. Das wissen Sie wo[h]l selbst und ich hoffe Sie machen über eine so ernste Sache keine schlechten Witze, sondern nehmen sie so ernst, wie sie ist.

Ich bin also, wie gesagt bereit, Ihr Porträt als Probebild unentgeltlich zu malen, wenn Sie mir zusichern, dass ich daraufhin Aufträge erhalte. Allerdings aber: darauf lasse ich mich nicht ein, dass der Ankauf eines Bildes davon abhängt ob es dem Besteller gefällt. Der Besteller weiß, wer malt; er muss auch wissen, dass er nichts davon versteht, dass aber das Bild Kunstwert oder doch mindestens historischen Wert hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir in dieser Hinsicht helfen wollten und glaube[,] Sie würden sich nicht nur um mich ein Verdienst
erwerben, wenn Sie darin nicht wienerisch, sondern großzügig: weltbürgerisch denken wollten! […]

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