Kenneth C. Lindsay an Arnold Schönberg, 15. August 1950

Lieber Herr Schoenberg:

Fräulein Dika Newlin war so nett, mir Ihre Adresse zu geben. Ich habe sie durch Rudolf Kolisch kennengelernt, bei dem meine Frau studierte, und wir haben seitdem miteinander korrespondiert. Sehen Sie, Ich schreibe meine Dissertation über Kandinsky. Nachdem Kandinsky an Schoenberg interessiert war und ihn bewunderte, möchte ich mehr über Schoenberg wissen und etwas erfahren, was über meine Liebe zu seiner Musik hinausgeht, und Dika ist eine bewundernswerte Informationsquelle. Ich habe das letzte Jahr in Paris verbracht und mit Nina Kandinsky zusammengearbeitet. Sie hat jedoch keine der Briefe, die Kandinsky zeitlebens geschrieben hat. Ich bin sehr an der ersten Begegnung zwischen Kandinsky und Ihnen interessiert. Stimmt es, daß er vor 1914 nur brieflich mit Ihnen verkehrte? Besitzen Sie noch einige seiner Briefe? Falls ja, könnte ich diese Briefe eventuell für mein Buch verwenden?

In Kandinskys Bibliothek bin ich auf eine alte Broschüre zu einer Kunstausstellung in Odessa von 1910/11 gestoßen. In diesem Katalog wurde Kandinskys russische Übersetzung von Schoenbergs Ansichten über Oktaven und Quinten abgedruckt. Können Sie sich daran erinnern?

Ich möchte Ihnen versichern, daß es mir eine große Ehre ist, Ihnen zu schreiben.

Mit besten Grüßen,

Kenneth Lindsay

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