Arnold Schönberg an Carl Moll, 27. Dezember 1932

Hochverehrter Herr Moll,

Sie können sich sicherlich keine Vorstellung davon machen, welche Freude Sie mir mit Ihrem Geschenk gemacht haben. Nicht nur macht es mich stolz, auf so ehrenvolle Weise in den Besitz eines Kunstwerk[s] gelangt zu sein, sondern es hat aufs Neue mein im Kunstkampf ein bis[s]chen verschüttetes Verhältnis zur Malerei wieder hervorgeholt.

Und wie habe ich dieses Bild genossen und werde es weiter genießen!
Wie bewundere ich die unglaubliche Einfachheit dieser Seh- und Wiedergabe-Weise in der jeder kleinste Strich in seiner Richtung, in der Dicke der Farbe erwogen und empfunden ist, wie man es kaum oft finden wird. Ich muss sagen: Die Wiener Malerei [hat sich] –
das ist seit Langem meine feste Ueberzeugung – von allen ausländischen Schulen in den Hintergrund drängen lassen, obwohl das in den Leistungen in keiner Weise begründet ist. Ich finde, dass diese Feinheit, dieser Geschmack, diese Zartheit und Lebendigkeit – ohne
Prinzipien – von vielen angestrebt, aber doch nur von den Wienern erreicht war.

Das hat mir Ihr Bild aufs Neue bestätigt. Und darum werden Sie begreifen können warum ich stolz bin, es zu besitzen.

Nochmals tausend Dank Ihr

Arnold Schönberg […]

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