Zur Zeit, als ich malteZur Zeit, als ich malte, war ich in der Lage, eine Linie von 3, 4 oder
mehr Zoll, ja sogar 38 Zoll Länge beinahe korrekt in 3, 5, 7, 9, 11
und 13 gleiche Abschnitte zu teilen; oder ich konnte sagen, daß
ein Band 97 Centimeter lang war; auch zeichnete ich einen Kreis, Ich konnte auch feststellen, daß ich oder meine Kinder eine Temperatur von (z. B.) 38 3/10 Grad Réaumur hatten. Ich konnte auch Gewichte gut beurteilen. Als ich beim Heer war, schoß ich 4 mal in das gleiche Loch und übte die exakte Ausführung der 116 vorgeschriebenen Schritte innerhalb fünf fortlaufender Minuten. Ich war auch über metronomische Einheiten sicher und konnte die Flughöhe von Flugzeugen gut beurteilen. Ich denke, dieser Sinn für Maße, Abmessungen und Distanzen ist eine der Grundvoraussetzungen des Formempfindens. Daher mag es verwundern, daß mein »absolutes Gehör« (ich nenne es Erinnerung von Tonhöhen), das meine beste Fähigkeit sein sollte, bestenfalls nicht sehr viel bedeutender als meine anderen Talente ist. Ich habe natürlich »absolutes Gehör« – aber ich kann mich nicht hundertprozentig darauf verlassen. Manchmal funktioniert es tadellos und ich folge einer Aufführung, als würde ich eine Partitur lesen. Dann jedoch kann ich nicht einmal eine Tonart erkennen – vor allem, wenn sie nicht exakt intoniert wird.– Was ich das »analytische Ohr« nenne, ist also nicht ganz verläßlich, und letztlich bin ich langsam darin, die richtigen Fakten zu erkennen. Auf der anderen Seite kann ich mich genau daran erinnern, in der Lage gewesen zu sein, 6 bis 8 Stimmen am Ende meiner Gurrelieder zu folgen. __________ Arnold Schönberg Center, Wien (T 40.15) Datiert: 5. April 1948. |
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