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Arnold Schönberg: Verschollene Werke
Catalogue raisonné
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Therese Muxeneder: Arnold Schönbergs verschollene bildnerische Werke, in: Arnold Schönberg. Catalogue raisonné.
Herausgegeben von Christian Meyer und Therese Muxeneder. Wien 2005
Aufstellung der verschollenen Werke (PDF)
Therese Muxeneder
Arnold Schönbergs verschollene bildnerische Werke
Aus Arnold Schönbergs Korrespondenz und Tagebucheintragungen,
zeitgenössischen Ausstellungskatalogen und -rezensionen sowie
von Fotografien ist die Existenz einer Reihe von Gemälden und
Zeichnungen belegt, deren Standorte bis dato nicht eruierbar sind.
Die Provenienzforschung wird durch eine – vor allem durch Kriegswirren
bedingte – schlechte Quellenlage, aber auch durch die Tatsache
erschwert, daß der Künstler selbst seinem bildnerischen OEuvre
offensichtlich nicht jene Systematik wie dem kompositorischen und
schriftstellerischen Schaffen angedeihen ließ. Anders als für seine Manuskripte, auf die er »so peinlich […] acht [gab]« 1, die er teils
minutiös ordnete und katalogisierte, gibt es im Nachlaß keine einzige
autorisierte Aufstellung seiner bildnerischen Werke. 2 Erklärbar wird
dies durch einen Blick auf die im Vergleich zur Komposition nur kurze –
aber umso intensivere Beschäftigung – mit der Malerei zwischen
1907 und 1910/11 (mit verhältnismäßig wenigen Folgewerken bis in die
1940er Jahre) und auf seine musikalischen Jugendschöpfungen, die
er vielleicht ebenso als im Anfangsstadium begriffen erachtete und
verschwindend geringe Beachtung zu schenken schien. 3 Schönbergs
Brief an den Kunsthändler Otto Kallir vom 9. Mai 1945, in dem er »den
Gesamtwert [s]einer Malerei« in der Erinnerung auf nicht mehr als ein
Zehntel des überlieferten Gesamtbestandes (in Katalognummern)
schätzt, gibt ein beredtes Zeugnis von seinem späteren Selbstverständnis
als Maler und einer offensichtlich nach der Emigration halb in
Vergessenheit geratenen künstlerischen Betätigung:
»Dass ich wieder zu malen begonnen habe, ist nicht richtig. Ich habe
gelegentlich ein Selbstporträt oder eine Karikatur gemacht aber sonst
kaum etwas. Von den etwa 40 Bildern die ich seinerzeit ausgestellt
hatte, mögen vielleicht von den 10 die in Deutschland waren die meisten
verloren sein, so dass sich der Gesamtwert meiner Malerei auf
nicht viel mehr als dreissig Bilder koncentrieren dürfte.« 4 Der Katalog von Schönbergs erster Ausstellung im Kunstsalon Heller
vom Oktober 1910 listet unter den Nummern 29–33 fünf Bildnisse des
von ihm höchst verehrten Komponisten Gustav Mahler 5 auf, wovon
vermutlich nur mehr eine mit 1910 datierte Studie erhalten ist
(Katalognr. 82). Die vier weiteren Bildnisse wurden fotografisch zwar
nicht reproduziert, Briefdokumente geben jedoch Aufschluß über
den unmittelbaren Verbleib der Werke. Wie durch einen Augenzeugenbericht
überliefert ist, war Mahler bei der Generalprobe zum
Schönberg-Konzert anwesend, 6 das am 12. Oktober 1910 im Kunstsalon
durch das Rosé-Quartett – mit Mahlers Schwager Arnold Rosé –
und Marie Gutheil-Schoder gegeben wurde. 7 Bei dieser Gelegenheit
konnte Mahler auch die seit 8. Oktober eröffnete Ausstellung
besichtigen. Ungesicherten Quellen zufolge berichtete Carl Moll nach
der Ausstellung, ein »Fremder, der nicht genannt sein wollte«, 8 habe
drei Bilder gekauft. Erst durch ein Schreiben Anton Weberns vom
10. September 1911 9 erfuhr Schönberg ein Jahr nach der Ausstellung,
daß der »Fremde« Gustav Mahler selbst war, der am 18. Mai 1911 in
Wien verstorben war.
Gustav Mahlers Nachlaß ging 1911 in den Besitz seiner Witwe Alma
über. Im Laufe der Jahre wurden von ihr aus der Mahler-Memorabilien-
und Manuskriptensammlung einige Stücke an die Anhänger
ihres Mannes verschenkt, 10 auch an Arnold Schönberg. 11 Ob Alma
Mahler vor der Emigration im März 1938, die sie und ihren dritten
Ehemann Franz Werfel über Frankreich und Spanien in die Vereinigten
Staaten führte, aus dem ehemaligen Besitz Mahlers Kunstwerke
verschenkte oder diese sämtlich im Haus ihres Stiefvaters Carl Moll
sowie ihrem Landsitz am Semmering zurückließ, kann zu mindest für den Fall der Schönberg-Bilder nicht mehr geklärt werden. Moll lebte
zusammen mit seiner Tochter Maria Eberstaller und deren Mann, dem
Gerichtspräsidenten Dr. Richard Eberstaller, auf der Hohen Warte
(Wien 19, Wollergasse 10). Die Nachbarvilla der Werfels (Wien 19,
Steinfeldgasse 2) wurde 1938 von der Gestapo beschlagnahmt, als
Verwalter wurde Carl Molls Schwiegersohn eingesetzt. Auch der mit
Oskar Kokoschka 1914 als gemeinsames Domizil ausgebaute Landsitz
in Breitenstein, wo ein Teil von Alma Mahlers Mobiliar und Kunstwerke
aufbewahrt waren, ging in den Besitz ihrer Stiefschwester über, als
sie dieser 1939 das Haus samt Zubehör und Einrichtung schenkungsweise
übertrug, um den Besitz vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. 12
Auf der Hohen Warte befanden sich zu diesem Zeitpunkt ein Selbstportrait
Schönbergs (Katalognr. 16) 13 sowie das Bildnis Mathilde
Schönbergs (Katalognr. 93) 14, das der Künstler (vermutlich nach der
Ausstellung 1910) Carl Moll schenkte. 15 Unter den 1948 an Alma Mahler-Werfel restituierten Gemälden 16 ist kein Hinweis auf ein Schönberg-
Werk erhalten; frühere Inventarlisten beschränken sich auf die vom Restitutionskommittee als für die Republik Österreich für wertvoll eingestuften
Werke anderer Maler. Nach Carl Molls Selbstmord 17 wurde
dessen Sammlung versteigert. Die beiden Schönberg-Gemälde von
Moll erwarb Regierungsrat Anton Klement am 21. Januar 1946.
Die drei Bildnisse Gustav Mahlers waren zu diesem Zeitpunkt bereits
verschollen oder gar zerstört.
Vorausgesetzt, daß Gustav Mahlers Ankäufe im Kunstsalon
Heller tatsächlich mit drei seiner Portraits identisch waren und die im
Schönberg-Nachlaß befindliche Studie Gustav Mahlers (Katalognr. 82)
das vierte der fünf ausgestellten Bilder darstellt, ist die Identität des
fünften Bildes noch ungeklärt. Wie ein Brief Arnold Schönbergs an
Mahlers Schwester Justine Rosé von Ende 1910 oder Frühjahr 1911
belegt, befand sich in seinem Besitz ein ursprünglich dem Portraitierten
gewidmetes Bildnis Gustav Mahlers, dessen Schenkung dieser
jedoch abgelehnt hat.
»Sehr verehrte gnädige Frau, das Bild Ihres Bruders, das Bild Gustav
Mahlers war bestimmt, Gustav Mahler zu gehören: da er es aber
nicht angenommen hat (vielleicht gefällt es ihm nicht; aber er sagte,
er möchte nicht sein eigenes Bild in sein Zimmer hängen) so soll es
unbedingt jemand haben, der Mahler nahesteht und womöglich auch
jemand, dem es gefällt. Das wollte ich Ihnen schon lange schreiben
und Sie fragen, ob ich Ihnen das Bild schicken soll. Ich knüpfe nur zwei
Bedingungen daran, nämlich: dass Sie es an einem Platz aufhängen,
wo es anständig hängt (nicht etwa irgendwo verborgen) und dass
Sie es nur solange behalten, als es Ihnen gefällt; es mir zurückgeben,
falls Sie sich nicht mehr entschliessen könnten, es in Ihrem Zimmer
zu haben.
Aber: das ist ein Künstlerwerk!!! […]« 18
Leider fehlt eine entsprechende Antwort Justine bzw. Arnold Rosés,
die belegen würde, ob das Geschenk, das möglicherweise aus Anlaß
von Mahlers 50. Geburtstag am 7. Juli 1910 entstanden war, angenommen
wurde bzw. mit der fünften Katalognummer im Ausstellungskatalog
von 1910 ident ist. Durch die geschilderte Ablehnung Mahlers ist
zumindest belegt, daß dieser – gehen wir wieder von den drei Mahler-
Bildnissen aus – mit seinem anonymen Ankauf eher aus Freundschaft,
denn aus Sammelleidenschaft handelte. 19 Die nach Justine Rosés Tod
im Jahr 1938 vor dem Zugriff der Behörden nach London geretteten
Besitztümer der Familie wurden durch ihren Sohn Alfred 20 verwahrt.
Zwischen 1983 und 1995 wurden die Dokumente und Memorabilia der
University of Western Ontario geschenkt. Ein Mahler-Bildnis von
Arnold Schönberg wird in der Inventarliste nicht geführt. 21
Zwei weitere, thematisch verwandte Werke werden von Paul Stefan
in dessen Schönberg-Studie von 1924 erwähnt: »Blätter zu Gustav
Mahlers Symphonien sprechen wie aus der Seele dieser Musik und es zeigt
sich deutlich, daß sie aus Notwendigkeit gestaltet und durchaus mit den
Mitteln der Malerei gestaltet werden mußten.« 22 Einzige Quelle dieser
verschollenen »Blätter« (Katalognr. 338) sind Fotografien von 1910 / 1911,
die Schönberg in seinem Arbeitszimmer in der Hietzinger Hauptstraße
113 vor einer Wand mit Mahleriana 23 und eigenen Gemälden zeigen. 24 Das obere Bild ist mit Gustav Mahler / Symphonie / II. Satz überschrieben,
die darunterhängende Grafik ist mit Gustav Mahler betitelt,
aufgrund der Unschärfe der historischen Fotografie nicht weiter
entzifferbar.
Ein ebenfalls mit der Familie Gustav Mahlers in Verbindung
stehendes Bild, dessen Verbleib ungeklärt ist, zählt zu den frühesten
Zeichnungen, stilistisch dem Selbstportrait Katalognr. 235 verwandt.
Spätestens auf Sommer 1905 geht Schönbergs – selten praktizierte –
Ambition zurück, ausgewählten Freunden aus der Sommerfrische selbstgezeichnete Postkarten zu senden. 25 Im Sommer 1909 erhielt
Alma Mahler, die zu dieser Zeit mit ihrem Mann in Toblach /Kärnten
war, aus Steinakirchen am Forst /Niederösterreich eine Postkarte mit
Arnold Schönbergs Selbstportrait in Federzeichnung, mit folgender
Mitteilung:
»Verehrte gnädige Frau, finden Sie, dass ich ›gut aussehe‹? Ich weiß
nicht, bei Selbstportraits bin ich nicht imstande das auszudrücken und
die mehr oder weniger günstigen Wirkungen einer Sommerfrische
müssen daher unberücksichtigt bleiben. […]«
Die Postkarte wurde 1981 bei einer Auktion in Marburg versteigert. 26
Unter den im Verzeichnis der im Kunstsalon Heller im Oktober [1910]
ausgestellten Werke Arnold Schönbergs 27 gelisteten Bildern finden sich
unter der Rubrik »Porträts und Studien« zwei Gemälde, die später auch
im Schönberg-Heft des Merker Juni 1911 28 publiziert wurden:
Buchhändler H. H. / Buchhändler H. und Frau W. / Frau Dr. W. Das erste
Portrait stellt den Galeristen und Verleger Hugo Heller selbst dar,
das zweite die Pianistin und Schönberg-Interpretin Marietta (Gonsz)
Werndorff, worauf die Erwähnung ihres Mannes Dr. Werndorff 29 im
Katalog hindeutet. Die Physiognomie des Portraits Frau Dr. W.
stimmt mit einem weiteren – unbetitelten – weiblichen Portrait
(Katalognr. 88) im Nachlaß überein, worauf bereits Eberhard Freitag 30
hingewiesen hat. Beide im Merker reproduzierten Portraits sind
ebenso verschollen wie eine Reihe weiterer, in einem von Schönberg
angelegten Fotoalbum seiner Gemälde, nur in Reproduktion
überlieferter bildnerischer Werke. Schönberg übergab das Portrait
Frau Dr. W. wahrscheinlich der Familie Werndorff, welche bis Ende der
1930er Jahre aus Iowa noch mit Schönberg in Kontakt war.
Das Bildnis Hugo Heller verblieb vermutlich nach der Ausstellung
in dessen Sammlung. Nach Hellers Tod im November 1923 ging sein
Nachlaß in den Besitz seiner Frau Hedwig und der beiden Söhne über.
Thomas Heller, Inhaber einer Antiquariatsbuchhandlung, verstarb im
Juni 1984 in New York, sein Halbbruder Peter Heller, zuletzt in Paris als
universitärer Verwalter tätig, verstarb im August 2002 in Lausanne. 31
Das Album wurde 1910 nach zumindest zu einem Teil in den
Räumen des Kunstsalon fotografierten Werken zusammen gestellt,
worauf eine Portraitfotografie hindeutet, auf der in einem Galerieraum
gereihte Schönberg-Bilder (darunter auch das Portrait Buchhändler
H.) zu sehen sind. Schönberg verwendete diese Reproduktionen
für Publikationszwecke 32 und um seine Bilder auch für andere
Ausstellungsorte zu bewerben 33. Folgende im Album enthaltene
Werke sind im Original nicht überliefert:
- Männliches Portrait (Katalognr. 340)
- Hugo Heller (Katalognr. 341)
- Frau Dr. W. (Katalognr. 342)
- Selbstportrait (Katalognr. 343) 34
- Fantasie? (Katalognr. 344)
- Stilleben (Blumenvasen) (Katalognr. 345)
Von den Portraits, die bei Heller 1910 ausgestellt waren, sind laut Titel
drei Werke hinsichtlich ihrer Zuordnung zu überlieferten unbezeichneten
Portraits fraglich. Es sind dies die Werke L. H. (Heller 1),
Ing. H. (Heller 8) 35 sowie Dr. B. (Heller 42). Mag letztere Initiale auf
Hugo Botstiber (Katalognr. 85) hindeuten, so ist die Identität der
beiden anderen Personen ebensowenig geklärt wie die Frage, ob sie
mit den unidentifizierten Portraits im Nachlaß 36 in Verbindung zu
bringen oder verschollen sind.
Im Versuch eines Tagebuches (sogenanntes Berliner Tagebuch) von 1912
hält Schönberg unter dem Eintrag vom 2. Februar 1912 fest, daß er
einem ehemaligen Schulfreund eine Winterlandschaft geschenkt habe:
»Sonntag, 28., waren Eichbergs zu Mittag [da]. […] Eichberg benützte
wiederholt Gelegenheiten, meinem Wirken Aufmerksamkeit zu zeigen.
Etwas forciert! So begann er einzelne meiner Bilder zu loben […]
Und lobte besonders ein Bild wiederholt. Schließlich sprach er den
Wunsch aus, es mir abzukaufen (eine kleine Winterlandschaft, die ich
einmal, weil ich Kopfweh hatte, gemalt habe). Ich antwortete ausweichend
[…] Montag, 29., schickten wir Eichbergs das Bildchen, das sie
bewundert hatten. Als Geschenk! Da Eichberg Geld hat, kann er größere
Bilder kaufen und muß nicht das kleinste aussuchen, weil er hofft, es
werde billig sein. Dann wäre ich ihm sogar noch zu Dank verpflichtet.
›Der Mäzen!‹« 37
Im Juli 2004 ist im Berliner Kunsthandel eine mit »Schönberg 1910«
bezeichnete Winterlandschaft bzw. -straßenszene (Öl auf Pappe)
aufgetaucht, die möglicherweise mit jenem Friedrich Eichberg 1912
geschenkten Bild identisch ist. Das Bild (Katalognr. 152) ist in der
Farbgebung deutlich dem bei der ersten Ausstellung des »Blauen
Reiter« gezeigten Nachtstück (Katalognr. 147) vom 5. Februar 1910
verwandt und zeigt zudem in der Bildkomposition sinnfällige Parallelen
zu den beiden im April 1911 entstandenen Nachtstücken (Katalognr. 150
und 151). Die Hypothese, Schönberg habe Anfang Februar 1910 eine
konkrete Straßenansicht der Hietzinger Hauptstraße Nr. 113 aus dem
Blickwinkel seiner Wohnung 38 gemalt, wird durch topographische
und meteorologische Recherchen unterstützt 39. Friedrich Eichberg 40,
der in Berlin bis 1937 als Ingenieur und Direktor der Union Elektricitäts-Gesellschaft tätig war, emigrierte 1937 in die Vereinigten Staaten, wo
er 1941 in Maryland verstarb. Schönberg war mit dessen Witwe Bonnie
Lee Eichberg noch einige Jahre in Kontakt. 41 Ehe die Provenienz des
in Berlin entdeckten Gemäldes eindeutig geklärt ist, muß die Zuschreibung zu Katalognr. 152 als fraglich gelten.
Die mit dem Jahr 1910 datierten oder zu datierenden zahlreichen
Portraits, die Schönberg von Personen seines Bekannten- und Freundeskreises
malte, sind nur zu einem Teil identifiziert. 42 Warum sein
Schüler Anton Webern nicht wie Alban Berg (Katalognr. 84) und dessen
spätere Frau Helene Nahowski (Katalognr. 83) zu den Auserwählten
zählte, wurde vielfach hinterfragt. Wie der Korrespondenz zwischen
Anton Webern und Heinrich Jalowetz zu entnehmen ist, trug sich
Arnold Schönberg im Frühjahr 1911 mit der Absicht, seinen Schüler zu
portraitieren: »Er wird mich malen.« 43 Die Korrespondenz zwischen
Schönberg und seinen Schülern belegt, 44 daß dieses Vorhaben im Juni
1911 realisiert wurde. Am 21. Juli 1911 berichtete Webern an Jalowetz:
»Schönberg hat mir das Porträt geschickt und zwei Karten.« 45 Das Portrait
ist ebenso verschollen wie sechs weitere, 1911 und 1912 von Schönberg
an Webern verschenkte Bilder (darunter ein Selbstportrait). Teile des
Webern-Nachlasses werden in der Library of Congress, Washington
D.C., und der Paul Sacher Stiftung in Basel aufbewahrt. Eine Reihe von
Schönbergiana aus dem Besitz von Anton Webern – darunter auch viele
Briefe – gingen möglicherweise bereits zu Kriegszeiten verloren.
Die Korrespondenz im Zusammenhang mit der Publikation des
Schönberg-Buches bei Piper 1912 gibt zudem den Hinweis auf zwei
weitere – verschollene? – Gemälde: Landschaft am See und Chinesische
Mauer nach einem Text von Karl Kraus. 46
Im Frühjahr 1938 erhielt Schönberg in Los Angeles das Schreiben
des Wiener Kunst- und Antiquitätenhändlers Karl Grünwald, mit dem
er um 1918 in Verbindung war und der Schönberg nun um ein Affidavit
zur Einreise in die USA für seinen Sohn bat. Wie aus einem Schreiben
des Komponisten vom 20. Dezember 1938 an Galka Scheyer hervorgeht,
hatte Grünwald ihn »während der Hungersnot in Wien mit Lebensmitteln
versorgt und [ihm] Bilder abgekauft.«
Karl Grünwald war bis zum Tod Egon Schieles 1918 dessen
Förderer und Freund und lernte Schönberg möglicherweise durch den
Maler kennen, der diesen 1917 portraitiert hatte. 47 In den frühen 1920er
Jahren handelte Grünwald 48 zunächst mit Kunst (Schiele-Verkaufsausstellung
1921, Gemälde und Grafik von Ferdinand Hodler, Gustav Klimt,
französische Impressionisten, Alte Meister, Skulpturen) und Antiquitäten,
spezialisierte sich jedoch bald auf den Import von Möbel-,
Vorhang- und Wandstoffen. 49 Im Frühjahr 1938 versuchte er einen Teil
seiner Kunstsammlung zu verkaufen, um die Ausreise aus Österreich
und die Überfahrt nach Amerika finanzieren zu können.
»Zweitens besitze ich von Ihnen zwei Selbstbildnisse und ein farbiges
Bild. Weiters ein Aquarell von Egon Schiele l[aut] A[usstellungs]
K[atalog] (Arnold Schönberg). 50 Letzteres war mit anderen Werken
Schieles aus meinem Besitz, über Aufforderung der österreichischen
Behörden, 1937 an der Weltausstellung in Paris ausgestellt.
Glauben Sie dass es in Amerika Mäcene gibt, die für all dies käufliches
Interesse haben? Ich brauche dringend Geld um Steuer- und
Geschäftsschulden zu bezahlen, meinen Kindern die Zukunft nicht zu
verschließen und meine Existenz zu retten.« 51
Schönberg antwortete am 1. April 1938, daß er keine geeigneten Käuferkreise
kenne, jedoch Kontakt mit zwei Kunstsachverständigen
aufnehmen würde: »Jedenfalls gibt es hier kaum Mäcene für meine Bilder,
sonst hätte ich selbst schon welche verkauft.« Er nahm die Recherche vor
allem im Fall des Schiele-Aquarells sofort auf und bat Grünwald Ende
April um Übersendung einer Reproduktion, die er an eine Kunsthändlerin
in Los Angeles weiterleiten könne. Grünwald flüchtete im September
1938 aus Wien nach Frankreich, von wo er Schönberg wie der
kontaktierte, um ihm die Situation in Wien nach dem »Anschluß«
Österreichs zu schildern und die Bitte zu erneuern, ihm beim Verkauf
der Kunstwerke behilfl ich zu sein, die er aus Österreich ausführen
konnte. 52 Das »farbige Bild« Schönbergs wird jedoch in diesem
Dokument vom 23. September 1938 unter die Selbstportraits gereiht:
»Bitte lieber Herr Schönberg es nicht als Unverschämtheit zu
betrachten wenn ich Sie frage ob es möglich wäre Ihre 3 Selbstporträts
und Ihr Bildnis Egon Schieles gegen gute Dollars zu verkaufen.«
In der Zwischenzeit erhielt Schönberg entweder über Grünwald selbst
oder dessen Freund Otto Neuhut aus New York eines seiner drei Bilder,
ein Selbstportrait, um es in Los Angeles zu verkaufen. Schönberg
schrieb am 20. Dezember 1938 an die Kunsthändlerin Galka Scheyer,
die ihm zu einem späteren Zeitpunkt beim Verkauf eigener Manuskripte
an die Library of Congress behilflich sein sollte:
»Für wieviel glauben Sie dass man die mitfolgende Zeichnung
verkaufen kann. Er sagt ›für jeden Preis‹, da er mir aber für ein Porträt
seinerzeit 200 Kronen gezahlt hat, so rechnet er offenbar auf
wenigstens 75–100 $. Ich selbst bin eigentlich sehr wenig begeistert
von der Idee ein Bild von mir zu verkaufen, denn ich selbst würde es nur
im alleräussersten Notfall tun und es ist mir dann sehr unangenehm,
den Preis zu drücken – Sie werden das wohl verstehen.
Auf alle Fälle bitte ich Sie dem eventuellen Käufer klar zu machen, dass
ich nicht der Verkäufer bin und dass und warum ich gegen einen
niedrigen Preis bin, eventuell indem Sie die hiezunotwendigen Stellen
aus dem Brief vorzeigen.
Wollen Sie so freundlich sein, das für mich zu tun? Ich glaube, Sie
sollten mir vorher sagen, was dafür geboten würde, denn einen kleinen
Betrag würde ich ihm eher selbst noch schicken, als den Preis
herabzudrücken. Aber ich hoffe, Sie trachten das meiste herauszuschlagen
im Interesse der ›charity‹, womit ich natürlich keineswegs
sagen will, dass Sie nicht andererseits diese Angelegenheit als eine
›professional Business‹-Angelegenheit betrachten sollen – sofern es
eine solche ist. Wie gerne würden sowohl er wie ich 10% von 1000 $
abgeben!«
Am 7. September 1939 retournierte Galka Scheyer die Zeichnung und
erklärte die Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen damit, wie schwer der
Kunsthandel in Hollywood sei. Offen sichtlich versuchte es Schönberg
noch über einen weiteren Sachverständigen, wie er am 19. März 1940
an Karl Grünwalds New Yorker Freund Otto Neuhut unter anderem
berichtete:
»Ich muss – zu meiner Beschämung – sagen dass das Selbstporträt
(das mir übrigens selbst heute nicht mehr gefällt) keinen Käufer
gefunden hat. […] Es war mir begreiflicherweise, doppelt peinlich,
Grünwald das mitzuteilen: eine doppelte Enttäuschung. Nun aber,
da ich annehme, dass Sie mit ihm in Korrespondenz stehen, sende ich
es an Sie und bitte Sie, ihm das Vorstehende mitzuteilen.«
Mit Schönbergs Hilfe, der für Karl Grünwald lebensrettend ein Affidavit
zur Einreise in die Vereinigten Staaten ausstellen ließ, konnte dieser
1941 aus Frankreich nach New York emigrieren. Am 31. Januar 1941 bot
Grünwald in einem Dankschreiben aus Casablanca an, er würde ihm
gerne das nach New York gesandte Selbstportrait schenken, Otto
Neuhut sei bereits davon informiert:
»Ich weiß, dass Sie an diesem Bildnis hängen (ein Brief an mich vor
Jahren spricht davon). Ich selbst habe noch eines.«
Ob letztere Angabe einer Ungenauigkeit oder der Tatsache entspringt,
daß Grünwald eines der zwei ihm verbliebenen Schönberg-Bilder in
Frankreich zurücklassen mußte, kann nicht mehr nachvollzogen werden.
Es ist wahrscheinlich, daß er die ihm offensichtlich aus persönlichen
Gründen wichtigen und leicht zu transportierenden Bilder
direkt von Paris über Casablanca nach New York brachte und den
Hauptteil der Sammlung zunächst zurückließ, um ihn später nachzuholen.
Die im November 1938 in Wien freigegebene und nach
Frankreich transportierte Sammlung wurde 1939 in Strasbourg beim
Spediteur Seegmueller eingelagert und im Juni 1942 zu mehreren
Teilen versteigert, wie Karl Grünwald nach dem Krieg durch das State
Department in Washington erfuhr. In einem Schreiben an das
Bundesdenkmalamt vom 25. August 1947 listet er die Termine auf, bei
welchen möglicherweise auch das in Frankreich verbliebene
Schönberg-Bild zwangsversteigert wurde:
»Am 20. Juni 1942 im Depôt Beau Marché, Rue du Vieux Marché aux
Vins, in Strasbourg, durch Huissier J. Eberhardt, Strasbourg.
Am 24. Juni 1942 im Depôt Schiffahrts A.G., Rue des Pâcques,
Strasbourg, durch den Huissier J. Eberhardt, Strasbourg.
Am 25. Juni 1942 im Depôt Beau Marché, Rue du Vieux Marché aux
Vins, Strasbourg, durch den Huissier A. Bintz, Strasbourg-Illkirch.
Auf dieser Liste ist ersichtlich, dass Bilder versteigert wurden und
Leuten, namens Hofler fuer 4 Mark und Schumann fuer 3 Mark zugeschlagen
wurde. Es ist aber leicht moeglich, dass die Listen unvollstaendig
sind und noch an anderen Plaetzen, von anderen Auktionatoren
Bilder versteigert wurden.
Von allen diesen Gegenstaenden fehlt, seit diesen Versteigerungen in
Strasbourg im Jahre 1942, jede Spur.« 53
Wie aus der Korrespondenz vom 29. August 1941 und 11. Januar 1942
hervorgeht, veranlaßte Grünwald, daß Schönberg das Selbstportrait
aus New York tatsächlich zugeschickt wurde.
Wenn man in Betracht zieht, daß es sich hierbei um eine »Zeichnung«
handelte, die nicht später als 1918 entstanden sein kann, kommt eine
Reihe von Bildern in Frage. Zudem ist zu überlegen, ob Schönberg
ihm 1918 ein neueres Werk übergab, das sich zudem stilistisch etwas
vom Kanon seiner übrigen Selbstportraits unterschied, worauf seine
selbst kritische Bemerkung im Brief an Otto Neuhut hindeutet.
Vermutlich hätte er das verkaufte Bild auch nicht unsigniert aus der
Hand gegeben. Es kann daher darüber spekuliert werden, daß das
Blatt die mit »Arnold Schönberg. April 1918« bezeichnete Buntstiftzeichnung
Katalognr. 20 darstellt.
Das von Grünwald genannte Bild, das er nach New York
mitnahm, ist – sofern überhaupt erhalten – eventuell noch im Besitz
seiner Erben, das zweite (»farbige Bild«?) wurde entweder in Strasbourg
versteigert oder, sofern es nicht dort verblieb, vom Besitzer möglicherweise
an Joseph Timsit verschenkt, einem »reichen marokkanischen
Juden« 54, der dem Wiener die Schiffspassage von Casablanca nach New
York finanzierte und dem Grünwald aus Dankbarkeit ein Geschenk
gemacht haben mag.
Anläßlich von Arnold Schönbergs 70. Geburtstag im Jahr 1944 brachte
die Zeitschrift Modern Music eine Schönberg-Sondernummer 55 heraus,
auf deren Vorsatzblatt ein mit März 1944 datiertes Selbstportrait abgedruckt
wurde. Das Bild stellt eine »Reinzeichnung« der Entwürfe
Katalognr. 55–59 dar und wurde von Schönberg als Auftragswerk der
League of Composers geschaffen:
»Jetzt möchte ich Sie fragen, ob Sie eine aktuellere unpublizierte
Zeichnung, Skizze oder ein Selbstportrait an der Hand haben, das wir
in MODERN MUSIC reproduzieren könnten, in Feder und Tinte.
Wir haben vor, in der nächsten Ausgabe drei Artikel über Sie und ihre
letzten Werke zu veröffentlichen und würden sehr gerne ein neues
bildnerisches Werk hinzufügen.« 56
Am 10. März 1944 bestätigte die Redaktion den Erhalt des Bildes:
»Vielen Dank für Ihr Selbstportrait. Es kam in letzter Minute an.« Der
Korrespondenz ist nicht zu entnehmen, daß das Bild an Schönberg
retourniert wurde. 57
Erst in jüngerer Zeit sind zwei Grafiken verschollen, die ursprünglich im Schönberg-Nachlaß überliefert waren. Es sind dies eine Karikatur
von Paul Stefan 58 sowie eine mit »Schönberg 1921« bezeichnete
Karikatur. Beide Blätter wurden 1974 bei einer Ausstellung in der Fisher
Gallery, University of Southern California, Los Angeles, gestohlen. 59
______________
1 Eintragung im »Versuch eines Tagebuches«
vom 18. Februar 1912 (Arnold Schönberg Center,
Wien [T 26.02]); veröffentlicht in: Arnold Schönberg:
Berliner Tagebuch. Mit einer Hommage à
Schönberg vom Herausgeber Josef Rufer. Frankfurt
am Main 1974, p. 27.
2 Eine als postum einzustufende typographische
Kurzliste stammt entweder von Schönbergs
Witwe Gertrud oder seinem Schüler Josef Rufer,
der eine erste Zusammenstellung der Bilder als
Teil des Schönberg-Werkverzeichnisses publizierte:
Josef Rufer: Im Nachlass befindliche
Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, in: Das Werk
Arnold Schönbergs. Kassel etc. 1959, p. 177 f.
3 So wird ein Großteil der Jugendkompositionen
Schönbergs nicht durch ihn selbst, sondern
durch die Sammeltätigkeit von Verwandten und
Freunden überliefert (etwa Joseph Nachod, Ena
Steiner, Anna Wetter).
4 Original nicht nachweisbar, Durchschlag
aufbewahrt in The Library of Congress,
Washington D.C., Music Division (Arnold
Schoenberg Collection); wenn nicht anders
angegeben gilt in Folge für die zitierte Korrespondenz
diese Quelle.
5 »Schönberg zeichnet Gustav Mahler und versucht
es, in sein Gesicht die Abspiegelungen bestimmter
Tonstücke, Symphonieteile zu bringen.« (Illustrirtes
Wiener Extrablatt 39 [9. Oktober 1910], Nr. 277,
p. 10); (Wiener Abendpost. Beilage zur Wiener
Zeitung [8. Oktober 1910], Nr. 230, p. 3 ).
6 Paul Stefan: Arnold Schönberg. Wandlung –
Legende – Erscheinung – Bedeutung. Wien 1924,
p. 38.
7 Programm: I. Streichquartett op. 7, II. Streichquartett
op. 10.
8 H[ans] H[einz] Stuckenschmidt: Schönberg.
Leben – Umwelt – Werk. Zürich 1974, p. 124.
Stuckenschmidt nennt keine Quelle für diese Information; ein entsprechender Brief von Carl
Moll an Schönberg ist nicht erhalten.
9 Veröffentlicht in: H[ans] H[einz] Stuckenschmidt:
Schönberg, a. a. O., p. 133.
10 Vgl. Herta Blaukopf: Die Andacht der
zweiten Wiener Schule, in: »Erst wenn einer tot
ist, ist er gut.« Künstlerreliquien und Devotionalien.
Herausgegeben von Ilija Dürrhammer und Pia
Janke. Wien 2002, p. 92–99.
11 Das autographe Particell von Gustav Mahlers
Orchesterlied Um Mitternacht.
12 Vgl. die detaillierte Darstellung von Sophie
Lillie: Was einmal war. Handbuch der enteigneten
Kunstsammlungen Wiens. Wien 2003, p. 735 ff.
13 Wien Museum (früher Historisches Museum
der Stadt Wien), I. N. 77.881.
14 Wien Museum, I. N. 77.882.
15 Vgl. Carl Moll an Schönberg: »In Wien grüsst
mich von einer Wand meines Atelier Ihr Selbstportrait […]« (22. März 1932); »Frage ich mich was
meiner Arbeit Ihre Sympathie verschaffen kann –
so glaube ich eine Antwort in der Innerlichkeit der
beiden Bildnisse, welche mich von der Wand meines
Ateliers grüßen, zu finden.« (21. Dezember 1932).
Moll schenkte Schönberg zu Weihnachten 1932
sein Bild Wiener Atmosphäre und bekam
den Doppelkanon (in der Unterquint) im Spiegelbild
für Carl Moll als Dank für ein Geschenk,
27. XII. 1932. Zum Anlaß vgl.: Arnold Schönberg:
Sämtliche Werke. Abteilung V: Chorwerke. Reihe B,
Band 18,1: Chorwerke I. Kritischer Bericht zu Band
18A, Teil 1: Skizzen. Herausgegeben von Tadeusz
Okuljar und Martina Sichardt. Mainz, Wien 1991,
p. 85.
16 Die Restitutionsmaterialien des Österreichischen
Bundesdenkmalamts in Wien listen
Werke von Emil Schindler, Oskar Kokoschka,
Alfred Kubin und Carl Moll auf.
17 Moll nahm sich nach dem Einmarsch russischer
Truppen in der Nacht vom 12. auf den
13. April 1945 zusammen mit seiner Tochter
Maria und deren Mann, einem Nationalsozialisten,
das Leben; vgl. G. Tobias Natter: Carl Moll
– Stationen eines bewegten Lebens, in: ders.
und Gerbert Frodl: Carl Moll (1861–1945). Wien
1998, p. 39.
18 Pierpont Morgan Library, New York.
19 Mahler hatte zwei Monate vor der Ausstellung
Schönberg bereits mit dem Darlehen
einer größeren Geldsumme aus finanziellen
Schwierigkeiten geholfen; vgl. den Dankbrief
Schönbergs vom 3. August 1910; veröffentlicht
in: Alma Mahler: Gustav Mahler. Erinnerungen
und Briefe. Amsterdam 1949, p. 477.
20 Dessen Schwester Alma Rosé verstarb am
5. April 1944 in Auschwitz (Datenbank der
Holocaustopfer im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Wien).
21 Vgl. Stephen McClatchie: The Gustav Mahler – Alfred Rosé Collection. An Inventory. London/
Ontario 1996.
22 Vgl. Anm. 6, p. 38.
23 Die beiden von Gustav Mahler signierten
Fotografien (und möglicherweise auch die beiden
Blätter) wurden in den 1970er Jahren aus
dem Arnold Schoenberg Institute in Los Angeles
gestohlen.
24 Arnold Schönberg Center, Wien (Fotos 1533
und 2926). Eine der beiden Fotografien sandte
Schönberg im Dezember 1911 mit einer Widmungszeile
aus dem II. Streichquartett op. 10
an Wassily Kandinsky; vgl. ein Farbfaksimile in:
Schoenberg, Kandinsky, and the Blue Rider. Edited
by Esther da Costa Meyer and Fred Wasserman.
London, New York, Paris 2003, p. 29.
25 Aquarellierte Postkarte an Oskar Posa vom
18. August 1905 mit dem Motiv Nachtleben
beim »Hoisen« in Gmunden (Katalognr. 231;
Wiener Stadt- und Landesbibliothek, Handschriftensammlung;
Vorlage zu Katalognr. 248,
dort nicht angeführt). Die späteren von Schönbergs
Hand überlieferten Postkartenzeichnungen
sind ein undatiertes Stilleben für Franz
Schreker (Katalognr. 234; Arnold Schönberg
Center, Wien) und zwei Landschaftsdarstellungen
für seine Frau Gertrud vom September 1930
(Katalognr. 232, 233; The Library of Congress,
Washington D.C., Music Division [Arnold
Schoenberg Collection]).
26 Katalognr. 337. Das Motiv der Karte ist faksimiliert
in: Autographen aus allen Gebieten. Auktion
am 24. und 25. November 1981. Katalog 624. J. A. Stargardt, Marburg, p. 747 (dort fälschlicherweise
mit Sommer 1908 datiert). Das
Arnold Schönberg Center ist im Besitz einer
Kopie der Kartenrückseite mit Schönbergs Text.
27 Separatabdruck aus Nr. 2 der Wiener Kunst und
Buchschau ex 1910 (Arnold Schönberg
Center, Wien).
28 Porträts von Schönberg, in: Der Merker 2
(Juni 1911), Heft 17, s. p. (Katalognr. 341, 342).
29 Der Arzt Karl Robert Werndorff.
30 Eberhard Freitag: Schönberg als Maler. Phil.
Diss. Münster 1973, p. 138.
31 Zur Geschichte der Buchhandlung Heller
und dem Schicksal der von ihm mitbegründeten
Bukum A. G. vgl. Georg Hupfer: Zur Geschichte
des antiquarischen Buchhandels in Wien. Phil.
Dipl. Universität Wien 2003, p. 256–264; sowie
Sabine Fuchs: Hugo Heller (1870–1923 ). Buchhändler
und Verleger in Wien. Eine Monographie.
Phil. Dipl. Universität Wien 2004.
32 Die ersten Reproduktionen der bildnerischen
Werke wurden u. a. veröffentlicht in: Der Merker
2 (Juni 1911), s. Anm. 28; Arnold Schönberg. Mit
Beiträgen von Alban Berg et al. München 1912;
zur Erste[n] Ausstellung der Redaktion Der Blaue
Reiter. München 1912; New York Times (19 January
1913 ), p. 9; sowie diverse Rezensionen zu
Schönberg-Aufführungen ab 1911.
33 Vgl. Postkarte an Alban Berg vom 12. November
1910: »Lieber Berg, ich brauche dringendst für
Berlin Reproduktionen meiner Bilder. Alle, da
ich sie an Cassierer schicken soll. Es wäre mir sehr
angenehm, wenn Sie mir heute ins Konservatorium
schon eine solche Kollektion mitbringen könnten.
Jedes Bild einmal.« (Österreichische Nationalbibliothek,
Musiksammlung [Fonds 21 Berg]).
34 Eine zweite Version vom Selbstportrait Katalognr.
71.
35 Vgl. den Beitrag »Datierung, Werkgruppen,
Werktitel«, p. 152 im Catalogue raisonné.
36 Katalognr. 89, 101, 102, 104.
37 Arnold Schönberg: Berliner Tagebuch, s.
Anm. 1, p. 14 f.
38 Schönberg lebte dort zwischen Januar 1910
und August 1911.
39 Vgl. Therese Muxeneder: Zu Datierung,
Werkgruppen und Werktiteln der bildnerischen
Werke Arnold Schönbergs, in: Der Maler Arnold
Schönberg. Bericht zum Symposium 11.–13. September
2003. Herausgegeben von Christian Meyer. Wien 2004 (Journal of the Arnold Schönberg
Center. 6/2004.)
40 Aus einem Brief von Oskar Adler an Schönberg
aus dem Jahr 1949 läßt sich erschließen,
daß die Bekanntschaft mit Eichberg spätestens
auf die frühen 1890er Jahre zurückgeht: »Meine
Jugenderinnerungen sind gleich lebendig geblieben.
Oft denke ich an die Zeit zurück […] Viele Figuren
tauchen da auf – Eichberg, dem ich es verdanke,
dich kennen gelernt zu haben […].«
41 Jüngsten Recherchen von Randol E. Schoenberg
zufolge leben Nachfahren der Familie
Eichberg nach wie vor in Maryland, USA.
42 Hypothetisch muß die Anekdote bleiben,
wonach der Streit mit seinem Vermieter Philip
Josef von Wouvermans 1911 auch darauf zurückging,
daß Schönberg dessen Frau Therese portraitierte.
Zu den Hintergründen der Affaire vgl.
Therese Muxeneder: Arnold Schönbergs Wiener
Wohnsitze, in: Arnold Schönberg Center Newsletter 4 (Februar–Juni 1999), p. 13.
43 Brief vom 29. April 1911 (Paul Sacher Stiftung,
Basel); zitiert nach: Anton Webern: Briefe
an Heinrich Jalowetz, herausgegeben von Ernst
Lichtenhahn. Mainz etc. 1999, p. 146 (Veröffentlichungen
der Paul Sacher Stiftung. Publications
of the Paul Sacher Foundation. 7.)
44 Transkription auf p. 98 in diesem Band.
45 Anton Webern: Briefe, s. Anm. 43, p. 156.
46 Anton Webern an Alban Berg, 11. Januar und
16. Februar 1912; Alban Berg an Anton Webern,
17. Februar 1912.
47 Vgl. Jane Kallir: Egon Schiele: The Complete
Works. New York 1990, p. 591 f. (Kallir
2085–2088).
48 Die beiden Geschäfte waren im 1. Bezirk
situiert (Singerstraße 9, Blutgasse 9).
49 Vgl. Sophie Lillie: Was einmal war, s. Anm. 12,
p. 435.
50 Bildnis des Komponisten Arnold Schönberg.
Gouache, Aquarell und Kreide auf Papier (Kallir
2085).
51 Karl Grünwald an Arnold Schönberg,
21. März 1938.
52 Grünwald hatte seine Kunstsammlung bei
der Vermögensanmeldung als »moderne Bilder«
deklariert und erhielt im November 1938 die
Ausfuhrgenehmigung für die komplette Sammlung.
Die Bilder von Schönberg und Schiele
scheint er jedoch bereits im September nach
Frankreich gebracht zu haben. Da Kunstwerke
erst 20 Jahre nach dem Tod des Künstlers bewilligungspfl
ichtig waren, gibt es in den Akten des
Österreichischen Bundesdenkmalamts keine
genaue Liste der durch Schenker nach Frankreich
spedierten Werke. ( Vgl. Sophie Lillie: Was
einmal war, s. Anm. 12, p. 436; sowie Akte ZI
8257 [Karl Grünwald] in den Ausfuhrmaterialien,
Bundesdenkmalamt, Wien.)
53 Restitutionsmaterialien des Österreichischen
Bundesdenkmalamts, Wien (fol. 3 in PM Grünwald);
veröffentlicht in Sophie Lillie: Was einmal
war, s. Anm. 12, p. 437. In seinem Schreiben
listet Grünwald aus dem Gedächtnis Gemälde,
Grafiken und Lithografien von Gustav Klimt,
Egon Schiele, Herbert Boeckl und Honoré
Daumier auf. Gustav Klimts Gemälde Die Erfüllung
(eine Replik von Kuss) wurde erst im Jahr
2000 an die Erben Grünwalds restituiert.
54 Karl Grünwald an Arnold Schönberg,
31. Januar 1941.
55 Modern Music 21 (March–April 1944), No. 3
(Hommage To Schönberg). Mit Beiträgen von
Arnold Schönberg, Ernst Krenek, Lou Harrison
und Kurt List.
56 Minna Lederman an Arnold Schönberg,
9. Februar 1944.
57 Nachforschungen im Archiv der League of
Composers, Herausgeber von Modern Music,
blieben erfolglos.
58 Laut Auskunft von Lawrence Schoenberg mit
Katalognr. 118 vergleichbar.
59 Vgl. Schoenberg Art Stolen, in: Daily Facts.
Redlands/California (23 September 1974); $ 500
Reward For Drawings Stolen at USC, in: Long
Beach Independent (23 September 1974); Reward
Offered For Stolen Drawings, in: Los Angeles
Times (23 September 1974).
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