Publikationen des Arnold Schönberg Center

Arnold Schönberg in Berlin. Bericht zum Symposium – Report of the Symposium, 28.–30. September 2000

Herausgegeben von Christian Meyer. Arnold Schönberg Center 2001
(Journal of the Arnold Schönberg Center 3/2001)


Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Schönbergs Berlin 1926-1933 / Peter E. Gradenwitz
Round-Table »Moses und Aron« / Christian Martin Schmidt, Marc Kerling, Götz Friedrich
Berlin und Wien - zum Gegensatz der Metropolen vor dem Nationalsozialismus / Manfred Wagner
Between Modernism and Modernity. Schönberg and Schreker in Berlin / Christopher Hailey
Arnold Schönberg und das Stern’sche Konservatorium der Musik / Dietmar Schenk
Oratorium oder Liederzyklus? Zur Entstehung von Schönbergs »Gurre-Liedern« / Ulrich Krämer
Bearbeitung als künstlerische Reflexion. Schönbergs Bearbeitungen des »Concerto per Clavicembalo« von Matthias Georg Monn / Beat A. Föllmi
Leopold van der Pals. Ein Komponist in Berlin und seine Schönberg-Rezeption / Wolfram Graf
Analytic Approaches to »Pierrot lunaire« / Stephan Weytjens, Mark Dealaere
Ästhetische Analyse. Grundzüge zur Lesung der Klangfarben in »Pierrot lunaire« / Nicola Buso
Klangfarbenverschmelzung von Stimme und Instrumenten in »Pierrot lunaire« / Marinella Ramazotti
Traditionelle Symbolik in »Pierrot lunaire« / Hartmut Krones
Die Entwicklung des Konzepts des musikalischen Gedankens 1925-1934 / Andreas Jacob
Ein Freund! Ein guter Freund? Winfried Zilligs Beziehung zu Arnold Schönberg / Matthias Henke
Erich Schmid, ein Meisterschüler von Arnold Schönberg / Andreas Spörri
Nikos Skalkottas: Ein griechischer Schüler Arnold Schönbergs in Berlin / Nina-Maria Jaklitsch
The Disciple’s Tale: The Reception and Assimilation of Schönberg's Teachings on Grundgestalt, Coherence and Comprehensibility by his Pupil, the Composer Nikos Skalkottas / Evangelia Mantzourani
Suspended Tonalities in Schönberg’s Twelve-Tone Compositions / Richard Kurth
Schönbergs Prinzip der Abwicklung / Ralf Alexander Kohler
Wie viel Ungenauigkeit erlaubt die Zwölftontechnik? Variantenbildung und Dodekaphonie in Schönbergs Orchestervariationen op. 31 / Christoph Becher
»Drei Kritiker sprechen zuerst je drei Minuten...« Schönbergs Berliner Bemühungen um eine neue Rezeption seiner Musik / Wolfgang Gratzer
Pitch-Association in Schönberg’s »Moses und Aron«. The Symbolic Representation of God and the Graven Image / Anna Sofie Christiansen
Der alte Schönberg und die Jungen. Der ästhetische Stellenwert von Schönbergs »Von heute auf morgen« / Pieter Bergé
Arnold Schönberg als Regisseur? »Erwartung« und »Die glückliche Hand« and der Krolloper / Evan Baker
Programm des Symposiums


Abstrakt

Daß Arnold Schönberg ein an Höhepunkten wie Katastrophen reiches Leben führte, gilt noch verstärkt für seine in Berlin verbrachten Lebensabschnitte. Den ersten Berliner Aufenthalt kurz nach der Jahrhundertwende bezeichnen nicht nur die Komposition des großen Orchesterwerkes »Pelleas und Melisande« sowie die Arbeit an den »Gurre-Liedern«, sondern auch der Konkurs des Kabaretts von Wolzogen, dessentwegen Schönberg in der Hoffnung auf eine Kapellmeister-Karriere in die deutsche Hauptstadt übersiedelt war; der zweite längere Aufenthalt in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ist die Zeit seiner Oper »Die glückliche Hand« und des »Pierrot lunaire« und endet 1915 im Weltenbrand, der Schönberg zurück nach Wien und wenig später als Soldat in den Krieg führt. Höchste Ehrung und größte Erniedrigung erfährt Schönberg schließlich bei seinem längsten Berlin-Aufenthalt, der für ihn 1925 mit der Berufung zum Vorsteher einer Meiserklasse für musikalische Komposition an die Akademie der Künste beginnt und 1933 mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, der Entlassung des Juden Schönberg und der Emigration endet. Natürlich überschattet die nationalsozialistische Katastrophe auch im Rückblick von sieben Jahrzehnten Schönbergs Berliner Jahre in dominanter Weise, zumal er, einmal in den Vereinigten Staaten von Amerika angekommen, diese bis zu seinem Tod 1951 nicht mehr verließ. Zugleich muß festgestellt werden, daß Schönberg gerade in Berlin den attraktivsten Posten betreffend Reputation wie Bezahlung erhielt, eine Grundvoraussetzung für die Entstehung seiner größten Werke, allen voran der Oper »Moses und Aron«, welcher im vorliegenden Symposiumsbericht ein eigener Abschnitt gewidmet ist. Auch in Berlin gelingt es wie zu Schönbergs Wiener und Mödlinger Zeit, einen Blick durch seine Schüler auf den Meister zu werfen. Aus der Vielzahl von Berliner Meisterschülern liegen in diesem Band Referate zu Nikos Skalkottas, Winfried Zillig und Erich Schmid vor. Letzterer war als Zeitzeuge zum gegenständlichen Symposium eingeladen, mußte aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. Er verstarb am 17. Dezember 2000. Der Tod von Intendant Götz Friedrich, welcher am Round-table zu Schönbergs Oper »Moses und Aron« teilgenommen hatte, einem der letzten öffentlichen Auftritte des großen Regisseurs, und das Ableben von Kammersänger Walter Berry wenige Wochen nach dem in Zusammenhang mit dem Symposium veranstalteten Lied-Workshop am Schönberg Center veranlassen Vorstand und Leitung unserer Stiftung dazu, den vorliegenden Band dem Andenken an diese drei großen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zu widmen. (Vorwort, Christian Meyer)
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