Publikationen des Arnold Schönberg Center

Arnold Schoenberg in America. Bericht zum Symposium – Report of the Symposium, 2.–4. Mai 2001

Herausgegeben von Christian Meyer. Arnold Schönberg Center 2002
(Journal of the Arnold Schönberg Center 4/2002)


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Grenzklänge. Einige Bemerkungen zu Schönbergs Alterswerk / Matthias Schmidt
Kontinuität und Bruch. Leitlinien im Spätwerk: Verarbeitungsstrategien der Exilssituation / Marc Kerling
Anmerkungen zum Spätwerk Arnold Schönbergs / Ralf Alexander Kohler
Arnold Schönbergs »Ode to Napoleon Buonaparte« op. 41. Anmerkungen zur Textvorlage / Dirk Buhrmann
Ode to Napoleon Buonaparte: Serial? – or tropal? – or newtonal? / Yuri Cholopov
Intertextualität und Distanz als Mittel zur politischen Aussage. Arnold Schönbergs »Ode to Napoleon Buonaparte« / Beat A. Föllmi
Gerald Strang’s Manuscript Notes to Arnold Schönberg’s Classes (1935-1937): Construction and the Two Learnings / Murray Dineen
Arnold Schönberg und die alte Modalität / Hartmut Krones
»Ein erfreulicher Ausflug in schöne Natur«? Die Suite für Streichorchester (1934) und Schönbergs Rückgriff auf die Tonalität / Markus Böggemann
Music and Memory. Schönberg’s Second Chamber Symphony and History / Michelle Duncan
Schönberg’s Kristallnacht Fugue. Contrapuntal Exercise or Unknown Piece? / Severine Neff
“Kol Nidre” in America / Steven J. Cahn
Tonal Analogies in Arnold Schönberg’s Fourth String Quartet / Ethan Haimo
Theory and Practice: Schönberg’s American Pedagogical Writings and the First Movement of the Fourth String Quartet, op. 37 / Robert Pascall
The Art of Cadence in Schönberg’s Fourth String Quartet. Metric Discourse or Metric Dialectic / Richard Kurth
Classical Form as Teaching Tool. Schönberg’s Pedagogy in Composition / Colleen Conlon
Zur Rezeption von Schönbergs Schaffen in Amerika vor 1933 / Sabine M. Feißt
Arnold Schönberg und die New Yorker Musikkritik / Gabriele Eder
“Dick, Dika, Dickest”. Dika Newlin’s “Thick Description” of Schönberg in Amerika / Elizabeth L. Keathley
“Themes and Variations”. John Cage’s Studies with Arnold Schönberg / David W. Bernstein
Programm des Symposiums

Abstrakt

Schönbergs Exil Kalifornien steht in seiner Biographie für zwei divergierende Aspekte. In politischer Hinsicht war dieses Land dem rassisch verfolgten Komponisten ein Hain der Eumeniden - gleich jenem Ort, an dem Ödipus nach langer Wanderschaft inneren Frieden und Vollendung fand. Die persönliche Situation aber, die Schönberg, seine Frau Gertrud und die einjährige Tochter Nuria, der sich später noch zwei Brüder beigesellen sollten, in den Westen Amerikas führte, zwang den gerade 60-jährigen zu gänzlich neuen und oftmals unangemessenen Aufgaben: den Aufbau einer Existenz, die Beschäftigung mit Anfängern im Kompositions- und Musiktheorieunterricht bis hin zu Publikationen für diesen Kreis zur Finanzierung des Lebensunterhalts, und zur Eingliederung in die intellektuelle Exilszene innerhalb eines weitgehend verständnislosen Umfelds. Umso kompromißloser liegt heute Schönbergs Alterswerk vor uns - in dodekaphonen wie tonalen Kompositionen ebenso wie in seinen Schriften, die dank der großherzigen Schenkung durch Familie Schoenberg im Jahr 1997 nunmehr im Archiv unserer Stiftung aufbewahrt sind. Arnold Schönbergs Schaffen der dreißiger und vierziger Jahre hat in mehrfacher Hinsicht Irritationen hervorgerufen: Das Nebeneinander von dur-moll-tonalen, freitonalen und dodekaphonen Kompositionen war hierfür ebenso ausschlaggebend wie die religiösen und politischen Absichten, denen sich einige seiner Werke zu verpflichten scheinen. Selten zeigten sich die Deutungsversuche der Nachwelt so uneins wie im Hinblick auf diese Schaffensperiode: Inwieweit von »Spätwerken« (mit ihrem aureatischen Glanz des Vermächtnishaften und den verschiedentlich bemühten Vergleichen mit Beethoven) die Rede sein kann, inwieweit Schönbergs Werke Dokumente des »Exils« sind oder auch in Europa hätten geschrieben werden können, worin sich Brüche oder Kontinuitäten seines musikalischen Denkens offenbaren, und schließlich, warum Schönbergs Werke in der Alten und der Neuen Welt auch heute noch mit einer unterschiedlichen Schwerpunktbildung rezipiert werden, sollte hinterfragt werden. (Vorwort, Christian Meyer)
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